Vor Amtsgerichtspräsident Guido Walser musste sich am Mittwoch Albert H.* wegen einer waghalsigen Fahrt mit einem über 200 PS starken Peugeot 207 GTI verantworten. Diese absolvierte der 47-jährige Mann aus dem Kanton Basel-Landschaft laut Anklageschrift am 22. Dezember 2016 auf der Thalstrasse zwischen 10 Uhr morgens und 13.05 Uhr am Nachmittag. Aufgefallen war der Peugeot vor allem Personen, die an diesem Sonntagmorgen zu einer Party in Richtung Welschenrohr unterwegs waren.

Rücksichtlos überholt

Darunter war auch ein damals 18-jähriger Thaler, auf dessen Auto der Angeklagte ausgangs von Aedermannsdorf zuerst sehr nahe auffuhr, um dann ruckartig zum Überholen anzusetzen. Wegen Gegenverkehr musste er aber unmittelbar danach wieder vor dem überholten Auto einscheren, um keinen Unfall zu riskieren. «Ich musste bremsen, sonst wäre ich in sein Heck gekracht», erklärte der vom Gericht als Zeuge aufgebotene Lenker. Auf Nachfrage von Guido Walser bestätigte der heute 20-Jährige, dass er die Situation als gefährlich wahrgenommen habe.

Drei weitere Zeugen bestätigten die waghalsige und rücksichtslose Fahrt des Peugeotfahrers. Dieser habe beim Überholen gehupt, mit der Hand aus der Seitenscheibe das Victoryzeichen oder Ähnliches gezeigt und auch die Warnblinkanlage mehrfach eingeschaltet.

Bei den Gästen der Geburtstagsparty, welche in der Lochmühle in Welschenrohr stattfand, war die Fahrweise des Peugeotsfahrers natürlich Gesprächsthema. Umso grösser war die Überraschung, als fraglicher Peugeot nur unweit davon parkierte und daraus laute Musik ertönte. Eine Frau ging daraufhin zum Auto und sah einen Mann mit glasigem Blick darin sitzen. Kurz darauf sei der Peugeot mit heulendem Motor davongefahren. Daraufhin sei die Polizei verständigt worden.

Eine nicht ganz so harmlose Begegnung mit dem Peugeotfahrer hatte innerorts von Welschenrohr ein in Richtung Balsthal fahrender Autofahrer. «Bei einem Überholmanöver kam der Peugeot auf meiner Fahrbahn auf mich zu», erzählte der Mann vor Gericht. Er habe dank einer Bremsung fast bis zum Stillstand den Zusammenstoss verhindern können.

Panne stoppt die wilde Fahrt

Albert H. erinnerte sich nur vage an seine damalige Autofahrt. Er selbst habe stets den Eindruck gehabt, alles unter Kontrolle zu haben. Es sei aber durchaus möglich, dass sich alles wie von den Zeugen beschrieben abgespielt habe. An diesem Morgen habe er nach einer durchzechten Nacht einen gehörigen Kater gehabt, dem er mit zwei Büchsen Bier begegnet sei. Geplant sei gewesen, sich neuen Alkohol zu besorgen und seiner Freundin bei einer Fahrt auf dem Weissenstein die Leistungsfähigkeit seines Autos zu demonstrieren.

Allerdings blieb es beim Plan: Die Weissensteinstrasse war nämlich gesperrt und ein Kupplungsdefekt auf der Rückfahrt sorgte für einen unplanmässigen Halt in Matzendorf. Dort tauchte statt des aufgebotenen Abschleppdienstes die Polizei auf. Eine Atemalkoholprobe ergab einen Wert von 1,82 Promille.

Amtsgerichtspräsident Guido Walser sah es als erwiesen an, dass Albert H. bei seiner alkoholisierten Autofahrt mehrere Personen rücksichtlos gefährdet hatte, und verurteilte ihn wegen mehrfacher grober Verletzung der Verkehrsregeln und Fahrens in fahrunfähigem Zustand sowie weiterer Vergehen gegen das Strassenverkehrsgesetz zu 720 Stunden gemeinnütziger Arbeit. Die Hälfte davon unbedingt mit einer Bewährungsfrist von drei Jahren.

Auf eine Geldstrafe wurde verzichtet, weil Albert H. von der Sozialhilfe lebt und Alimente für ein Kind seiner ehemaligen Lebenspartnerin zahlen muss. Die Trennung von ihr gab der Angeklagte denn auch als Grund für sein Verhalten an. «Ich befand mich damals in einer Lebenskrise.» Er sei nun seit längerer Zeit abstinent und lebe in einer begleiteten Wohngruppe im Raum Solothurn. Die Chance, den Weg zurück in die Gesellschaft zu finden, sei gross. «Ich werde sicher bald eine Stelle finden», zeigte sich Albert H. zuversichtlich.

*Name von der Redaktion geändert