Die Migros Verteilbetrieb Neuendorf AG (MVN) platzt seit geraumer Zeit fast aus allen Nähten und hat darum Mitte letztes Jahr ein 65 Mio. Franken teures Ausbauprojekt lanciert.

Damit einhergehend entstehen in Neuendorf zusätzlich 50 neue Arbeitsplätze. Kernstück des Projekts bildet der Bau eines neuen Logistiklagers westlich der Neustrasse mit einem Gebäudevolumen von 385 000 Kubikmeter. Um Bauland einzusparen, werden 10 Meter des insgesamt 30 Meter hohen Gebäudes unter Terrain realisiert (wir berichteten).

Diese ressourcenschonende Bauweise hat allerdings zur Folge, dass riesige Mengen an Aushubmaterial anfallen, die mit Lastwagen in vier nahe gelegene Deponien abtransportiert werden müssen.

Insgesamt geht es dabei um 220 000 Kubikmeter Material. Um die mit dem Abtransport verbundenen Emissionen, wie etwa verschmutzte Strassen, auf möglichst tiefem Niveau zu halten, plante die Migros diese Arbeiten in den Wintermonaten.

Schmutzspur zieht sich bis ins Dorf

Wegen der aktuell milden Temperaturen ist nun aber das Gegenteil eingetreten. Seit Beginn der Aushubarbeiten am 3. Dezember 2013 ist auf der Neustrasse immer wieder eine mehr oder weniger dicke Schmutzschicht zu beobachten.

Die 40 im Anderhalbminutentakt in die Baustelle ein- und ausfahrenden Lastwagen verteilen den Schmutz bisweilen bis auf die Dorfstrasse von Neuendorf. Und auf dem Rückweg aus den Deponien lassen die Lastwagen den dort an den Pneus kleben gebliebenen Schmutz ebenfalls auf der Fahrbahn liegen.

Bei den täglich rund 300 Hin- und Rückfahrten kommt so viel Dreck zusammen, dass auf dieser Strecke verkehrende Autos meist reif für die Waschanlage sind. Ärger ist also programmiert.

Teils heftige Reklamationen aus der Bevölkerung liessen denn auch nicht lange auf sich warten. Mit solchen eingedeckt wurde neben der Bauherrin auch die Gemeindeverwaltung Neuendorf, wo die Telefone bis vor Kurzem heiss liefen, wie Gemeindepräsident Rolf Kissling erklärt.

Inzwischen habe sich die Lage etwas beruhigt. «Wir haben natürlich umgehend das Gespräch mit der Bauherrschaft sowie mit den zuständigen kantonalen Stellen gesucht und gemeinsam nach Lösungen gesucht.» Neben der Migros und der Gemeinde haben sich daran die Polizei, das Strassenverkehrsamt und die Bauunternehmen beteiligt.

Mit Schotter und Wasser

Geprüft wurden viele Optionen, wie MVN-Geschäftsführer Hans Kuhn erwähnt. Etwa die Installation von Radwaschanlagen, wofür aber die Länge der Baustellenausfahrt nicht ausreiche.

Zudem würden mindestens vier solcher Anlagen benötigt, um den Betrieb auf der Baustelle nicht zu lähmen. «Wir erachten es als vordringlich, die Aushubarbeiten so schnell als möglich auszuführen», so Kuhn.

Deshalb habe man nach praktikablen Lösungen gesucht und sich dafür entschieden, die Baustellenausfahrt mit einer Schotterschicht zu belegen. Diese könne einen grossen Teil des an den Pneus der Lastwagen klebenden Schmutzes aufnehmen.

Und wenn die Schotterschicht «voll» sei, werde einfach eine neue aufgetragen. Zusätzlich werden die Pneus der Lastwagen, bevor sie von der Baustelle auf die Neustrasse einbiegen, ab Hydrant mit Wasser abgespritzt. Dies sei allerdings nur bei Plustemperaturen möglich. «Bei Frost ist das zu gefährlich», gibt Kuhn zu bedenken.

Wischmaschinen im Dauereinsatz

Zur Besserung der Strassenverhältnisse tragen auch mehrere Wischmaschinen bei, welche permanent auf der Neustrasse und der Dorfstrasse in Neuendorf im Einsatz stehen. Diese wirkungsvolle Massnahme stand übrigens fast vor dem Aus, weil einige der eingesetzten Wischmaschinen eigentlich zur Revision in der Werkstatt angemeldet waren.

«Das ist völlig normal im Winter», bemerkt Kuhn dazu. Um zu verhindern, dass die Neustrasse wegen fehlender Wischmaschinen erneut im Dreck versinkt, wurden zwischenzeitlich alle Hebel in Bewegung gesetzt.

Mit Erfolg, wie der MVN AG-Geschäftsführer erleichtert vermelden kann. Die für die Baustelle zuständige «Arge Dörfliger, Flückiger, Marti» stellt zusammen mit dem Kanton ab sofort vier bis fünf grosse Wischmaschinen zu Verfügung.

Dennoch werde es nicht möglich sein, die Fahrbahn jederzeit vollkommen sauber zu halten. «Ganz ohne verschmutzte Strassen wird es leider nicht gehen», sagt Kuhn und verspricht, alles daran zu setzen, damit die Verschmutzung in einem vertretbaren Rahmen bleibt. «Es tut uns natürlich leid, der Gäuer Bevölkerung, Ungemach zu bereiten, und dafür entschuldigen wir uns in aller Form.»

Mittelfristig weniger Verkehr

Mit den beschriebenen Strassenverhältnissen muss noch etwa fünf bis sieben Wochen gerechnet werden. Von den insgesamt 220 000 Kubikmeter Erdreich sind nämlich erst 80 000 ausgebaggert und abtransportiert worden. Die Verantwortlichen hoffen, bald auf weniger humusreiche Schichten zu stossen. Das würde die Lage entspannen.

Gemeindepräsident Rolf Kissling ist zufrieden mit den eingeleiteten Massnahmen. Mehr sei bei realistischer Betrachtung nicht möglich.Ein Lichtblick seien die in Aussicht gestellten neuen Arbeitsplätze sowie, dass mit der Fertigstellung des Logistiklagers 19 Aussenlager der Migros aufgelöst werden könnten und damit weniger Lastwagenfahrten nötig seien.