Neu ins Reglement aufgenommen wurde die Schaffung eines separaten Grabfelds für Andersgläubige. Ein solches war an besagter Gemeindeversammlung von mehreren Votanten anstelle der Aufgabe des Einheitsfriedhofs gefordert worden.

Auslöser dieser weit über die Gemeindegrenzen hinaus mitverfolgten Diskussion war die 2011 erfolgte Bestattung einer jungen Frau mit muslimischen Wurzeln. Deren Familie hatte das Gesuch gestellt, anstelle des vorgeschriebenen kreuzförmigen einen konfessionsneutralen Grabstein aufstellen zu dürfen. Dies ist inzwischen geschehen, allerdings gegen den Willen des Gemeindereates, der sich erst nach einer entsprechenden Verfügung des Amtes für Gemeinden und soziale Sicherheit (ASO) mit der Platzierung eines solchen Grabsteines einverstanden erklärt hatte (wir berichteten).

Andere Symbole erlaubt

Auf dem westlich der bestehenden Urnengräber geplanten neuen Grabfeld sollen nun ausschliesslich solche Grabsteine platziert werden, wie die bei der muslimischen Frau verwendete Stele. Vorgesehen ist ferner, dass je nach Religion beim Grabstein oder auf der Schriftplatte neben dem Namen der Verstorbenen Symbole anderer Religionen wie etwa ein Kreuz, eine Mondsichel oder ein Davidstern angebracht werden dürfen.

Auf den bestehenden einheitlichen Grabfeldern dürfen gemäss Reglement weiterhin nur kreuzförmige Grabsteine platziert werden. Die erwähnte Stele der verstorbenen Muslimin soll im Bereich des Einheitsfriedhofs als Ausnahme stehen gelassen werden. Eine Exhumierung, sprich eine Verlegung der Grabstätte, wurde von allen Beteiligten inklusive des Gemeinderats als unverhältnismässig angesehen.

Anonyme IG-Sympathisanten

Diese Auffassung teilt auch André Müller, der sich an besagter Gemeindeversammlung im Namen der von ihm gegründeten IG Einheitsfriedhof vehement für die Erhaltung des Einheitsfriedhofs ausgesprochen hatte. Mit dem jüngsten Entwurf des Bestattungs- und Friedhofreglements ist der 45-Jährige nach der ersten Sichtung zufrieden, wie er dazu bemerkt. Allerdings habe sich die IG noch nicht eingehend mit dem Reglement auseinandersetzen können. «Dafür haben wir ja noch bis Ende Januar Zeit.»

Auf die Mitgliederstärke und damit den Rückhalt der IG im Dorf angesprochen, hält sich Müller bedeckt. Mitglieder im eigentlichen Sinn habe die IG nicht, sondern vielmehr Sympathisanten. Deren Anzahl schätze er aufgrund von Reaktionen und Leserbriefen auf rund 100 Personen. Namen will Müller indessen keine nennen. «Das Thema der letzten Ruhestätte ist dermassen heikel, dass viele ihre Meinung nicht öffentlich kundtun», rechtfertigt Müller seine Zurückhaltung.

Zudem wollten viele, die der IG wohlgesinnt seien, ihr persönliches Umfeld von Andersdenkenden und vor allem ihre eigenen Parteikollegen nicht mit diesem emotionalen Thema belasten. «Sie wollen zum eigenen Schutz anonym bleiben», so Müller. Das respektierte die IG, die nicht zuletzt deshalb darauf verzichte, ihre Sympathisanten per E-Mail anzuschreiben und stattdessen vor allem mittels Flugblätter auf sich und ihre Anliegen aufmerksam mache.

In den nächsten Tagen will Müller mit Gleichgesinnten das Bestattungs- und Friedhofsreglement genauer unter die Lupe nehmen und eine Stellung zuhanden der Einwohnergemeinde verfassen.

Kaum Rückmeldungen

Im Rahmen der Vernehmlassung wurde bislang erst eine Reaktion registriert, wie Gemeindeverwalterin Regula Steccanella auf Anfrage erklärt. Dabei sei es nicht um grundsätzliche Fragen, sondern eher um formelle Anmerkungen gegangen. Etwa bezüglich der Grösse der Schriftplatten oder dass Symbole anderer Religionen gerechtigkeitshalber auch bei Urnengräbern erlaubt sein sollten. Noch bis Ende Januar hat die Bevölkerung Zeit, sich zum vorliegenden Entwurf des Bestattungs- und Friedhofreglements zu äussern. Mit dem Ergebnis wird sich danach der Gemeinderat auseinandersetzen, wie Steccanella erwähnt. Dieser werde auch entscheiden, ob Anpassungen nötig seien. Ob und wann das neue Bestattungs- und Friedhofreglement in Kraft treten werde, werde die Gemeindeversammlung zu entscheiden haben.