Welschenrohr
Im ehemaligen Zentrum der Uhrenindustrie lebt die Liebe zu Uhren weiter

100 Jahre lang war die Gemeinde Welschenrohr ein Zentrum für die Uhrenindustrie. Daran erinnert das Uhrenmuseum.

rebekka balzarini
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Das Uhrenmuseum «uhrundzeit» in Welschenrohr
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Das Uhrenmuseum «uhrundzeit» in Welschenrohr
Das Uhrenmuseum «uhrundzeit» in Welschenrohr Auf dem Tisch liegen die Instrumente, mit denen die Uhrmacher gearbeitet haben.
Das Uhrenmuseum «uhrundzeit» in Welschenrohr
Das Uhrenmuseum «uhrundzeit» in Welschenrohr Das Uhrwerk einer mechanischen Uhr.
Das Uhrenmuseum «uhrundzeit» in Welschenrohr
Das Uhrenmuseum «uhrundzeit» in Welschenrohr
Das Uhrenmuseum «uhrundzeit» in Welschenrohr
Das Uhrenmuseum «uhrundzeit» in Welschenrohr
Das Uhrenmuseum «uhrundzeit» in Welschenrohr
Das Uhrenmuseum «uhrundzeit» in Welschenrohr

Das Uhrenmuseum «uhrundzeit» in Welschenrohr

Bruno Kissling

Die Zeit läuft – und manchmal läuft sie ab. «So kanns gehen», stellt René Allemann fest. Er steht im neusten Saal des Uhrenmuseums «uhrundzeit» in Welschenrohr und blickt auf die Bilder an der Wand. Sie zeigen die Familie Allemann, deren Betrieb bis in die 60er Jahre Uhren der Marke «Tourist» produzierte.

Die Geschichte des Familienbetriebs «Horlogerie Ad. Alleman et Fils» ist ein Beispiel dafür, wie schnell ein erfolgreiches Unternehmen scheitern kann. «Es ist einfach blöd gelaufen», erklärt Allemann den Niedergang. «Eigentlich hatten sie eine Weltneuheit erschaffen». Die Weltneuheit war die Uhr «Everlight», eine Uhr mit Beleuchtung. Sie sollte Modelle mit Leuchtfarbe auf dem Zifferblatt ersetzen. Denn Leuchtfarbe enthielt Radium, und Radium schadet der Gesundheit.

«Damit konnte man in der Nacht sehen, wie spät es ist. Man musste einfach nur das Licht der Uhr anknipsen. Der Verkauf lief enorm gut». Allemann hält kurz inne, fährt sich übers Gesicht. «Dann sind die Batterien ausgelaufen und haben die Uhr von innen zerfressen. Alle Modelle mussten zurückgenommen werden. Das war das Ende».

Schöne Erinnerungen

René Allemann will sich aber lieber an die glanzvollen Zeiten der Uhrenindustrie erinnern. Er ist der Präsident des Vereins Thaler Uhrmacherei, und von Uhren fasziniert. Seine Mutter und sein Grossvater bauten daheim regelmässig Uhren zusammen. Selber wählte er zwar einen anderen Beruf, aber die Begeisterung blieb.

Schliesslich hatte er deshalb die Idee, in Welschenrohr ein Uhrenmuseum zu gründen. «Am Anfang war das aber schwer. Die Erinnerung war für viele vielleicht noch zu schmerzhaft», erinnert er sich. Immerhin gingen in Welschenrohr mit dem Verlust der Uhrenindustrie auch die meisten Arbeitsplätze verloren, und die Gemeinde musste sich ganz neu orientieren.

Aber dann organisierte er als Gemeindepräsident im Jahr 2000 trotz der fehlenden Begeisterung eine erste Ausstellung in der alten Turnhalle in Welschenrohr. Und von da an waren die Einwohner dabei.

Eine erfolgreiche Idee

Seither ist einiges passiert. Nach einem kurzen Zwischenhalt im «Thalhof» ist das Museum nun in den Räumlichkeiten der ehemaligen Uhrenfabrik Technos untergebracht. Es enthält gleich mehrere Highlights. Zum Beispiel die Turmuhr der Kirche in Welschenrohr, die im Dorf genau 100 Jahre zur Pünktlichkeit mahnte. Oder eine Arbeitsecke, wo Besucher einen Eindruck davon bekommen, wie Uhrmacher vor einigen Jahrhunderten gearbeitet haben.

In dieser Ecke steht ein grüner, hoher Tisch, dahinter ein Ofen, über dem eine Leine mit weisser Wäsche gespannt ist. Auf dem Tisch liegen zwei Uhrwerke, daneben Pinzetten, eine Brille. Und die winzigen Einzelteile, aus denen eine mechanische Uhr besteht. «Vor einigen Jahrzehnten bauten Bauern Uhren von zu Hause aus als Nebenbeschäftigung zusammen. Beim Ofen, weil es dort warm war. Und der Tisch war grün, damit sich die Augen etwas entspannen konnten», erklärt Allemann die Einrichtung.

Könnte er selber mit den Instrumenten eine Uhr bauen? «Theoretisch ja», schmunzelt er. «Aber ich weiss nicht, ob meine Hände noch ruhig genug sind». Ruhige Hände seien für einen Uhrmacher das Wichtigste. Früher hätten viele Uhrmacher deshalb Aspirin genommen, weiss Allemann.

Die Uhrmacherei lebt weiter

Insgesamt sind im Uhrenmuseum mehrere hundert Ausstellungsstücke zu sehen. Einige wurden dem Museum geliehen, andere geschenkt. Dabei sind Armband-, Taschen, Wand- und Standuhren. Darunter sind auch einige handgemachte Stücke, die sehr wertvoll sind.

Im «uhrundzeit» sollen sich Besucher aber nicht nur erinnern. Die Liebe zu Uhren soll weiter leben. Dafür hat das Museum ein neues Projekt parat. Bald können sich Uhrenfans in Welschenrohr in einem Workshop ihre ganz persönliche Uhr zusammenbauen. «Wir haben schon über zehn Anmeldungen», sagt René Allemann.

Bei der Arbeit hilft Uhrmacher Andreas Fluri. Er ist Kurator des Museums und hat in Matzendorf ein eigenes Atelier. Im Museum repariert er regelmässig Uhren, welche die Besucher vorbeibringen. Damit lebt der Geist der Uhrmacherei in Welschenrohr weiter.

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