Schattenbergquelle
Holderbank gräbt nach seiner wichtigsten Quelle – die Sanierung sorgt für eine Wasserknappheit

Um die kantonalen Vorgaben erfüllen zu können, wird die Schattenbergquelle derzeit saniert. Während den Bauarbeiten an der für die Gemeinde Holderbank wichtigsten Wasserzufuhr ist im Thaler Dorf das Wasser knapp. In der Not kann die Gemeinde aber Balsthaler Wasser hochpumpen.

Yann Schlegel
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Um die Quelle neu zu fassen, sind aufwendige Tiefbauarbeiten notwendig.

Um die Quelle neu zu fassen, sind aufwendige Tiefbauarbeiten notwendig.

Patrick Lüthy

Vergangene Woche wendete sich die Gemeinde Holderbank mit einem Aufruf zum Wassersparen an die Bevölkerung. «Aufgrund anhaltender Trockenheit ist der Zulauf zu unseren Quellen massiv zurückgegangen. Kurze Gewitter bringen bei unseren Quellen keine Erholung», schreibt die Gemeinde auf ihrer Website.

Die Bevölkerung möge daher mit dem Wasserverbrauch sparsam umgehen, bittet sie. «Die Situation ist nicht kritisch», relativiert jedoch Gemeindepräsident Urs Hubler auf Anfrage. Der Hauptgrund für die Wasserknappheit rührt daher, dass Holderbank derzeit seine wichtigste Wasserzufuhr saniert. Die Schattenbergquelle liefert daher noch während der nächsten fünf Monate kein Wasser. Dennoch besteht kein Engpass: Holderbank verfügt nämlich über einen Dienstleistungsvertrag mit der Gemeinde Balsthal und kann während dieser Phase Wasser hochpumpen.

Nicht direkt vom Niederschlag abhängig

Die Schattenbergquelle muss die Gemeinde derweil wegen der kantonalen Vorgaben sanieren. 2015 forderte die Lebensmittelkontrolle dazu auf, die Grundwasserschutzzone aus dem Jahr 1986 anzupassen. Diese war nicht mehr konform, weil sich die Fassung der Quelle in einem Wohngebiet befand. Und so war Holderbank gezwungen, die Schattenbergquelle neu zu fassen und in die Nähe des südlich gelegenen Waldrandes zu verlegen. Im Zuge dessen möchte die Gemeinde zugleich einen möglichen Quellaufstoss westlich der heutigen Fassung erschliessen.

«Die Situation ist nicht kritisch.» - Urs Hubler Gemeindepräsident   

«Die Situation ist nicht kritisch.» - Urs Hubler Gemeindepräsident   

Oliver Menge

Wie die Untersuchungen im Vorfeld der Sanierung ergaben, fliesst ein hoher Anteil des Wassers aus dem Lockergestein. Bei dieser Quelle, die qualitativ gutes Wasser bringt, besteht zudem keine direkte Niederschlagsabhängigkeit. Wie Hubler berichtet, mussten die Bauarbeiter bei der Suche nach der Quelle rund 10 Meter in die Tiefe graben. Bei den aktuellen Arbeiten gräbt das zuständige Unternehmen dem Wasserlauf nach, um die Schutzzone möglichst weit von den Häusern neu zu installieren und die Quelle neu zu erschliessen.

Gemeinde nahm die Mehrkosten an

Für Holderbank ist die Quellensanierung eine Investition in die Zukunft, die sich als etwas teurer erwiesen hat als ursprünglich angenommen. Bereits 2017 bewilligte die Thaler Gemeinde einen Kredit über 160000 Franken. Weil nun aber der alte Messschacht doch durch einen neuen mit integriertem Trübungsmesser ersetzt wird und die Tiefbauarbeiten aufwendiger ausfallen, sind die Gesamtkosten mittlerweile auf 440000 Franken veranschlagt. Die Gemeindeversammlung bewilligte im vergangenen Dezember den notwendigen Nachtragskredit über 280000 Franken. Mit dem Trübungsmesser kann die Wasserversorgung Holderbank die Wasserzufuhr automatisch von der Leitstelle aus steuern.

Voraussichtlich Ende Januar kann die Gemeinde wieder Wasser von der Schattenbergquelle beziehen. Bis dahin verfügt Holderbank mit der Lauch- und Tufftquelle über ein zweites Standbein, das jedoch je nach Niederschlagsmengen nicht ausreicht, um den Bedarf zu decken. Da dies aktuell der Fall ist, kann Holderbank im Notfall Quellwasser der Aelibuechquelle benutzten, wie dies im Wasserverbund mit Balsthal seit 1986 vertraglich geregelt ist.

Dabei wird das Pumpwerk im Reservoir Ziegelmatten (Balsthal) zugeschaltet und bei einer Leistung von rund 200 Liter pro Minute Wasser in die Brunnstube der Quellen gepumpt. Durch die Sanierung der Schattenbergquelle musste das Thaler Dorf erstmals überhaupt auf das Balsthaler Wasser zurückgreifen. Holderbank wäre sogar zusätzlich abgesichert: Seit der Inbetriebnahme des Verbunds mit Langenbruck (BL) im Jahre 2018 hat die Gemeinde auch mit dem anderen Nachbardorf einen Wasserlieferungsvertrag.