Amtsgericht Thal-Gäu
Im Härkinger Paketzentrum hat er iPhones aus Paketen geklaut und verkauft

Zwei Männer im Alter von 25 und 40 Jahren mussten sich vor Amtsgericht Thal-Gäu wegen Diebstahls von 30 Geräten des Typs iPhone 4 verantworten. Aufgeflogen war die ganze Sache, weil die Diebe vom Dach herab beobachtet und überführt werden konnten.

Erwin von Arb
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Rund 30 solcher Geräte wurden laut Staatsanwaltschaft im September 2010 im Paketzentrum in Härkingen aus Paketen gestohlen. azr

Rund 30 solcher Geräte wurden laut Staatsanwaltschaft im September 2010 im Paketzentrum in Härkingen aus Paketen gestohlen. azr

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Miroslav K.*, der jüngere der zwei anwesenden Angeklagten, bestritt nicht, mit zwei weiteren Männern im Paketzentrum der Post in Härkingen zwischen 27. September und 28. Oktober 2010 reihenweise iPhone 4 gestohlen und diese danach verkauft zu haben.

Der 25-jährige Lagerist meldete lediglich bei der Anzahl der gestohlenen Exemplare Vorbehalte an. Es seien nicht wie von der Staatsanwaltschaft behauptet 30 Geräte im Gesamtwert von bis zu 27 000 Franken gewesen, sondern nur etwa deren 20 bis 25.

Diese iPhones hätten sie von der Sortieranlage aus Paketen entnommen und danach in der Arbeitskleidung versteckt in die Garderobe geschmuggelt, schilderte Miroslav K. Amtsgerichtspräsident Guido Walser das Vorgehen.

Gemeinsam gehandelt

Nicht richtig sei ferner, dass der ebenfalls anwesende Mitangeklagte Viktor L. * an diesen Diebstählen nicht beteiligt gewesen sein soll. «Ich habe ihn sogar noch davor gewarnt, mitzumachen», meinte Miroslav K. den Blick auf Viktor L. gerichtet.

Alle hätten alles gemacht, vom Diebstahl bis zum Verkauf. Auch sei das Geld geteilt worden. Das sei vorher so besprochen und auch ausgeführt worden, sagte der im Raum Olten wohnhafte und seit November 2013 Arbeitslosengeld beziehende Mann.

Er bemühe sich um Arbeit, meinte der in Bluejeans, Turnschuhen und Strickpullover vor Gericht erschienene Angeklagte. Er wohne mit seiner Ehefrau, die im Oktober ein Kind von ihm erwarte, noch bei seinen Eltern.

«Werde zu Unrecht belastet»

Viktor L. bestritt, an den Diebstählen beteiligt gewesen zu sein. Er habe weder ein Smartphone gestohlen, noch sei er beim Verkauf eines solchen wissentlich dabei gewesen, erwiderte der mazedonischstämmige 40-jährige Mann Amtsgerichtspräsident Guido Walser.

Es sei zwar nach der Arbeit gelegentlich mit den zwei Mitangeklagten im Ausgang gewesen, räumte der ebenfalls mit Jeans, Turnschuhen und einer Windjacke bekleidete Hilfslagerist ein.

Der im Oberaargau wohnhafte Mann erwähnte eine Szene, bei welcher er in Olten im Auto gewartet habe, während seine zwei Kollegen in ein Haus gegangen seien. Als Basil H, dessen Verfahren abgekoppelt wurde, wie Gerichtspräsident Walser dazu erwähnte, aus dem Haus zurückgekommen sei, habe ihm dieser einige Banknoten entgegengestreckt und gesagt, «das ist Business». Für ihn sei aber nicht klar gewesen, ob das Geld aus dem Verkauf eines iPhones oder von Marihuana gestammt habe.

Dass er von Miroslav K. und Basil H. der Mittäterschaft beschuldigt werde, könnte er sich damit erklären, dass er der Führung im Postzentrum ein beschädigtes Paket gemeldet und dafür eine Belohnung von 500 Franken erhalten habe. Das war den meisten Mitarbeitenden bekannt», so Viktor L.

Täter beobachtet und überführt

Diese Auffassung vertrat auch Rechtsanwalt Bruno Habegger, Langenthal, in Namen von Viktor L. Dessen ehemalige Arbeitskollegen hätten ihn erst bei späteren Aussagen als Mittäter genannt. Offenbar, weil sie geglaubt hätten, Viktor L. sei daran schuld, dass sie vom Dach des Paketzentrums aus beim Dienstahl von Handys beobachtet und danach überführt worden seien.

Sein Mandant habe dadurch unverschuldet seine Stelle verloren und sei darüber hinaus auch noch drei Tage in Untersuchungshaft gesteckt worden. Habegger plädierte für einen Freispruch von Viktor L. sowie eine Genugtuung von 1000 Franken für die Untersuchungshaft.

Rechtsanwalt Roland Winiger, Olten, hob in seinem Plädoyer die ehrlich gezeigte Reue seines Mandanten Miroslav K. hervor. Am Tatbestand des gewerbe- und bandenmässigen Diebstahls gebe es denn auch nichts zu rütteln, wobei aber die beantragte Strafe der Staatsanwaltschaft von 330 Tagessätzen zu je 70 Franken aus einer Sicht zu hoch angesetzt sei. Zudem könne seinem Mandanten eine gute Prognose ausgestellt werden.

Geldstrafe und Freispruch

Das Gericht bestätigte in seinem Urteil die von der Staatsanwaltschaft verfügten 330 Tagessätze, reduzierte aber den Ansatz wegen der Arbeitslosigkeit von Miroslav K. auf 40 Franken.

Die Geldstrafe wurde mit einer Bewährungsfrist von zwei Jahren ausgesprochen und unter Anrechnung der 12 Tage Untersuchungshaft. Ins Strafmass eingeflossen sind auch zwei Strassenverkehrsdelikte aus dem Jahr 2011 sowie ein Vergehen wegen Pornografie.

Amtsgerichtspräsident Walser begründete das Urteil mit der kriminellen Energie und der unverfrorenen Vorgehensweise des Beschuldigten sowie mit der nicht unerheblichen Höhe von rund 10 000 Franken, die für ihn aus dem Verkauf der gestohlenen iPhones resultiert hätten.

Viktor L. wurde hingegen mangels Beweisen freigesprochen, obwohl nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden könne, dass er doch an den Diebstählen beteiligt gewesen sei, wie Walser dazu ausführte. Für die drei Tage Untersuchungshaft wurde Viktor L. eine Entschädigung von 600 Franken zugesprochen.

* Namen von der Redaktion geändert