Schublade um Schublade zieht Reto Hafner von der Katholischen Kirche Balsthal auf. Darin liegen historische Gewänder in allen möglichen Farben: Blau, Rot, Gold, Violett, verziert mit Blumenmustern, Schriftzügen, vereinzelt auch mit Bildnissen. Viele sind aus Samt oder Damast.

Bei den meisten handelt es sich um sogenannte Kasel mit den zeremoniellen Stoffteilen Stola, Manipel, Kelchvelum und Bursa. Aber nicht etwa die Vorderseite ist ausgestellt, sondern die Rückseite. Diese war schöner gehalten, da der Priester bis zum letzten Vatikanischen Konzil dem Volk den Rücken zukehrte und die Messe in Richtung Altar abhielt.

So bunt die Mischung der liturgischen Kleidung ist, so unterschiedlich sind die Geschichten, die hinter ihnen stecken. Hafner, der für die Ausstellung verantwortlich ist, kennt sie und gibt sie während seiner Führungen durch den versteckten Lagerraum auf der Empore der Kirche gerne weiter. Am 15. August sind drei weitere Führungen geplant.

Gewänder früher versteckt

Vor einigen Jahren war an eine Ausstellung dieser Messgewänder nicht zu denken. «Ich musste sie lange Zeit geheimhalten und niemandem davon erzählen», so der ehemalige Sakristan. Sein Vorgänger habe die Gewänder vor dem damaligen Pfarrer verstecken müssen. «Unser Pfarrer war gerade an einer Räumungsaktion und kurz davor, alle Gewänder zu verbrennen.» Hafner lacht. Das wäre heute undenkbar.

Nach jahrelanger Geheimhaltung der historischen Kleidung wurden sie an einer Ausstellung aller kirchlichen Wertgegenstände der Bevölkerung gezeigt. «Die Rückmeldungen waren überwältigend», schwärmt Hafner. Im Besitz der Kirche befänden sich noch weitere Wertgegenstände, viele aus Gold und Silber wie etwa Kelche. «Doch die sind nicht so interessant. Sie sind tote Materie», meint Hafner. «Die sakralen Textilien hingegen, die leben.»

Seit dieser ersten Ausstellung vor vier Jahren hat sich vieles verändert. Hafner hat sich mit diversen Institutionen wie der Abegg Stiftung zusammengesetzt, die sich dem Sammeln, Erhalten und Erforschen von historischen Textilien verschrieben hat. Von ihnen erfuhr das ehemalige Mitglied des Kirchgemeinderats, wie wertvoll die Gewänder in Balsthal seien. «Viele der Kleider, die aus dem 19. Jahrhundert stammen, wurden eliminiert.» Ein Antikschreiner aus Biberist fertigte dann den speziellen Schrank an.

Seit diesem Jahr sind die Gewänder nun werteerhaltend und liegend gelagert. In den Schubladen befindet sich ein gelöchertes Gitter, darauf luftdurchlässiger Flies. Auf der Empore, direkt neben der Orgel, herrschen zudem ein konstantes Klima und eine geringe Luftfeuchtigkeit — optimale Bedingungen für die Erhaltung der Stoffe.

Farben tragen eine Bedeutung

«Die Bibel besagt, dass die Kleidung allen Anfang in Adam und Eva nahm, die sich mit einem Feigenblatt bedeckten», beginnt Hafner die Modenschau. «Und seither ging die Mode nie an der Kirche vorbei», scherzt er weiter. «Nur mussten sich die Priester in der Kirche nie darum sorgen, was sie anziehen würden.» Denn die Farben der Gewänder wurden vom Anlass der jeweiligen Messe vorgegeben.

Im grünen Gewand wurden allgemeine Gottesdienste abgehalten. Diese Farbe steht auch heute noch für Hoffnung. Violett steht für Umkehr, Busse und Besinnlichkeit und war für die Advents- und die Fastenzeit gedacht. In Weiss, welches für Freude und Festlichkeit steht, wurden wichtige Feste wie Ostern oder Weihnachten abgehalten.

Die Farbe Rot hat für die Kirche zwei Bedeutungen: Einerseits steht sie für das Feuer und wurde an Pfingsten, Karfreitag und Palmsonntag getragen. Andererseits steht sie auch für Liebe und Blut, weshalb sie an Märtyrerfesten zum Einsatz kam. Zuletzt gibt es noch die Farbe Schwarz, die für Trauer steht und deshalb ausschliesslich für Begräbnissen angezogen wurde.

In der Barockzeit kam dann zunehmend die Farbe Gold ins Spiel. «Früher herrschten bei der normalen Kleidung Braun oder Grau vor», sagt Hafner. «Stellen Sie sich einmal vor, welchen Eindruck ein in Gold gekleideter Priester in so einer Menge machte. Er musste doch gewirkt haben wie ein Gott.»