Herausforderung

HitchHike, Velowege und Co-Working: So schmiedet das Thal an der Mobilitätszukunft

Stau bei der Einfahrt in die Klus: Damit sich das Problem in den nächsten Jahren nicht verschärft, erarbeitet der Naturpark Thal gemeinsam mit Regiomove Mobilitätslösungen.

Stau bei der Einfahrt in die Klus: Damit sich das Problem in den nächsten Jahren nicht verschärft, erarbeitet der Naturpark Thal gemeinsam mit Regiomove Mobilitätslösungen.

Der Ausschuss Mobilität des Naturparks Thal steht in den nächsten Jahren einigen Herausforderungen gegenüber.

Laut Google Maps dauert eine Autofahrt vom Bahnhof in Gänsbrunnen zum Oensinger Bahnhof rund 25 Minuten. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln hat man für dieselbe Strecke mehr als doppelt so lange, sowohl mit dem Zug durch den Weissenstein Tunnel, als auch mit dem Bus auf der Hauptstrasse. Nimmt man das Velo, muss man mit mehr als der dreifachen Zeit für dieselbe Strecke rechnen.

Dass die meisten Thaler Einwohner dabei auf das Auto setzen, ist verständlich. Das erklärt beispielsweise, warum die Zahl der eingelösten Autos im Bezirk, in etwa der Einwohnerzahl entspricht. Im Durchschnitt sind die Autos, die durch die Klus bei Balsthal fahren daher nur mit rund 1.1 Insassen besetzt. Das führt während Spitzenzeiten täglich zu bis zu zwölf Minuten Stauzeit. Auch die Velowege sind teilweise suboptimal oder gar nicht existent auf dieser Strecke.

Auch dies ein Faktor, weshalb viele auf die motorisierte, individuelle Fortbewegung zurückgreifen. Hinzu kommt, dass im Juni 2021 der Weissensteintunnel während anderthalb Jahren wegen Sanierungsarbeiten geschlossen wird. Die Alternative, mit dem Zug über Solothurn in die restliche Schweiz zu gelangen, wird den Thalern dadurch temporär genommen. Der Ausschuss Mobilität des Naturpark Thal befürchtet einen Zuwachs des Individualverkehrs und sieht sich mit der Frage konfrontiert: Wie schaffen wir es, dass die Thaler mobil bleiben, ohne mehr Verkehr zu generieren?

Mobil bleiben, ohne mehr Verkehr zu generieren

Unter dem Präsidium von Markus Schindelholz, Geschäftsführer der Oensingen-Balsthal-Bahn (OeBB), beschäftigt sich der neu zusammengesetzte Ausschuss Mobilität seit eineinhalb Jahren mit dieser Fragestellung. Der Ausschuss besteht aus Vertretern der Thaler Gemeinden sowie der Verkehrsunternehmen Postauto und so!mobil. «Nach einem ersten gemeinsamen Brainstorming, wie wir die Problematik angehen könnten, haben wir uns entschlossen, eine zweite Meinung einzuholen», sagt Schindelholz.

Unter anderem wollte der Ausschuss eine erfolgreiche Integration der betroffenen Bevölkerung in die Entscheidungsfindung ermöglichen. Um dies mit fachmännischer Unterstützung zu tun, holten sie Regiomove mit an Bord: Ein Programm des Berner Büros für Mobilität, das Regionen und Gemeinden beim Mobilitätsmanagement und bei der Verkehrsplanung unterstützt. Unter der Leitung von Thomas Schweizer vom Naturpark Thal wurde die Zusammenarbeit mit Regiomove und damit die Zukunft der Mobilität im Thal in Angriff genommen.

Die erste Phase: Wo drückt der Schuh?

In der ersten Phase der Zusammenarbeit mit Regiomove ging es darum, herauszufinden, wo allfällige Handlungsfelder im Thal bestehen. Rund 50 Einwohner und Gemeindevertreter aus dem Thal erschienen zu einem ersten öffentlichen Anlass im Mai letzten Jahres, um zu erörtern, in welchen Bereichen eine Veränderung erwünscht ist. Über Abstimmungen kristallisierten sich am Ende der Diskussionsrunde elf mögliche Handlungsfelder.

Darunter: Förderung des Veloverkehrs sowie der Elektromobilität, verträgliche Gestaltung der Pendlermobilität, bedarfsgerechte Gestaltung des öffentlichen Verkehrs oder die Förderung, dass Menschen dort arbeiten, wo sie wohnen. «Die Auswertungen sind anschliessend gemeinsam mit den Vertretern von RegioMove besprochen worden», sagt Markus Schindelholz.

Die zweite Phase: Wo besteht Handlungsbedarf?

Einen Monat später, am darauf folgenden Anlass diskutierte die Projektleitung und der Ausschuss Mobilität mit eingeladenen Gästen und den Betreuern von Regiomove das weitere Vorgehen. «In dieser Runde haben wir evaluiert, wo die Chancen für Erfolg liegen und haben anschliessend bestimmt, wo der grösste Handlungsbedarf besteht», erklärt Schindelholz. Die grössten Herausforderungen in den nächsten fünf Jahren seien die Sanierung des Weissensteintunnels, die Stausituation und die suboptimalen Velowege bei der Klus sowie die «letzte Meile», sprich die Erschliessung von abgelegenen Ortschaften und Höfen. Der Ausschuss entschied sich daher, Massnahmen in folgenden Handlungsfeldern zu ergreifen: Förderung, dass Menschen dort arbeiten, wo sie wohnen, Zufussgehen und Velofahren fördern und den öffentlichen Verkehr in der Region bedarfsgerecht und flexibel gestalten. Aus diesen Erkenntnissen sind vier Projekte entstanden, mit welchen die Herausforderungen in den kommenden Jahren gemeistert werden sollen: Mitfahrangebot, Co-Working Plätze, Schnellbuslinie und Velostationen.

Die dritte Phase: Umsetzung

Gleich nach der zweiten Phase begann unter der Leitung von Thomas Schweizer die selbstständige Umsetzung der Projekte, die gemeinsam mit RegioMove erarbeitet wurden.

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