Fabian Müller, Sie wurden in einem Leserbrief von Balsthals Ex-Gemeindepräsident Roland Stampfli vor ein paar Tagen ziemlich heftig zu Ihrer Haltung gegenüber dem Projekt Verkehrsanbindung Thal angegriffen. Was sagen Sie zu den Vorwürfen?

Fabian Müller: Meine erste Reaktion war: Wer in der Politik auf den Mann zielt, hat keine anderen Argumente. Es ist eine persönliche Kritik an mir und ich fragte mich schon: Was soll das?

Roland Stampfli kritisiert, dass Sie als Balsthaler Gemeinderat bei der Ausarbeitung der flankierenden Massnahmen beim Projekt mitarbeiteten und nun als VCS-Präsident Sektion Solothurn das gesamte Projekt ablehnen.

Seit 13 Jahren beschäftige ich mich mit den Projekten zur Umfahrung Klus und meine Haltung dazu hat sich in all den Jahren nicht verändert. Eine Umfahrungsstrasse ist nicht nötig. Klar habe ich meine Anliegen in Bezug auf Fussgänger- oder Radwege beim Projekt als Gemeinderat eingebracht und diese Vorschläge wurden teilweise auch aufgenommen. Dennoch ändert das nichts an meiner Grundhaltung.

Warum sind Sie gegen die Umfahrung?

Die vom Kanton errechnete zukünftige Verkehrszunahme von 1,5 Prozent pro Jahr ist grundlegend falsch. Die kantonalen Verkehrserhebungen bestätigen, dass seit dem Jahr 2005 der Verkehr in der Klus um 1,5 Prozent abgenommen hat. Es braucht somit keine 65 Mio. Franken teure Umfahrungsstrasse. Sinnvoll wäre, der Kanton würde das 2013 ausgearbeitete Mobilitätskonzept Thal endlich ausführen. Doch das hat man aus Spargründen auf Eis gelegt. Dieses hätte unter anderem eine Optimierung des öffentlichen Verkehrs im ganzen Thal beinhaltet.

Das betrifft aber nur den öffentlichen Verkehr. Wo gäbe es denn Optimierungsmöglichkeiten für den Individualverkehr durch die Klus?

Benutzen mehr Personen den öffentlichen Verkehr, hat dies auch einen Einfluss auf den Verkehr in der Klus. Zusätzlich könnte man die Einbiegung Sagmatt in der Klus temporär, also während der Stosszeiten schliessen. Das würde schon einiges bringen. Zudem gibt es täglich maximal 2 Stunden stockender Kolonnenverkehr durch die Klus. In den übrigen Zeiten fahren sie diese Strecke problemlos. In den Stau-Spitzenzeiten benötigt man durch die Klus etwa 9 bis 10 Minuten mehr als sonst.

Als Stauverursacher wird auch immer wieder die OeBB ins Spiel gebracht. Was meinen Sie dazu?

Aus meiner Sicht hat man die Auswirkungen des Stauaufkommens aufgrund der OeBB nie richtig untersucht. Eine detaillierte Prüfung vonseiten des Kantons wäre hier wünschenswert.

Im neuen Umfahrungskonzept wird ja das Städtchen Klus aufgewertet. Das müsste Sie als Präsident des Vereins «Läbigi Klus» doch freuen. Die Klus soll wieder lebenswert werden.

Das sieht alles auf dem Modell schön aus, doch mit dem Pflanzen von ein paar Bäumen und Tempo 30 ist die Klus nicht aufgewertet. Im Gegenteil fürchten die Gewerbler, die es heute dort noch gibt, Umsatzeinbussen durch die Umfahrung. Sprechen Sie mal mit dem Betroffenen. Zudem: Wenn man die Klus wirklich aufwerten wollte, so müsste sich die Gemeinde Balsthal heute schon eine Strategie ausdenken, wie. Das könnte beispielsweise bedeuten, heute schon Liegenschaften zu erwerben. Doch woher dazu das Geld nehmen?

Stichwort Finanzen: Das wird ja wohl der Knackpunkt des gesamten Umfahrungs-Projektes Klus sein?

Klar ist, dass Balsthal mindestens 7 bis 8 Mio. Fr. für den Strassenbau aufwenden müsste, dazu kommen ca. 2 Mio Fr. für die nötigen flankierenden Massnahmen. Eine Steuererhöhung wird unumgänglich sein. Ich bin der Meinung, die andern Thaler Gemeinden sollten sich – im Fall der Realisierung – auch mit einem Beitrag von 2,5 bis 3 Millionen Franken daran beteiligen. Es liegt aber nicht an mir, an die Solidarität der andern Thaler Gemeinden zu appellieren. Dennoch: Wenn sie die Umfahrung unbedingt wollen, dann sollen sie sich auch an den Kosten beteiligen.

Was glauben Sie, wie ist die Stimmung in der Thaler Bevölkerung dem Projekt gegenüber?

Das ist schwierig einzuschätzen. Schlussendlich wird es wohl zur Volksabstimmung kommen und das ist bei einem solchen Projekt auch der richtige Weg.

Und wie soll es mit der Klus weitergehen, wenn das Projekt stirbt?

Ich bin überzeugt, man kann den Verkehrsfluss durch die Klus auch ohne solch grosse Investitionen verbessern. Das Prüfen solcher Massnahmen würde vom Kanton leider aktuell zurückgestellt.