Neuendorf
«Ich geniesse jetzt meine Freiheit und das kulturelle Leben in der Region»

Nach 16 Jahren als Gemeindepräsident hat Paul Stöckli wieder mehr Zeit für sich und seine Frau Irma. Zu den Meilensteinen seiner Amtszeit zählt Stöckli die Optimierung der Abläufe im Gemeindewesen oder der Umzug der Gemeindeverwaltung.

Erwin von Arb
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Paul Stöckli geniesst es, mehr Freiräume zu haben.

Paul Stöckli geniesst es, mehr Freiräume zu haben.

Erwin von Arb

«Ich brauchte eine kurze aber intensive Bedenkzeit, bis ich mir im Klaren darüber war, dass ich das Gemeindepräsidium für die CVP übernehmen werde», sagt Paul Stöckli im Rückblick auf das Jahr 1997. Damals musste ein Nachfolger für Linus von Arx gesucht werden, der überraschend als Gemeindepräsident zurück getreten war.

Im Gespräch waren in dieser Zeit auch Alex Heim und der jetzige Gemeindepräsident Rolf Kissling. Stöckli ging es damals vor allem um seine kurz vorher gegründete Treuhandunternehmung. «Nach der Zusicherung meiner Frau Irma, mich zu unterstützen und im Treuhandgeschäft mitzuarbeiten, habe ich dann zugesagt», erinnert sich Stöckli.

Nicht vergessen hat der 59-Jährige auch die Aussage des damaligen Parteipräsidenten Konrad Marzohl, der ihm nach der erfolgreichen Wahl einen zwölf Jahre alten Whisky mit der Bemerkung überreicht habe, dass von ihm eine ebenso lange Amtszeit als Gemeindepräsident erwartet werde. «Mit mir nicht, habe ich mir damals gedacht, acht Jahre genügen vollumfänglich.» Und nun seien es halt doch 16 Jahre geworden, meint Stöckli mit einem Augenzwinkern.

36 Jahre politisch aktiv

Politisch aktiv ist Stöckli insgesamt seit 36 Jahren, 20 Jahre davon im Wahlbüro. 1977 wurde er als 23-Jähriger in den Einwohner- und Bürgergemeinderat gewählt. Von 1990 bis 1998 war er Bürgergemeindepräsident. Dieses Amt übte er nach seiner Wahl zum Einwohnergemeindepräsidenten im Jahr 1997 parallel bis Ende März 1998 aus. Bürgerpräsident wurde in der Folge Emil Lämmle von der FDP.

Rückblickend beurteilt Stöckli das kurz nach seinem Amtsantritt lancierte Projekt «Vital», bei dem es um die Optimierung der Abläufe und der Schaffung von schlankeren Strukturen im Gemeindewesen ging, als wichtige Weichenstellung für die Zukunft. Das Projekt habe sich unter anderem unmittelbar auf die Anzahl der von ihm vereidigten Personen, etwa von Kommissionen, ausgewirkt. «1997 musste ich etwa 150 Personen vereidigen, vier Jahre später waren es nur noch rund 90», so Stöckli.

«Guter Mix in der Industriezone»

Ein weiterer Meilenstein in seiner Amtszeit sei 2001 der Umzug der Gemeindeverwaltung aus zwei Wohnungen an der Werdstrasse ins alte Primarschulhaus, auch Aquarium genannt, gewesen. Im selben Jahr fand die Öffnung der Industriestrasse, welche die Industrie- und Gewerbezonen der Gemeinden Härkingen, Egerkingen, Neuendorf und Oberbuchsiten verbindet, statt.

«Das war auch für Neuendorf von Bedeutung», bemerkt Stöckli mit dem Verweis, dass die Gemeinde über Jahre finanziell überdurchschnittlich davon profitiert habe. «Es gab Zeiten, da betrug der Steuerertrag von juristischen Personen rund 40 Prozent. Heute sind wir wieder bei gesunden 30 Prozent.»

Den Vorwurf, dass Neuendorf zu viele Logistikbetriebe habe, lässt Stöckli nur bedingt gelten. «Man kann nicht aussuchen, wer sich hier ansiedelt, das bestimmen die Unternehmen selbst.» Einfluss nehmen könne eine Gemeinde nur, indem sie gute Rahmenbedingungen schaffe, und solche gebe es in Neuendorf. «Insgesamt haben wir in unserer Gewerbezone einen guten Mix an Betrieben», findet Stöckli.

Gut erschlossene Zentrumsgemeinde

In guter Erinnerung bleibt dem ehemaligen Gemeindepräsidenten der neue Hartplatz bei der Dorfhalle, welcher 2003 eingeweiht werden konnte. Von grosser Bedeutung für das Dorf als Zentrumsgemeinde sei natürlich, dass Neuendorf nicht nur Standortgemeinde der Kreisschule Gäu, sondern auch P-Standort sei. «Damit einhergehend verfügen wir heute über ein ÖV-Netz, das in alle Richtungen gute Verbindungen gewährleistet», erwähnt Stöckli.

Handlungsbedarf gebe es allerdings noch bei der Haltestelle «Kirche», wo dank provisorischen Massnahmen eine gewisse Entspannung eingetreten sei. Ein entsprechendes Buskonzept sei in Arbeit und soll im Zuge der Sanierung der Dorfstrasse durch den Kanton im Jahr 2015/16 umgesetzt werden.

Nicht für möglich gehalten hätte Stöckli bei seinem Amtsantritt im Jahr 1997, dass der Steuerfuss von damals 126 Prozent auf heute 100 Prozent gesenkt werden kann. Für sich in Anspruch nehmen will Stöckli diese Entwicklung nicht. «Das ist einerseits auf das wirtschaftlich günstige Umfeld mit tiefen Hypothekarzinsen zurückzuführen, sowie andererseits auf die gute Arbeit der Verwaltung, Gemeinderäte und Kommissionen. Ich bin nur ein Teil im ganzen Räderwerk, der Dank dafür gebührt allen Beteiligten.»

Nicht in bester Erinnerung behalten wird Stöckli die Sozialregion Thal-Gäu, welcher er von 2008 bis 2011 als Präsident vorstand. «Heute würde ich es mir dreimal überlegen, ob ich dieses Mandat übernehmen würde.» Stöckli sagt dies vor allem in Bezug auf seine angeschlagene Gesundheit. «2009 hatte ich erste Herzstörungen, welche im Jahr 2011 eine schwere Herz-Operation zur Folge hatten.» Mit Medikament könne er heute mit gewissen Einschränkungen wieder ein relativ normales Leben führen.

Ungern denkt Stöckli an traurige Momente als Gemeindepräsident zurück. Etwa als völlig unerwartet am 16. Mai 2010 der Präsident des Industrie- und Gewerbeausschusses Christian Pfluger allzu früh verstorben sei. Zu schaffen machte Stöckli in der Vergangenheit auch der rege Wechsel der Gemeindeverwalter. Die heutige Verwalterin, Regula Steccanella, sei nach Willy Dollingers Pensionierung die mittlerweile dritte Person in diesem Amt.

Zeit, um loszulassen

Insgesamt könne er aber auf eine schöne Zeit als Gemeindepräsident zurückblicken. Zu seinen Entscheiden, die er während seiner Amtszeit gefällt habe, könne er heute noch stehen. Nun sei es aber an der Zeit, loszulassen und in die Zukunft zu blicken. Dazu gehöre auch, dass er sich politisch zurückziehen und sich vermehrt auf sein Kerngeschäft, das Treuhandwesen, konzentrieren werde.

«Jetzt geniesse ich mit meiner Frau Irma unsere noch etwas ungewohnte Freiheit, indem wir vermehrt am kulturellen Leben in der Region teilhaben.» Mehr Zeit bleibe nun auch für ihr Heim und die Ausübung ihrer Hobbys wie Walken und Velofahren. «Wir geniessen es, einfach mehr Zeit für uns haben.»

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