Amtsgericht
"Ich bin kein Monster": Wegen Kinderpornos musste er auf Hochzeit verzichten

Ein 37-jähriger Dachdecker stand wegen mehrfacher Pornografie vor dem Amtsgericht Thal-Gäu.

Erwin von Arb
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Peter M. verbrachte unzählige Stunden an seinem Computer, um illegal heruntergeladene Kinderpornos zu konsumieren. Themenbild KEYSTONE

Peter M. verbrachte unzählige Stunden an seinem Computer, um illegal heruntergeladene Kinderpornos zu konsumieren. Themenbild KEYSTONE

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Mit einem blauen Auge davon kam in Bezug auf das Strafmass Peter M.* vor Amtsgericht Thal-Gäu. Der 37-jährige Schweizer wurde von Amtsgerichtspräsident Guido Walser wegen mehrfacher Pornografie zu 30 Tagessätzen zu je 110 Franken verurteilt. Davon wurden 90 Tagessätze unbedingt ausgesprochen.

Dieses Strafmass sei mit Blick auf die Akte des Angeklagten an der unteren Grenze des möglichen angesetzt, betonte Walser bei der Urteilsbegründung. Für Peter M. spreche sein guter Leumund und dass er eigentlich ein geordnetes Leben führe.

Kinder unter 16 Jahre im Visier

Der gelernte Dachdecker hatte zwischen Januar 2012 und April 2016 in seiner Wohnung im Gäu sowie danach an seinem neuen Wohnort im Kanton Aargau vom 1. bis 19. Mai 2016 im Internet massenweise pornografische Bilder und Videos von Kindern heruntergeladen und abgespeichert.

Dabei ging es Peter M. vorzugsweise um deutlich unter 16-jährige Mädchen in eindeutigen Posen oder beim Geschlechtsverkehr mit Erwachsenen. Allerdings wurden beim Angeklagten auch immer wieder Bilder von Buben unter dem in der Schweiz geltenden Schutzalter von 16 Jahren gefunden. Die Staatsanwaltschaft spricht von 1712 Fotos und 966 Videos, welche bei der Durchsuchung der Wohnung von Peter M. durch die Polizei sichergestellt wurden.

Gemäss Anklageschrift wurde der Mann Ende 2015 auch in einer einschlägigen Chatgruppe aktiv, in welcher er Bilder und Videos mit anderen Personen tauschte. Neben pornografischen Bildern von Kindern, die deutlich unter dem erwähnten Schutzalter waren, wurden auf den Festplatten und dem Handy vom Peter M. auch Fotos und Videos mit sexuelle Handlungen mit Tieren sichergestellt.

Verdacht auf pädophile Neigung

Vor Gericht beteuerte der Angeklagte, dass er es damals eigentlich eher auf 16- bis 17-jährige Mädchen abgesehen habe. Pornografische Bilder und Videos von Kindern unter dem Schutzalter habe er lediglich heruntergeladen, um mit diesen im Austausch an die erwähnten Bilder mit den älteren Mädchen zu kommen. Der Amtsgerichtspräsident hatte seine Zweifel an dieser Darstellung. Er habe vielmehr den Eindruck, dass Peter M. über pädophile Neigungen verfüge. Darauf deutenden auch auf die zum Teil scheusslichen Aufnahmen von Kindern beider Geschlechter hin.

Der mit Jeans, Sweatshirt, Baseballmütze und Turnschuhen zur Verhandlung erschienene Mann stellte dies in Abrede. Er bereue seine Taten und habe seit der Hausdurchsuchung nicht mehr im Internet nach pornografischen Bildern von Kindern im Schutzalter gesucht oder solche abgespeichert. Dass dies strafbar sei, habe er damals gewusst. Inzwischen habe er die Vergangenheit aber hinter sich gelassen und es gebe auch in seinem Kopf keinen Platz mehr für solche Bilder. «Damit habe ich abgeschlossen.»

«Seit der Hausdurchsuchung durch die Polizei ist kein Tag vergangen, an dem ich nicht bereue, was ich getan habe», versicherte Peter M. in Richtung des Amtsgerichtspräsidenten. An diesem Tag habe auch seine langjährige Freundin davon erfahren. «Ich wollte sie eigentlich bald heiraten. Nun habe ich mir selbst einen grossen Stein in den Weg gelegt», sagte der Beschuldigte mit dem Verweis, dass er seine Freundin bisher noch nicht geheiratet habe, aber noch immer mit ihr zusammen sei. Nicht zuletzt auch deshalb sei das Ganze für ihn ein riesiger Schock gewesen.

Angeklagter: «Ich bin kein Monster»

Guido Walser gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass dies nicht nur Lippenbekenntnisse seien. Sollte dies aber innerhalb der zweijährigen Bewährungsfrist trotzdem der Fall sein, müsse Peter M. mit der ganzen Härte der Strafverfolgungsbehörden rechnen. Und auch eine Untersuchung bezüglich einer allfälligen pädophilen Veranlagung werde dann angeordnet, so Walser.

«Ich bin kein Monster, sondern ein ganz normaler Mensch, der versucht in der Gesellschaft seinen Platz zu finden. Das war mein bisher grösster und einziger Fehler in meinem Leben. Das wird mir sicher nicht mehr passieren», beteuerte der Angeklagte abschliessend. Peter M. wurden die Verfahrenskosten in der Höhe von 2500 Franken auferlegt.

Name von der Redaktion geändert

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