Wolfwil
Im Aaregäu wurde früher auch nach Steinkohle gegraben

Im Rahmen der Köhlerwoche wird mit einem Kohlemeiler Holzkohle nach alter Tradition hergestellt. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass im Aaregäu einst auch nach Steinkohle gegraben wurde.

Erich Schenker
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Köhlerin Doris Wicki setzt den Kohlemeiler vor Publikum in Brand.

Köhlerin Doris Wicki setzt den Kohlemeiler vor Publikum in Brand.

Erich Schenker

Holz, Kohle und Erdöl – das waren schon früher begehrte Energiespender. Im 18. Jahrhundert war unter den Solothurner Patriziern ein regelrechtes Wettrennen nach Bodenschätzen ausgebrochen. In Wolfwil wurde an zwei Orten danach gegraben.

Als Erster versuchte es 1766 Grossrat Glutz von Blotzheim im Wolfwiler Aarebänli, heute Chienisbänli genannt, nach Steinkohle zu graben. Er liess einen Schacht von 40 Schuh tief (etwa 12 Meter) und einen Stollen von 22 Klafter (zirka 30 bis 40 Meter lang) in den Molassegrund treiben, doch «ohne recht bewährte Steinkohle angetroffen zu haben». Das längst mit Buchen bewachsene, kraterähnliche Loch des eingefallenen Einstiegsschachtes besteht heute noch.

Und tatsächlich: Um 1990 fand Baptist Niggli sel. (geb. 1932) im rechten Winkel zur einstigen Grabung am Aarebord bei Niedrigstwasser ein schmales Steinkohleflöz von nur einem Zentimeter Mächtigkeit, an einer einzigen Stelle auf etwa 16 Millimeter ausgeweitet. Die Steinkohlenlage im Molassesandstein entstand vor rund 40 bis 50 Millionen Jahren, seit der Zeit des Molasse-Meeres.

Was Flurnamen verraten

Ebenfalls sein Glück versuchte Grossrat Johann Jost Anton Roggenstil im Jahr 1786. Er war damals Besitzer des Patrizier-Sommerhauses an der Wolfwiler Aare, der spätere Gasthof zum Kreuz. Am Ölberg südwestlich des Fahrs, zwischen Neuweid und Oberfeld, soll für ihn gegraben worden sein – diesmal wohl nach Erdöl, wie der Flurname vermuten lässt. Doch auch diese Bemühungen blieben erfolglos.

Mochten vielleicht fahrende Köhler hin und wieder ihr Handwerk in Wolfwil angeboten und betrieben haben? Denn Flurnamen weisen durchaus auf diese Tätigkeit hin. Im heutigen Gemeindegebiet gibt es die «Cholrüti» östlich des Oberen Schweissachers, unterteilt in die «Obere und Untere Kohlrütti», sowie südlich des Eichbans den «Kohlrüttiweg».

Diese Flurnamen dürften ihre Namen vom Herstellen der Kohle bei gleichzeitigem Roden eines früheren Waldes erhalten haben. «Kohlen» heisst gemäss Duden «nicht mit voller Flamme brennen, schwelen». Und ebendies geschieht diese Woche im Kohlenmeiler in Wolfwil.

Der einzige Nachweis des Köhlerns

Der bereits bekannte Grossrat und Hauptmann Johann Anton Roggenstil besass einen kleineren Wald, das «Houptmens Hölzli» genannt. Es lag östlich des Fussballplatzes entlang der Vorderen Gasse. Danach gelangte es in den Besitz der Gemeinde Wolfwil. Sie verkaufte daraus in den Jahren 1826 bis 1828 viel Holz, in grossem Ausmass an die Ziegelei in Ober-Wynau, um damit den ersten Schulhausbau mitfinanzieren zu können. Im weiteren Verlauf des 19. Jahrhunderts liess sie gemäss Gemeindebeschluss den ganzen Wald köhlern. Dies ist der einzige Nachweis, dass in Wolfwil bereits einmal Köhler mit ihren Kohlenmeiler Holz in wertvolle Kohle verwandelt hatten.

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