Herbetswil

Im Gasthaus «Reh» kann man sich die Forellen selbst fischen

Wirtepaar Ueli und Dorothea Müller-Meister vor ihrem «Seeli» in Herbetswil. frb

Wirtepaar Ueli und Dorothea Müller-Meister vor ihrem «Seeli» in Herbetswil. frb

Das Wirtepaar Ueli und Dorothea Müller-Meister züchtet nebenbei Forellen. Die Gäste können die Fische selbst fischen und zu Tische bringen. Mit diesem Erfolgsrezept sind die beiden Liebenden seit Tagen im Karfreitagsstress.

Seine Familie stammt ursprünglich aus Ramiswil, doch seit 1969 lebt er in Herbetswil. «Damals kaufte mein Vater die Wirtschaft «Reh» und den dazugehörenden Landwirtschaftsbetrieb. Ich war fünf Jahre alt.» Das erzählt Wirt und Fischzüchter Ueli Müller-Meister (51) am Stammtisch morgens in seiner Wirtschaft. Schon seit einigen Stunden ist er auf den Beinen. Er hat Forellen aus dem Wasser geholt und für den Verkauf bereitgemacht. Schliesslich schnellen am Karfreitag die Fischbestellungen in die Höhe.

Jetzt gibt es eine Kaffeepause und ein paar freundlich-aufmunternde Worte zu den Stammgästen, die schon die Gaststube bevölkern. Müller erzählt weiter: «Im Jahr 2000 habe ich zusammen mit meiner Frau Dorothea das Restaurant von meinen Eltern übernommen.» Zunächst habe er noch halbtags in einem Zimmereibetrieb in der Region gearbeitet, doch mit dem steten Aufbau und der Intensivierung der Fischzucht wurde die Arbeit zu Hause immer mehr. Seit gut 10 Jahren sei er jetzt «vollamtlich» Wirt und Fischzüchter.

«Die Fischzucht haben wir ebenfalls im Jahr 2000 vom Vorbesitzer übernommen, denn damals gehörten Wirtschaft und Fischzucht nicht mehr zusammen.» Ursprünglich sei das aber so gewesen. Im Lauf der Jahre habe diese Zucht verschiedene Besitzer gehabt. «Als wir die Anlage dann übernahmen, war sie nicht mehr in gutem Zustand», berichtet Ueli Müller. Das kam dem Macher gerade recht.

Ganz einfach gewachsen

Ueli Müllers Interesse an der Übernahme und dem Ausbau der Forellenzucht sei ganz einfach gewachsen, sagt der ausgebildete Metzger. «Ich bin mit den Forellen aufgewachsen, als ihr Nachbar, sozusagen.» Schon als Kind habe er die «Vor- und Vorvorbesitzer» bei der Arbeit an den Fischbecken beobachten können und miterlebt, was es da alles zu tun gibt. «Es hat mich halt immer fasziniert.» Ueli Müllers Frau Dorothea setzt sich jetzt auch an den Tisch. «Mein Mann ist eben ein Naturmensch. Die Forellenzucht ist seine Leidenschaft und war immer sein Traum», nimmt sie den Faden auf.

Wer aber heute die Wirtschaft mit der Fischzuchtanlage besucht, stellt fest, dass es sich da um mehr handelt als um reine Forellenzucht. «Vor etwa zehn Jahren haben wir begonnen, die Fische in einem natürlich angelegten, grossen Teich schwimmen zu lassen. Dazu wurden ein paar alte Becken aufgehoben. Die noch vorhandenen Zuchtbecken sind jetzt für die Aufzucht und die noch kleineren Exemplare bestimmt. Bei Müllers kann man nämlich als Gast und Besucher sich seine Forellen selbst aus dem Teich fischen. Das lockt natürlich viele Leute ins hintere Thal. Mittlerweile ist hinter dem eigentlichen Gasthaus eine grosse, parkähnliche Teichanlage mit Sitzplätzen und einer kleinen Küchenstation entstanden.

Immer mehr Leben am «Seeli»

«Im Lauf der Jahre kamen halt immer wieder neue Ideen dazu. Das Bedürfnis der Gäste, sich bei schönem Wetter draussen aufzuhalten, haben wir aufgenommen und umgesetzt», begründet der Wirt. Und seine Frau doppelt nach: «Es ist mittlerweile so, dass wir an schönen Tagen ‹nur› noch ‹am Seeli› – wie wir sagen – wirten und die Gaststube geschlossen bleibt. Das wissen mittlerweile viele Gäste, und so mancher kommt auch nur noch, wenn wir draussen sind.»

Müllers Forellen kann man sich also selbst fischen und dann ausnehmen lassen, oder sie direkt vor Ort schon frisch gefangen kaufen. Zudem beliefert Müller diverse Restaurants in der Umgebung. «Wir bieten See- und Bachforellen als ganze, als Filets und auch als geräucherte Filets an. Und wir haben einige Karpfen, die wir verkaufen, denn es gibt ein paar Kunden, vorwiegend aus Osteuropa stammend, die diese Fische zu bestimmten Feiertagen suchen.»

Man muss etwas bieten

Neben dem Wirtepaar sind drei fest angestellte Mitarbeiter im «Reh» beschäftigt: zwei Serviceangestellte und Sohn Samuel, ausgebildeter Koch, der derzeit seine Meisterprüfung absolviert. «Zudem können wir – je nach Arbeitsaufwand – auf drei bis fünf Aushilfen zählen», sagt Dorothea Müller und setzt noch hinzu: «Ohne die zuverlässige Mithilfe von Familienmitgliedern wäre das alles gar nicht zu schaffen.»

Rund 110 Plätze hat das «Reh» in Gaststube und Säli, am «Seeli» sind es dann nochmals rund 200 Plätze, die besetzt werden können. Es läuft gut, das Wirtepaar ist sehr zufrieden. «Man muss den Gästen etwas bieten, damit sie kommen, und man muss immer am Ball bleiben», sagt aber Dorothea Müller zu ihrem Erfolgsrezept. Wichtig sei auch, dass der langjährige Familienbetrieb gut im Dorf verankert sei, obwohl inzwischen die Einheimischen nur noch einen kleineren Teil der Gäste ausmachen. «Unsere Gäste kommen aus dem ganzen Thal, dem Gäu, aber auch aus dem französischsprachigen Jura, der Region Basel und gar Zürich».

Heute am Karfreitag wird die «Seeli»-Saison dieses Jahr mit einem Apéro eröffnet. Und Ueli Müller freut sich, wenn er seinen Gästen beim Fischen behilflich sein kann. Die Gaststube ist schon ausverkauft. Es gibt natürlich Forellenfilets oder Forellenknusperli.

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