Neubau
Im neuen Bell-Werk in Oensingen kommen auch Roboter zum Einsatz

Bell sieht bis 2025 500 Mio. Franken für den Ausbau und die Stärkung der Standorte Oensingen und Basel vor. Rund zwei Drittel davon sollen ins Gäu fliessen. In den in Oensingen geplanten Werken sollen neben Fachkräften auch Roboter zum Einsatz kommen

Erwin von Arb
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Die Grossmetzgerei Bell in Oensingen. (Archiv)

Die Grossmetzgerei Bell in Oensingen. (Archiv)

Hansruedi Aeschbacher

Der Fleischverarbeiter Bell blickt nicht nur auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2016 zurück: Der Reingewinn stieg um 6,1 Prozent auf 100,6 Mio. Franken, wie die Coop-Tochter gestern an einer Medienkonferenz mitteilte (siehe auch Seite 11). Aus Sicht der Region besonders interessant waren aber die Informationen über das Investitionsprogramm, das Bell Schweiz unter dem Namen «Opera» lanciert hat.

Dieses sieht bis 2025 Investitionen in der Höhe von 500 Mio. Franken für den Ausbau und die Stärkung der Standorte Oensingen und Basel vor. Damit soll der Grundstein für eine noch leistungsfähigere Produktion in der Schweiz gelegt werden, wie Lorenz Wyss, Vorsitzender der Bell-Gruppe, erwähnte.

Oensingen kommt als künftig wichtigster Standort für die Frischfleischverarbeitung von Bell eine besondere Bedeutung zu. Dies zeigt sich auch bei den geplanten Investitionen. Rund zwei Drittel der 500 Mio. Franken sollen ins Gäu fliessen, ein Drittel nach Basel.

Noch in der Entwicklungsphase

Der Bell-Chef liess auf Nachfrage durchblicken, dass beim Ausbauprojekt im Gäu der Automatisierung und der digitalen Vernetzung der Prozesse besondere Beachtung geschenkt werde. Konkret geht es Bell auch um den Einsatz von Robotern in der Fleischaufbereitung oder der Zerlegung.

Erste Schritte in diese Richtung seien bereits gemacht worden, meinte Wyss mit Verweis auf einen in Basel im Einsatz stehenden Charcuterie-Roboter. Für Bell stehe nicht der Abbau von Arbeitsplätzen im Fokus, sondern der Ersatz von auf dem Markt fehlenden Fachkräften. Wie hoch der Automatisierungsgrad in Oensingen sein werde, sei noch offen. Roboter für die Fleischverarbeitung müssten zuerst noch entwickelt werden.

In Oensingen sollen neue Werke für die Schweinezerlegerei sowie die Aufbereitung und Kommissionierung von Frisch- und Tiefkühlprodukten realisiert werden. Gebaut werden sollen diese Werke auf der 65 000 Quadratmeter grossen Parzelle Hohlinden, welche sich im Besitz von Bell befindet. Östlich dieser Parzelle sind im Baurecht ein neues Tiefkühllager sowie ein neues Parkhaus mit einer Kapazität von 1200 Parkplätzen geplant.

Rund 300 neue Arbeitsplätze

Die Anzahl Parkplätze entspreche in etwa der Anzahl der Mitarbeitenden, welche nach Abschluss des Gesamtprojektes in Oensingen arbeiten werden, bestätigte Wyss. Derzeit beschäftigt Bell in Oensingen 900 Personen. Zu diesem Stellenzuwachs wird es unter anderem wegen des Umzugs der noch in Basel domizilierten Schweinezerlegerei nach Oensingen kommen. Dazu kommen weitere Stellen aus Zürich und Cheseaux, wo die Verarbeitung von Rindfleisch eingestellt wird.

Um in Oensingen die nötigen Voraussetzungen für eine moderne und zeitgerechte Rindfleischverarbeitung zu schaffen, soll an der Dünnernstrasse ein Erweiterungsbau realisiert werden. Nötig sei dieser, weil der 1971 gebaute und danach mehrfach erneuerte Rinderschlachthof seinen Zenit erreicht habe. Zudem müssten neue Kapazitäten geschaffen werden. Gebaut werden soll der neue Schlachthof auf dem Parkplatz nördlich des bestehenden Produktionsbetriebs. Im Anschluss soll der bestehende Gebäudekomplex rück- und umgebaut werden. Mit dieser Vorgehensweise kann gemäss Bell ein Betriebsunterbruch vermieden werden.

Der Gestaltungsplan und der Umweltverträglichkeitsbericht für dieses Projekt soll bis im Juni dieses Jahres vorliegen. Je nach Ablauf des Bewilligungsverfahrens rechnet Bell mit einem Baustart für die Rinder-Metzgerei im ersten Quartal 2018. Die Inbetriebnahme könnte danach in der zweiten Jahreshälfte 2019 erfolgen.

Der Fleischverarbeiter Bell präsentierte erstmals Pläne für das Ausbauprojekt Oensingen.

Der Fleischverarbeiter Bell präsentierte erstmals Pläne für das Ausbauprojekt Oensingen.

Illustration: zgv

Einen Gestaltungsplan und der Umweltverträglichkeitsbericht braucht es auch für das erwähnte Parkhaus. Die Inbetriebnahme ist im vierten Quartal 2018 vorgesehen. Das 30 000 Paletten fassende Tiefkühllager östlich der Parzelle Holinden soll wenn möglich Mitte 2019 in Betrieb genommen werden. Gestaltungsplan, Umweltverträglichkeitsbericht und das Baugesuch dafür sind in Arbeit.

Neue Werke erst 2023

Noch in der Vorprojektphase befinden sich hingegen die auf der Parzelle Holinden geplanten neuen Werke für die Schweinezerlegung sowie die Aufbereitung und Kommissionierung von Frischprodukten. «Vieles ist schon auf Papier, anderes noch in den Köpfen», meinte Bell-Chef Wyss zum aktuellen Stand. Die Investitionen für diesem Projektteil seien erst ab 2023 vorgesehen.

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