Cargo Sous Terrain
Im Gäu macht sich Skepsis breit

Ein möglicher unterirdischer Warentransport stösst in der Region auf wenig Begeisterung. Ab 2030 soll im Gäu ein Hub entstehen, wo Güter in ein unterirdisches Transportnetz kommen würden.

Philipp Felber
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Geht es nach dem Förderverein Cargo Sous Terrain, soll ab 2030 im Gäu ein sogenannter Hub entstehen und Güter in ein unterirdisches Transportnetz einspeisen. Die Idee ist, dass dafür bestehende Logistikcenter, wie auf dem Bild dasjenige der Post oder im Hintergrund der Migros, ausgebaut werden.

Geht es nach dem Förderverein Cargo Sous Terrain, soll ab 2030 im Gäu ein sogenannter Hub entstehen und Güter in ein unterirdisches Transportnetz einspeisen. Die Idee ist, dass dafür bestehende Logistikcenter, wie auf dem Bild dasjenige der Post oder im Hintergrund der Migros, ausgebaut werden.

Bruno Kissling

Die Idee von Cargo Sous Terrain ist verlockend: Güter sollen in Zukunft unterirdisch in alle erdenklichen Himmelsrichtungen der Schweiz gebracht werden. Weniger Lastwagen-Lärm und Dreck, weniger Stau auf den Autobahnen: Der Förderverein Cargo Sous Terrain will genau dies.

Die Waren kommen aber nicht per Zauberhand in die unterirdischen Röhren. Dafür sind sogenannte Hubs nötig, welche die Verbindung zu den unterirdischen Transportröhren herstellen sollen, also eigentliche Warenbahnhöfe. Ein solcher schwebt dem Verein offenbar im Raum Härkingen/Niederbipp vor (wir berichteten). Ende letzten Jahres hat der Bund verlauten lassen, dass er das Projekt zwar nicht finanziell unterstützen werde, aber zumindest die gesetzliche Grundlage dafür vereinfacht sehen will. Ein Schritt in Richtung Realisierung des Projekts.

Die Frage stellt sich jedoch, welche Auswirkungen der Bau eines solchen Hubs in der Region haben könnte. Grundsätzlich skeptisch zeigte sich der Kanton bereits Ende des letzten Jahres gegenüber dem Regionaljournal von SRF. «Es ist gut möglich, dass an diesen Hubs durch die Umstrukturierung der Transportwege mehr Verkehr entsteht», bekräftigt auf Anfrage dieser Zeitung Bernardo Albisetti vom kantonalen Bau- und Justizdepartement die Zurückhaltung in Solothurn.

Vorbehalte wegen Mehrverkehr

Egerkingen wäre ein möglicher Standort für einen solchen Hub. Gemeindepräsidentin Johanna Bartholdi ist wie die kantonalen Behörden in erster Linie skeptisch, obwohl sie den Grundgedanken durchaus als sinnvoll erachtet. Auch die Idee, dass die Hubs nicht auf freiem Feld entstehen sollen, sondern direkt bei den beteiligten Grossverteilern, ist in ihren Augen sinnvoll. «Ob an diesen Stellen der Platz tatsächlich vorhanden ist, lasse ich mal aussen vor», so Bartholdi.

Doch sie befürchte, dass es für Egerkingen und das Gäu zu zusätzlichem LKW-Verkehr kommen werde, denn Cargo Sous Terrain werde kaum ausgelastet und somit wirtschaftlich erfolgreich sein, wenn nur die Grosskunden, wo Andockstellen erstellt werden, das System nutzen. «Zudem wird Cargo Sous Terrain kaum, wenn überhaupt, Steuereinnahmen generieren», so Bartholdi.

So sei es möglich, dass Cargo Sous Terrain für das Gäu eine weitere flächenfressende Ansiedlung ohne nennenswerte Schaffung von hochwertigen Arbeitsplätzen bedeuten könnte. Dies sei aber keineswegs das Ziel der Gemeindepräsidentenkonferenz Gäu, wo sie als Präsidentin amtet. Dort sei man bestrebt, etwa mit der Realisierung der regionalen Arbeitszone hochwertige Arbeitsplätze zu schaffen.

In Härkingen, immerhin einer der genannten Standorte, wurde der Förderverein für Cargo Sous Terrain laut Gemeindepräsident Daniel Nützi noch nicht vorstellig. Auch in Oberbuchsiten, betroffen vom momentanen Autobahnverkehr und in direkter Nachbarschaft zum möglichen Hub, wurde kein Gespräch mit den Gemeindebehörden gesucht. «Eins ist aber klar: Oberbuchsiten kann nicht noch mehr Verkehr ertragen», so Daniel Lederer, Gemeindepräsident von Oberbuchsiten.

Ein grosses Fragezeichen setzt Johanna Bartholdi auch zur grundsätzlichen Akzeptanz des Projekts in der Gäuer Bevölkerung. «Die Konzentration von Lagerhäusern und der Logistik dient zwar dem Gemeinwohl, wird aber für die Gäuer Bevölkerung zunehmend zu einer Bürde.» Weitere Belastungen seien deshalb äusserst kritisch zu hinterfragen.

Bartholdi kann sich jedoch vorstellen, dass die Standortgemeinden, ähnlich wie bei KKW-Standorten, finanziell durch den Bund entschädigt würden. Dies würde dann eventuell auch die Akzeptanz steigern.

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