Aus der Quelle im Hammerrain fliesst auch in niederschlagsarmen Zeiten viel Wasser – mehr als das Dorf braucht – und das erst noch in bester Qualität. Das weckte in der Vergangenheit Begehrlichkeiten: Die Stadt Olten wollte 1893 die Quelle kaufen, konnte aber nicht zahlen. Die Nachbargemeinde Welschenrohr hatte lange Zeit mit Wasserknappheit zu kämpfen und hätte gerne die Hammerrainquelle mitbenutzt, fand dann aber schliesslich eine eigene Lösung. Immerhin: Als sich in Welschenrohr in der Trockenperiode von 1989 die Situation dramatisch zuspitzte, half Herbetswil mit einer Notleitung aus. Im letzten Jahrzehnt wollte der Kanton einen Wasserverbund Mittleres Thal schaffen; er kam nicht zustande.

Anlage zur Besichtigung offen

Nun hat die Gemeinde mit einer Investition von gut 1,7 Mio. Franken gesorgt, dass die Situation klar ist. Die Klärung erfolgte allerdings nicht ganz freiwillig, brauchte Nerven und viel Zeit, nämlich 14 Jahre. Doch kann die Gemeinde jetzt ein stolzes Resultat vorweisen: Oberhalb des Dorfes steht ein neues Reservoir, im Werkhof steuert eine neue Anlage die gesamte Wasserversorgung, bei der Wäscheten (850 m ü. M.) und auf der Tannmatt (1165 m ü. M.) sind Zwischenreservoire ersetzt worden, zehn zum Teil weit abgelegene Berghöfe auf der zweiten Jurakette sind nun an das Verteilnetz der Gemeinde angeschlossen. Das Reservoir als Kernstück und die zentrale Steuerung stehen am nächsten Samstag zur Besichtigung offen. Treffpunkt ist beim Werkhof, von wo aus Shuttlebusse zum Reservoir fahren.

Sieben Jahre Verspätung

Wäre alles nach ersten Plänen gegangen, so würde die neue Wasserversorgung bereits seit sieben Jahren funktionieren. Woher kommt diese massive Verzögerung? «An uns lag es nicht, wir haben 2005 dem Kanton ein fertiges Projekt zur Genehmigung vorgelegt», antwortet Hans Fluri; er war damals Gemeindepräsident und hat nach seinem Rücktritt das Präsidium der Wasserkommission übernommen, die das Projekt betreute.

Der Anstoss für die grosse Erneuerung kam im Jahr 2000, als das kantonale Gesundheitsamt Mängel am Reservoir feststellte. Beanstandet wurden die Lüftung, die offenen Wasserkammern im Reservoir, und die Qualität des das darin enthaltenen Wassers näherte sich der Toleranzgrenze. Die Behörden legten der Gemeinde nahe, die Anlage zu sanieren. Hinzu kam, dass die Löschwasserreserven nicht ausreichend waren und einzelne Berghöfe Probleme mit ihren eigenen Quellen hatten. Grund genug für den Gemeinderat, im Zusammenhang mit der Ortsplanung die generelle Wasserversorgung anzugehen. Gemeinsam mit der Bernasconi Felder Schaffner Ingenieure AG, Balsthal, wurde ein Konzept für die Wasserversorgung bis 2010 erstellt, darin eingeschlossen der Bau eines neuen Reservoirs und den Anschluss von zehn Liegenschaften auf der zweiten Jurakette.

Hat Nerven gekostet

2005 stand das Konzept und wurde dem Kanton zur Genehmigung eingereicht. Doch statt der Zustimmung kam aus Solothurn andere Post, nämlich ein Plan für einen Wasserverbund Mittleres Thal, reichend von Balsthal bis Herbetswil. Dies sei zweckmässiger und kostengünstiger, ferner werde so die Versorgungssicherheit besser gewährleistet. Der Plan stiess auf wenig Gegenliebe. Mehrere Gemeinden hatten bereits in ihre eigenen Anlagen investiert oder andere Pläne. Balsthal etwa plante den – inzwischen realisierten – Verbund mit Oensingen. Herbetswil wollte unbedingt autonom bleiben und argumentierte, man wolle das eigene qualitativ hochwertige Wasser nicht mit jenem aus anderen Quellen vermischen. Schliesslich sah der Kanton von seinen Plänen ab, dafür nahm Herbetswil die seinen wieder hervor.

«Die Zwischenzeit hat zwar Nerven gekostet, anderseits nahmen wir es als Chance, die Pläne zu überdenken», berichtet Wasserkommissionspräsident Hans Fluri. Unter anderem wurde die vorgesehene Leitung für den Zusammenschluss mit der Wasserversorgung Aedermannsdorf gestrichen. «Gebaut wird sie aber schon noch, nur mit einem anderen Verlauf, was für uns keine Rolle spielt. Die Anschlüsse im neuen Reservoir sind bereit.»

Reservoire aus Kunststoff

Während das Hauptreservoir mit seinen zwei Kammern mit je 100 Kubikmetern Fassungsvermögen in Beton gebaut wurde, wählte man bei den Zwischenreservoiren Wäschete und Tannmatt solche aus Polyäthylen. Diese wurden in Teilen angeliefert und vor Ort zusammengebaut. Befüllt werden sie mit Wasser aus der Hammerquelle. In Etappen verlegt wurden ferner die Leitungen hinauf zu den Höfen, was dank gutem Einsatz der am Bau Beteiligten gut verlaufen ist, wie Hans Fluri sagt. Besonders wichtig beim Bau von Reservoir und Leitungen war, dass sauber gearbeitet wurde, darauf hätten er und der Brunnenmeister Ernst Nussbaum immer wieder aufmerksam gemacht. Das Resultat war, dass die Anlagen alleine durch Spülung – also ohne Einsatz von Chemie – betriebsfertig gemacht werden konnten.

Das nächste Projekt wartet

«Jetzt haben wir in Herbetswil wieder das qualitativ hochwertige Wasser, wie wir es gewohnt sind», sagt Fluri. Doch ihm und der Wasserkommission sowie dem Brunnenmeister Ernst Nussbaum wird die Arbeit nicht ausgehen, denn es steht ein weiteres Projekt an: Die Brunnstube bei der Hammerrainquelle bedarf ebenfalls einer Erneuerung. «Das ist eigentlich nicht so erstaunlich. Sie ist immerhin bald einmal hundert Jahre alt», meint Fluri. Eine der ältesten Brunnstuben im Kanton Solothurn übrigens.