Trimbach
Im «Isebähnli» in Trimbach geht die Wirte-Ära Flückiger zu Ende

Am Freitag war «Austrinkete» im «Isebähnli» in Trimbach. Ruedi und Madeleine Flückiger treten in den Ruhestand. Nach dem Umbau wird das Restaurant im März 2014 seine Türen wieder öffnen und weiterhin ein Mekka für Töfffahrer sein.

Beat Wyttenbach
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Beat Thommen wird das Lokal vom März an führen. bw

Beat Thommen wird das Lokal vom März an führen. bw

«Eine Ära geht nun zu Ende», erzählt Ruedi Flückiger. Er und Ehefrau Madeleine haben das «Isebähnli» in Trimbach seit 1983 in der dritten Generation geführt. Im Januar wird Flückiger 65 Jahre alt.

«Nun ist es Zeit, um in Rente zu gehen», meint er. 1961 hatten schon die Eltern Peter und Elsa Flückiger das Lokal von Ruedi Flückigers Grosseltern Werner und Martha Hagmann übernommen. Das Restaurant hat sich einen Namen gemacht als international bekannter Töfftreff. Jeweils an den Donnerstagen ist der grosse Parkplatz mit Hunderten von Motorrädern gefüllt. «Bis zu 1000 Töffs können es an sehr guten Tagen werden», so Flückiger.

Seit 1968...

...dient das «Isebähnli» also als Treffpunkt. Peter Flückiger hatte damals die entsprechende Zusage gegeben, als die Wirtin des Restaurants «Sonne» in Buckten BL, dem vorherigen Standort der Treffs, überraschend verstorben war. Und schon sehr bald wurden es immer mehr Töfffahrer, die im Lokal in der ersten Kurve des Hauenstein-Passes anhielten, um etwas zu konsumieren und sich mit Gleichgesinnten zu treffen.

«Massgebend dazu beigetragen hatte auch der Film ‹Easy Rider› mit Dennis Hopper und Peter Fonda, der 1969 in die Kinos kam und auch bei den Menschen bei uns die Sehnsucht nach Freiheit und einem Töff weckte», erinnert sich Flückiger.

30 Jahre wirten sind eine lange Zeit. Welche Erinnerungen bleiben da speziell haften? Ruedi Flückiger kramt in einer Plastikkiste, in der er über all die Jahre alle Artikel gesammelt hatte, die über sein «Isebähnli» erschienen waren. Und es ist viel zusammengekommen: Kaum eine Motorrad-Zeitschrift, Illustrierte oder Zeitung, die nicht über dieses Kultlokal, das «Mekka der Töfffahrer», geschrieben hätte.

Besonders in Erinnerung geblieben sind dem nun in Rente gehenden Wirt der Film, den das Londoner BBC-Fernsehen im Mai 1995 über das allwöchentlich stattfindende Töff-Treffen gedreht hatte; es handelte sich dabei um eine Equipe des Programms «Motorworld».

Im September 1997...

...dann drehte das Schweizer Fernsehen SF1 zur Sendung «typisch» mit Mariano Tschuor eine weitere Dokumentation über den Mythos «Hauenstein». Mit von der Partie war in dieser Live-Sendung auch der Schweizer Profi-Rennfahrer Jacques Cornu. Und ebenfalls im Jahr 1997 drehte das Schweizer Fernsehen SF1 im Rahmen von «SF-Spezial» eine 18-stündige Reportage, moderiert von Röbi Koller, Nicole Himmelreich, Patrick Rohr und Kurt Schaad. Und noch etwas ist dem Wirt aufgefallen: «Heute trinken Töfffahrer fast keinen Alkohol mehr. Es gibt seither auch weniger Unfälle».

Und Flückiger verrät auch sein Geheimnis, wie es möglich war, über einen solch langen Zeitpunkt ein Lokal wie das «Isebähnli» zu führen. «Meine Frau Madeleine hat einen hohen Anteil am Erfolg, und zuvor auch meine Mutter Elsa». Und auch die teils langjährigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben massgebend dazu beigetragen, dass sich die Töfffahrer mit «ihrem» Lokal identifizieren konnten. Namentlich erwähnt er seinen langjährigen Mitarbeiter, den alle nur unter dem Namen «Giuseppe» kannten und der vor rund drei Jahren verstarb.

Pläne für die Zukunft...

...hat der passionierte Jäger auch schon: Nebst dem Frönen seiner Leidenschaft werden er und Ehefrau Madeleine teilweise im Tessin leben, ihren Hauptwohnsitz aber in Trimbach behalten. Vor allem Reisen werden im Zentrum stehen, dafür blieb bis jetzt nur sehr wenig Raum. «Nun werden wir Zeit füreinander haben, die letzten 30 Jahre haben wir alles dem Wirten unterstellt».

Und Flückiger zieht in diesem Zusammenhang einen interessanten Vergleich. «Wirten ist wie das Führen eines Bauernbetriebs: Es ist ein Lebensinhalt».

Allerdings: Das «Isebähnli» war nie ausschliesslich ein Töfftreff; darauf legt Flückiger grossen Wert. Das Restaurant dient auch der Jagdgesellschaft Froburg und dem Lions-Club Wartenfels Lostorf als Clublokal. Dass der Töfftreff im vergangenen Jahr auch Eingang in die Unesco-Liste der immateriellen Kulturgüter fand, freut ihn ganz besonders. Am Freitag ging die Aera nun zu Ende mit der traditionellen «Austrinkete».

Das Ende der Ära Flückiger ist aber nicht das Ende des «Isebähnli» und des Töfftreffs, wie Bauherrenvertreter Martin Sulzer erklärt: Morgen Montag beginnen die Umbauarbeiten. Die Küche, die WC-Anlagen und das Buffet werden neu gemacht und der Rest des Lokals einer «sanften Renovation» unterzogen. Im März 2014 wird das Restaurant dann seine Türen wieder öffnen, dannzumal unter der Ägide
von Beat Thommen, der bereits die «Schmiedstube» in Niedergösgen und den «Rumpel» oberhalb von Trimbach bewirtet.

Das Personal...

..., so Sulzer, wird teilweise übernommen, und neue Angestellte werden hinzukommen, denn das «Isebähnli» soll inskünftig sieben Tage die Woche geöffnet haben. Sulzer kündigt «ein neues, interessantes Restaurationskonzept» an; mehr will er noch nicht verraten. Nur so viel: «Es wird kein Gault-Millau-Lokal und auch kein ‹Fresstempel›».

Vielmehr soll es vermehrt das werden, was es bisher schon war: Ein
regionaler und überregionaler Treffpunkt, wo ein guter Geist herrscht, einfach in neuen Kleidern. «Da wird auch der traditionelle Töfftreff am Donnerstagabend weiterhin seinen Platz haben», verspricht Sulzer.