Die Budgetgemeindeversammlung ehrte im Dezember 2013 unter anderem den zurücktretenden Friedensrichter Paul Hug für seine jahrzehntelange Behördentätigkeit. Mit Friedensrichter und Staatssteuerregisterführer hatte Hug zwei Ämter inne, über die es – eigentlich – nicht viel zu erzählen und schreiben gibt, findet Hug.

Das mag sein. Doch der Umstand, dass er diese beiden Funktionen teilweise 20 beziehungsweise 27 Jahre inne hatte und seit über 50 Jahren im Gunzger Vereinsleben integriert, aktiv und teilweise auch federführend ist, macht den 68-jährigen Pensionär zu einem besonders wertvollen Gemeindemitglied.

Paul Hug kam Anfang der Siebzigerjahre durch seinen damaligen Arbeitgeber zu seinem ersten Gemeindeamt. «Seit 1. August 1970 arbeitete ich in der Sanitär-, Heizungs- und Spenglerfirma von Gerold Fürst und baute dort den Bürobereich auf», erinnert sich Hug. «Als Fürst damals Gemeindepräsident wurde, suchte er einen Funktionär. Wir hatten im Geschäft miteinander immer wieder über Gemeindesachen diskutiert. Das hat mich stets interessiert.»

Sein erstes Amt in der Behörde, das des Steuerregisterführers, übernahm Hug 1973. In den Achzigerjahren kam das zweite Amt dazu. «Etwa eine Periode lang hatte ich Einsitz in die Rechnungsprüfungskommission.» 1993 wurde er Friedensrichter und «um das Jahr 2000» war er rund zwei Jahre lang in der Planungskommission aktiv – und zwar «in der Phase, in der die Ortsplanung neu gemacht werden musste».

Das Amt des Steuerregisterführers gab Paul Hug nach 27 Jahren ab – als es 2000 abgeschafft wurde. «Zu meiner Anfangszeit ging man noch ganz anders vor», erzählt der Gunzger. «Man bekam die Formulare und Steuerzettel, musste sie abpacken und im Frühling verschicken, darauf schauen, dass sie retour geschickt wurden, eventuell mahnen und die Unterlagen auf ihre Vollständigkeit kontrollieren.» In der Steuerverwaltung in Olten hätten eine weitere Kontrolle und die Einschätzung stattgefunden, worauf die Unterlagen wieder in Gunzgen landeten. «Heute wäre es nicht mehr möglich, die Steuerzettel des ganzen Dorfes zu kontrollieren.»

Familientradition Friedensrichter

Dass Paul Hug von 1993 bis 2013 als Friedensrichter tätig war, kam nicht von Ungefähr. Das Amt wurde in Gunzgen nämlich 62 Jahre lang von der Familie Hug ausgeübt. «Das war eine Tradition. Vor mir war mein Bruder Hans – bis zu seiner Wahl als Oberamtmann – 20 Jahre lang Friedensrichter und davor mein Vater Theodor 22 Jahre.» Die grosse Änderung für das Friedensrichteramt kam «2010 oder 2011, als die Gerichtsordnung aufgrund des neuen Rechts umgekrempelt wurde».

Für Paul Hug war das Wichtigste, dass «man Streitfälle in der Gemeinde schlichten konnte». Solche Nachbarschafts- und weitere Fälle hatte er einige. «Die allermeisten konnte ich schlichten. Wenn man die Parteien an einen Tisch brachte, sie miteinander reden konnten und man mithelfen konnte, merkte man, dass es eher um Kleinigkeiten und nicht um allzu spektakuläre Sachen ging. Heute gehen solche Streitigkeiten direkt vor Gericht.» Andererseits habe der Friedensrichter im Zivilrecht mehr Kompetenz erhalten. Bisher habe der Amtsinhaber über Fälle bis 300 Franken entscheiden können; was darüber gelegen sei, habe man ans Gericht weitergeleitetet. Heute liege die Kompetenz bei Beträgen bis 2000 Franken, als Urteilsvorschlag sogar bis 5000 Franken.

Durch die Änderungen in der Gerichtsordnung vor rund zwei Jahren seien «ganze Fälle komplexer und wahrscheinlich aufwendiger geworden. Man muss sich nun besser einarbeiten. Für mich war damals klar, dass ich das Amt auf Ende der Periode abgebe und sich ein ‹Frischer› einarbeiten soll». Und da war er nicht der einzige Friedensrichter. «Es gab sehr viele langjährige, und einige haben gesagt, sie würden nun aufhören». Zu jener Zeit sei die Abschaffung des Friedensrichteramtes zur Diskussion gestanden.

Nun werden teilweise Friedensrichterkreise gebildet, zu denen mehrere Gemeinden gehören und für die eine Person alleine zuständig sei. Es gebe nun tendenziell weniger, aber komplexere Fälle für den Friedensrichter. «Gunzgen ist eine friedliche Gemeinde mit sehr wenigen Streitfällen», betont Hug. «Hier wird sehr viel Sachpolitik gemacht. Das wirkt sich auf das ganze Dorfleben aus.» Er selbst habe «im Prinzip mit niemandem Streit. Ich behaupte: Mit mir kommen alle Leute im Dorf aus.»

Gemeinderat nie infrage gekommen

Der pensionierte Vater von zwei erwachsenen Töchtern und Ehemann «einer verständnisvollen Frau» ist von Haus aus ein Christdemokrat, «aber nicht sehr aktiv in der Partei». Er sei nie im Gemeinderat gewesen. «Das wäre nie infrage gekommen. Durch meine Vereinsmitgliedschaften war ich abends ohnehin viel weg. Die Aufgaben eines Friedensrichters und Steuerführers konnte ich hauptsächlich von zu Hause aus erledigen.» Er sei schon «für viele Sachen angefragt» worden und habe «es auch gemacht», hält Hug fest. Doch vom Alter her sei sein Engagement inzwischen weniger geworden. «Grundsätzlich wissen die Leute von Gunzgen, dass sie mich fragen können, wenn Not am Mann ist. Ich habe nie etwas angefangen und gleich wieder aufgehört, sondern mir immer überlegt: ‹Will ich das?›»

In einem Verein wie der Musikgesellschaft sei Treue und Durchhaltevermögen wichtig, sagt der seit 53 Jahren im örtlichen Verein aktive Hug. «Wir bilden Junge aus. Um in einer ‹Musik› spielen zu können, braucht es sehr viel Übung, doch die Jugendlichen haben teilweise das Interesse nicht mehr. Viele machen im Jugendensemble mit, hören aber schon vor dem Übertritt in die Musikgesellschaft aus diversen Gründen wieder auf – heute ist das mehr der Fall als früher. Doch das ist der Lauf der Zeit, die Entwicklung der Gesellschaft und betrifft nicht nur Gemeinden wie Gunzgen. Damit muss man sich abfinden. Es hat immer Leute, die sich in den Gemeinden und Vereinen nicht engagieren wollen – aber auch solche, die es wollen.» Dazu gehörte Paul Hug die letzten 40 Jahre.