Die SBB werden im Jahr 2019 den Bahnhof Oensingen aus- beziehungsweise umbauen. Für die Pendler der Region ist das einerseits eine Verbesserung, da der Bahnhof nach den Umbauten den Vorschriften des Behindertengesetzes entspricht und das Ein- und Aussteigen für die Passagiere erleichtert wird. Andererseits werden während rund sechs Monaten keine Schnellzüge mehr halten können, was den Pendlerverkehr massiv einschränken wird.

Anfänglich waren die Bauarbeiten über eine Zeitspanne von 18 Monaten angedacht. Während dieser Zeit wäre es zwar möglich gewesen, den Bahnbetrieb aufrechtzuhalten, die Anwohner hätten aber unter der langen Bauzeit gelitten und der Fernverkehr auf der Jurasüdfuss-Linie wäre für eine lange Zeit stark eingeschränkt gewesen. Mit dem konzentrierten Vorgehen und dem Verzicht auf den Fernverkehrshalt konnte die Bauzeit auf neun Monate reduziert werden und das Mittelperron kann nach sechseinhalb Monaten voraussichtlich wieder in Betrieb genommen werden.

Massive Änderungen an Perron

Weil die SBB alle Bahnhöfe behindertengerecht einrichten müssen, ist der Umbau in Oensingen unumgänglich. Zudem wird der Bahnstützpunkt laut Angaben der SBB von rund 5'800 Bahnkunden täglich genutzt und zählt deshalb in der Region zu den am meisten frequentierten Bahnhöfen. Deshalb sei der Handlungsbedarf in Oensingen auf der Strecke Olten-Solothurn-Biel sehr hoch.

Das Mittelperron bei den Gleisen 3 und 4 wird um etwa das Doppelte erhöht, von 25 Zentimetern auf 55 Zentimeter. Weil aber die einfahrenden Züge beim Bahnhof Oensingen durch die Kurve in eine Schräglage geraten, müssen zusätzlich zu der Perronehöhung auch die Gleise angepasst werden. «Das muss man sich vorstellen wie bei einer Bobbahn», erklärt SBB Mediensprecher Oli Dischoe. «Die Züge geraten wegen der Kurve in diese Querneigung.» Damit die Wagen in dieser Lage nicht das erhöhte Perron touchieren, wird die Gleisüberhöhung von 120 Millimetern auf 57 Millimeter reduziert. Somit steigen Pendler fortan gerade in die Züge ein, ohne durch die Schräglage behindert zu werden.

Sind diese Änderungen erst einmal vorgenommen, entspricht der Banhof Oensingen dem Behindertengesetz und erleichtert nicht nur Menschen mit eingeschränkter Mobilität, sondern auch Reisenden mit Koffern oder Kleinkindern das Ein- und Aussteigen. «Das dient wiederum der Pünktlichkeit der Züge», sagt Dischoe.

Mit der Erhöhung des Perrons werden die SBB das Mittelperron gleichzeitig auf 420 Meter und das Perrondach um rund 30 Meter verlängern. Ausserdem werden Rampe und Treppe, die auf das Mittelperron führen, neu gebaut. Insbesondere gleisnahe Arbeiten werden nachts, bei gesperrtem Gleis und abgeschalteter Fahrleitung vorgenommen. «Nachtarbeiten sind unumgänglich», sagt Dischoe. Nur so könne der reduzierte Bahnverkehr aufrecht gehalten werden. Kostenpunkt der Bauarbeiten: rund 19,25 Mio. Franken.

Ersatzmassnahmen für Pendler

So sinnvoll der Ausbau des Bahnhofs ist, so umständlich wird die Zeit von April bis Oktober 2019 für den Pendlerverkehr. Die Fernverkehrszüge werden während dieser Monate via Solothurn–Wanzwil–Rothrist–Olten umgeleitet. «Dieses temporäre Ersatzkonzept bietet dem Bauteam mehr Zugspausen für sichereres und effizienteres Arbeiten», erklärt der Mediensprecher. Die Regionalzüge verkehren dann ab dem provisorischen Perron Gleis 1. Um den Pendlerverkehr zu Stosszeiten möglichst aufrecht zu halten, fahren morgens und abends jeweils anstelle der Fernverkehrszüge Shuttlezüge zwischen Olten und Oensingen. In Olten bestehen mit diesen die gewohnten Anschlüsse an die Fernverkehrszüge. «Mit längeren Reisezeiten muss man jedoch rechnen», fügt Dischoe an.

Gemeindepräsident Fabian Gloor ist zufrieden mit den Ersatzmassnahmen: «Die Gemeinde begrüsst den Stand des Projekts heute. Wir empfinden die Aufwertung unseres Bahnhofs als positiv.» Eine langfristige Sicherung des Verkehrs sei im Sinne der Pendler, auch wenn während der Bauzeit mit einer längeren Reisedauer gerechnet werden muss. Trotz den Ausfällen ist Gloor sicher, dass die Überbrückung mit den Shuttlezügen eine gute Lösung darstellt. Dies gebe er jeweils auch so den Einwohnern weiter, die sich auf der Einwohnergemeinde informieren wollen. «Gewisse Leute sind skeptisch, weil sie Angst haben, keine guten Verbindungen mehr zu haben.» Grundsätzlich sei das Echo aber positiv und die Leute würden einfach wissen wollen, was vor sich geht.

Die Planunterlagen können noch bis zum 12. Dezember auf der Einwohnergemeinde eingesehen werden. So lange können auch noch Einsprachen an das Bundesamt für Verkehr eingereicht werden.