Laupersdorf
Im letzten Amtsjahr blies Thomas Schwaller der Wind oft heftig ins Gesicht

Nach acht Jahren als Gemeindepräsident von Laupersdorf tritt Thomas Schwaller am 31. Juli zurück. Das letzte Jahr war für ihn mit den Themen Asylzentrum Hellchöpfli, Bergschule Brunnersberg und Windpark Schwängimatt das intensivste.

Alois Winiger
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Kein Freund lauter Worte: Thomas Schwaller setzte sich ruhig, aber mit Überzeugung für sein Amt als Gemeindepräsident ein.

Kein Freund lauter Worte: Thomas Schwaller setzte sich ruhig, aber mit Überzeugung für sein Amt als Gemeindepräsident ein.

Alois Winiger

Er spricht nie laut, auch wenn es manchmal die Situation erfordern würde. Seine Überzeugung und Begeisterung für seine Arbeit spürt man in jedem Fall. Auch wenn er verhältnismässig leise spricht. Acht Jahre lang war Thomas Schwaller (CVP) Präsident der Einwohnergemeinde Laupersdorf. Das zu Ende gehende Amtsjahr war das heftigste. Stichworte sind Asylzentrum Hellchöpfli, Bergschule Brunnersberg und Windpark Schwängimatt – Themen, bei denen er als Gemeindepräsident zwischen Fronten stand, die mit aller Kraft verteidigt wurden.

«Ja», sagt Schwaller, «diese Themen haben mich wirklich ausserordentlich stark gefordert. Belastend wurde es besonders dann, wenn auf den Mann gezielt wurde, genauer gesagt, auf mich.»

Angekreidet worden ist ihm, dass er sich anfänglich kritisch zur Windenergiegewinnung auf den Jurahöhen geäussert hat, jetzt aber dafür ist. Er, der sich für den Naturschutz engagiert und bei den Mitinitianten für den Naturpark Thal war. «Naturschutz und Windenergie lassen sich vereinbaren», erklärt Schwaller. «Je länger, je mehr ich mich mit einem möglichen Windpark im Thal auseinandersetzte, desto mehr kam ich zur Überzeugung, dass jede vertretbare Alternative genutzt werden muss, um aus der Abhängigkeit des Atomstroms zu kommen.» Laupersdorf habe grundsätzlich Ja gesagt zum Richtplan Windenergie. «Jetzt hat jemand ein Projekt für einen Windpark eingereicht und da ist es nur logisch, dieses auch zu prüfen. Ob denn auch wirklich gebaut wird, ist damit noch nicht gesagt.» Und dass der Wind noch drehen kann, weiss Schwaller auch. Denn ein neu zusammengesetzter Gemeinderat wird sich damit auseinandersetzen müssen mit Edgar Kupper an der Spitze; er vertritt die gegenteilige Meinung von Schwaller.

Eine weitere heikle Situation ergab sich, als der Gemeinderat sich gegen die Weiterführung der Bergschule Brunnersberg entschied – durch Schwallers Stichentscheid. «Ein seltener Fall», sagt er. In der Regel fälle der Gesamtgemeinderat klare, eindeutige Entscheide. Und auf diesen Rat ist Schwaller stolz, ebenso auf die Gemeindeverwaltung als jederzeit verlässlichen Partner. «Die Resultate lassen sich sehen.»

Es würde das Bild von Schwallers Amtszeit völlig verfälschen, würde man das Augenmerk nur auf das erwähnte, letzte Jahr richten. Wenn Schwaller auf das Thema «Kinderfreundliche Gemeinde» zu sprechen kommt, so leuchten seine Augen. Im November 2010 wurde Laupersdorf als zweite Gemeinde in der Schweiz von der Unicef mit dem Label «Kinderfreundliche Gemeinde» ausgezeichnet und ist bis heute die einzige im Kanton Solothurn geblieben. «Mein Antrieb dazu war, Laupersdorf zu positionieren als eine Gemeinde, in der sich Familien wohlfühlen können. So wie meine Familie auch.»

Den Auslöser, sich diesem Label zu widmen, habe einerseits der Neubau der Mehrzweckhalle gegeben, der von seinem Vorgänger bereits aufgegleist worden war. «Diese Halle, der Aussenplatz und das Schulhaus haben sich zu einem pulsierenden Zentrum entwickelt. Hier kann man von einem Projekt sprechen, das nachhaltig ist, und das halte ich für lebenswichtig.» Anderseits habe Laupersdorf eine gut funktionierende Schule mit einem Team von Lehrkräften, die sich stark engagieren. «Aus all diesen Faktoren müsste man doch etwas machen», habe sich Schwaller gesagt und sei dann schliesslich auf das Unesco-Projekt gestossen. «Dann begann für mich die Überzeugungsarbeit. Aber das machte nichts, denn diese liegt mir.» Dass man sich auch falsche Vorstellungen machen kann, was zu einer kinderfreundlichen Gemeinde gehört, bekam er des Öftern zu hören. «Manchmal dachten die Eltern dabei mehr an sich als an die Kinder.»

An seine noch junge Familie denkt Thomas Schwaller unter anderem bei der Frage, warum er als Gemeindepräsident zurücktritt. «Ich möchte für sie mehr Zeit haben.»