Mehrere Schuhpaare stehen im Gang. Teller, Besteck und Pfannen stapeln sich in der Küche. In den Zimmern reihen sich Hochbett an Hochbett. Alles in der Behausung in Oensingen deutet auf viele Bewohner hin. 25 sind es. Alles Asylbewerber.

Sie kommen aus Afghanistan, Syrien, dem Iran. Und einer von ihnen schöpft gerade Reis und Kartoffeleintopf auf die Teller. «Es ist nichts Spezielles», sagt Morteza Hazara beinahe ein wenig entschuldigend. «Aber es ist afghanisch.»

Der 24-jährige Asylbewerber ist seit knapp zwei Jahren in der Schweiz und wohnt seit einem Jahr in Oensingen. Mittlerweile ist es ihm in der Unterkunft aber zu laut geworden. «Es arbeiten nicht alle, die schlafen dann den Tag durch und sind in der Nacht wach», erzählt Hazara. Deswegen sucht er über einen Facebook-Post in der Gruppe Oensingen ein Zimmer. Bisher aber erfolglos, obwohl die Nachricht viele positive Rückmeldungen erhält.

Suche nach anderer Unterkunft

Der Post ist in beinahe fehlerfreiem Deutsch geschrieben. «Dabei hatte ich aber Hilfe», sagt der Afghane schmunzelnd. Sein Deutsch sei leider noch nicht ganz so gut, nur zwei Monate lang durfte er bisher eine Sprachschule besuchen. Den Rest hat er sich selbst beigebracht. «Ich will es aber unbedingt besser lernen. Vor allem Schweizerdeutsch.»

Während den Trainings des Oensinger Turnvereins, die Hazara vier Mal wöchentlich besucht, sprechen die anderen oft in der Landessprache. Dann versteht er nichts und hat Angst, keinen Anschluss zu finden. «Ich will mich doch einfach integrieren», sagt der Flüchtling.

Ausserdem wünscht er sich, dass die Leute in Oensingen ihn besser kennenlernen. Aus diesem Grund geht er regelmässig zum Sport und versucht auch ausserhalb seiner Unterkunft Freundschaften zu knüpfen. Unter anderem deshalb sucht er auf der Internetplattform ein Zimmer, für welches er 300 Franken im Monat bezahlen kann. «Ich packe auch gerne mit an», sagt Hazara. «Und kochen könnte ich auch. Ich hoffe, es schmeckt», fügt er lachend hinzu.

Das Leben in Afghanistan

Wenn Hazara über seine Heimat spricht, wird seine Stimme aufgebracht. Überall herrsche Armut, Angst und Krieg. «Daran ist die Regierung Schuld. Die Politik macht dieses Land kaputt.» Nachdem er die achte Klasse abgeschlossen hatte, arbeitete er zuerst auf dem Feld, dann in der Kleiderindustrie. Dafür musste er aus seinem Dorf raus in die Stadt. «Und wenn du in die Stadt gehst, weisst du nie, ob du am Abend wieder nach Hause kommst», erzählt Hazara. «Das ist doch kein Leben.»

Vor zwei Jahren hat ihm also sein Vater etwas Geld in die Hand gedrückt und den Sohn auf die Reise in die Schweiz geschickt. «Er hat mir gesagt, ich sei ein junger Mann und wenn ich eine Zukunft haben will, müsse ich fortgehen.» Denn eine Zukunft hätte Hazara in seiner Heimat kaum gehabt.

Mit seiner Familie hat der Afghane mittlerweile nur noch wenig Kontakt, da sie weder Internet, noch Handys besitzen. «Klar vermissen sie mich. Aber sie wissen, dass es mir hier viel besser geht.»

Vier Monate. So lange war der Afghane unterwegs. «Über Land», sagt er. «Das meiste davon zu Fuss.» Über Pakistan, die Türkei, Griechenland. So wie viele Flüchtlinge. Der Weg sei lang gewesen, gefährlich und unendlich traurig. «Einige von uns haben nicht überlebt», sagt der Flüchtling. Er aber hat den Weg in die Schweiz gefunden. «Der Anfang war schon schwer», meint Hazara. Aber mittlerweile habe er sich gut an seine neue Heimat gewöhnt. Denn das soll die Schweiz sein: seine Heimat.

Hier seine Zukunft aufbauen

Auf die definitive Zusage aus Bern muss der Asylbewerber jedoch noch warten. Diese kann monate- wenn nicht jahrelang ausstehen. Denn Hazara ist nicht der einzige Flüchtling, der sich in der Schweiz einen Neuanfang erhofft. Deswegen ist es noch nicht sicher, ob er denn auch hierbleiben darf.

«Alle sagen immer, dass ich abwarten muss. Aber ich will doch vorwärtsmachen», meint Hazara. «Ich will in die Schule gehen, die Sprache richtig lernen, einfach leben.» In seiner Heimat hätte er sich so ein Leben niemals vorstellen können.

Seit er in der Schweiz sei, habe sich alles zum Besseren gewendet. «Ich verstehe hier endlich, wo mein Platz in der Welt ist.» Bei der Regiomech AG in Zuchwil habe er ausserdem eine Arbeitsstelle, die ihn glücklich macht. Die Regiomech beschäftigt viele Asylsuchende und erleichtert ihnen die Integration in die Arbeitswelt. Hazara ist dankbar für diese Möglichkeit.

Aber noch ist der Asylbewerber nicht rundum zufrieden. Er hat noch viele Ziele: Zuerst will er besser Deutsch und Schweizerdeutsch lernen. Und er möchte endlich eine richtige Ausbildung machen. Denn er ist sicher: «Nur wer sich weiterbildet, kann die Zukunft verändern.»