Vor knapp zehn Jahren wurde die Galerie Darkoum in Lostorf eröffnet. Am Samstag ist Schluss. Warum denn? Galeristin Jeannette Lerch nennt drei Gründe: Erstens: «Die Bindung zu meiner zweiten Heimat Marokko ist in den vergangenen 20 Jahren stets tiefer geworden, und ich habe das Bedürfnis, mich noch mehr und länger in diesem Land bei unseren Freunden und Familien aufzuhalten».

Zweitens: «Die Pensionierung meines Mannes ist Realität geworden und gibt uns die Möglichkeit, mehr Zeit gemeinsam zu verbringen und unsere vielseitigen Interessen zusammen wahrzunehmen».

Und drittens: «In der durch die Schliessung der Galerie gewonnenen Freiheit und Unabhängigkeit möchte ich mich völlig der Malerei widmen. Nach 30-jähriger Berufstätigkeit in der Objekt-Keramik fand ich wieder zu meinem Ursprung – eben der Malerei – zurück. Sie ist ein unverzichtbarer Teil meines Daseins, so wie es die Keramik drei Jahrzehnte gewesen ist».

«Es bestand viel Unkenntnis»

Nun, zehn Jahre sind eine lange Zeit. Wie hat Jeannette Lerch diese erlebt? «Ich hatte von Anfang an ein Ziel, und das habe ich zum Teil erreicht», bekennt sie. Sie habe Brücken zwischen Nordafrika und Europa im Allgemeinen und zwischen Marokko und der Schweiz im Speziellen schlagen wollen.

«Es besteht hier viel Unkenntnis gegenüber Nordafrika und dem Islam. Ich wollte in der Galerie nicht nur schöne Sachen zeigen, sondern auch Tradition, Musik, Kultur, Kunst und Geschichte aus diesem Land den Menschen hier näherbringen», erzählt sie.

Deshalb habe sie auch viele kulturelle Anlässe durchgeführt, an denen man Schriftsteller, die Literatur, Musik und Tänze aus jenem Raum habe erleben und erfahren können. «Das lag mir am Herzen, und ich denke, das habe ich nicht schlecht vermitteln können».

Mit dem schwarzafrikanischen Kulturraum sei dies viel schwieriger gewesen, da bei den Schweizern der Zugang oft fehle. «Das war dann aber viel reizvoller», lächelt sie. Und am allermeisten habe sie gefreut, dass Vertreter der marokkanischen Regierung die Galerie oft besucht haben.

«Der Botschafter war so stolz auf die Galerie, als wäre sie seine eigene. Er hatte das Gefühl, dass ich sein Land sehr ehrenvoll vertrete. Das geht so weit, dass ich jedes Jahr zum Krönungstag eingeladen werde. Das ist eine grosse Anerkennung, mit der ich nicht rechnete», bekennt sie. Und es habe sie sehr gefreut, dass ihre Galerie in Marokko so stark wahrgenommen werde.

«Positives überwog»

Am Anfang sei es schwierig gewesen, erzählt Jeannette Lerch. Die Leute hätten eine gewisse Schwellenangst an den Tag gelegt, weil es sich bei ihrer Institution um eine Galerie handle.

«Aber gefreut hat es mich jedes Mal, wenn dann doch Leute aus dem Dorf zu uns heraufkamen. Sie haben jeweils ein grosses Interesse an den Tag gelegt. Genau das wollte ich ja». Die Leute hätten sich jeweils gefühlt, wie wenn sie einen Ferientag in einer anderen Welt erlebt hätten – mit all den Geräuschen, Düften und Farben. «Sie fühlten sich wohl hier», ist sie überzeugt. Nun ja, negative Erlebnisse habe es auch gegeben, «aber die positiven überzeugten bei weitem».

Dazu gehörte auch, dass viele Künstler ihre Werke ausstellten oder Musiker aufspielten. «Gitarrist Michael Erni zum Beispiel. Er hat jede neue Gitarre wegen der einzigartigen Akustik hier eingespielt.

So habe ich ihn anlässlich eines Konzertes mit fünf marokkanischen Musikern und einer Tänzerin zusammenbringen können. Sie spielten zusammen, und erstmals wurde zu Ernis Musik orientalisch getanzt.

Das zeigt, wie universell Musik ist», so Lerch. Auch orientalische Frauenabende gäbe es so sonst nicht in der Schweiz. Das seien nicht einfach Kaffeekränzchen, sondern da seien anspruchsvolle Themen besprochen worden. «Das wurde sehr geschätzt», findet sie. Vielen Leuten habe sie das Gefühl der Fremdheit nehmen können, und einige seien sogar wegen ihr und ihrer Galerie nach Marokko gereist.

Verkleinerter Raum

Wie geht es nun weiter? «Ich freue mich auf die neuen Freiheiten, aber es tut auch weh, denn viele Kunden sind zu Freunden geworden», bekennt sie. Der Galerieraum bleibe vorerst noch bestehen, allerdings etwas verkleinert.

«So haben wir die Möglichkeit, bei Bedarf weiterhin Anlässe durchzuführen wie bis anhin. Es werden dies allerdings nicht mehr grössere Veranstaltungen sein, sondern eher in kleinerem, persönlicherem Rahmen, wie es jeweils die orientalischen Frauenabende gewesen sind. Auch Ausstellungen oder Apéros mit Vorträgen, Lesungen oder Märchen sind weiterhin möglich», stellt sie in Aussicht.

Und weiter: «In unserer Galerie stecken derart viel Hingabe und Engagement, dass mir der Entschluss, sie zu schliessen, nicht leicht fällt. Dennoch bin ich mir gewiss, dass mir trotz meiner 65 Jahre noch weitere Herausforderungen warten, welche ich freudig und mit gutem Mut annehme und mit Spannung erwarte, was die Zukunft für mich bereithalten mag», ist sich Jeannette Lerch sicher. Letztmals hat die Galerie Darkoum morgen Freitag, 27. Juni und am Samstag, 28. Juni, jeweils von 14 bis 17 Uhr geöffnet.