Paketzentrum Härkingen
Im Paketzentrum Härkingen herrscht kurz vor Weihnachten Hochbetrieb

Weihnachtspäckli bringt nicht nur das «Christkindli», sondern auch der «Pösteler». Und zwar viele, sehr viele sogar. Ein Augenschein im Paketzentrum in Härkingen zeigt: Kurz vor Weihnachten steigt die Verarbeitungsmenge an Paketen auf 180 Prozent.

Hansruedi Aeschbacher
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Blick ins Paketzentrum Härkingen.

Blick ins Paketzentrum Härkingen.

Hansruedi Aeschbacher

«Der letzte Dienstag war der absolute Spitzentag in diesem Jahr, haben wir doch genau 462 000 Pakete verarbeitet», erklärt nicht ohne Stolz Franz Lingg, Leiter des grössten Paketzentrums der Post in Härkingen. Und fügt an: «Im Durchschnitt sind es ‹nur› um die 260 000 Päckli.» Wenn ab Mitte November wegen der bevorstehenden Weihnachtstage die Paketmenge kontinuierlich auf rund 400 000 steigt, kann diese Masse nicht ohne zusätzliches Personal bewältigt werden. 70 temporäre Mitarbeitende unterstützen in diesen Tagen die 280 fest angestellten Päckli-Profis, und zusammen mit der zusätzlichen Verlängerung der Sortierzeiten kann der tägliche Paketberg fristgerecht abgetragen werden.

Bernhard Bürki, Mediensprecher der Schweizerischen Post, verrät, dass in den drei grossen Paketzentren Härkingen, Frauenfeld und Daillens an den Spitzentagen in der Adventszeit über eine Million Pakete pro Tag sortiert werden. Pro Jahr seien es über 100 Millionen, so Bürki.

Internetversand ist explodiert

Der weitaus grösste Teil der Pakete besteht auch in der Weihnachtszeit aus Geschäftssendungen. In den letzten paar Jahren sei der Internetversandhandel regelrecht explodiert, sagt Zentrumsleiter Franz Lingg. Das führe mitunter zu solch grotesken Situationen, dass der französische Textilversender die Schweizer Bestellung in sein Logistikcenter in Polen schickt, das Kleidungsstück dort verpackt und per Lastwagen nach Härkingen transportiert, erzählt Lingg.

Das Paketzentrum Härkingen ist zuständig für Pakete aus dem und für das Mittelland und den Kanton Tessin. 131 Andockstellen für Lastwagen und Wechselbehälter sind rund um den riesigen Gebäudekomplex angebracht. Die ankommenden Pakete - rund 60 Prozent gelangen per Bahn nach Härkingen - werden sofort in den Sortierkreislauf eingespeist. Das automatische Codiersystem fotografiert das Paket, erfasst Strichcode, Grösse und Gewicht sowie die Lieferadresse. Werden die Adressen vom System nicht erkannt, gelangen die fotografierten Adressen auf den Bildschirm von flinken Videocodiererinnen. Diese geben die uneinlesbaren Adressen von Hand ein, und schon gelangt das Paket auf die richtige Förderbahn. Wenn eine Codierung nicht möglich ist, zum Beispiel wegen störender Verpackungsbänder, verlässt das Paket automatisch die Sortieranlage und landet in der manuellen Codierung.

«Noch keine Abnützungserscheinungen»

Nun sausen die Pakete im 6-km/h-Tempo auf langen Förderbändern und schlittern dann über eine der 352 Rutschen in die richtige Abteilung. Hier stapeln Logistiker die Pakete in Rollboxen und verlassen anschliessend das Paketzentrum Richtung Empfänger. Zentrumsleiter Franz Lingg verweist nicht nur auf die kurzen Durchlaufzeiten der Pakete, sondern auch auf deren schonende Behandlung auf der langen Förderbandreise. «Durch uns beschädigte Pakete liegen im tiefsten Promillebereich. Die Abteilung mit den «Päckli-Doktoren», wie es sie in den alten Paketzentren (zum Beispiel Däniken) gab, brauchen wir in Härkingen nicht», so sein erfreuliches Fazit.

Der Luzerner Franz Lingg führt den hochtechnisierten Betrieb seit seiner Eröffnung im Jahre 1999. «Nein, das Paketzentrum zeigt trotz seines Alters noch keine Abnützungserscheinungen», antwortet Lingg auf die entsprechende Frage. «Im Gegenteil: Dank den ständigen Verbesserungen läuft es sogar besser als bei seiner Inbetriebnahme vor 13 Jahren.» Die «Christkindli» der kommenden Jahre müssen sich also keine Sorgen machen: Die Weihnachtspäckli werden auch zukünftig rechtzeitig unter dem Weihnachtsbaum liegen.