Zu den schönen Naherholungsgebieten von Egerkingen gehört die Flüematt. Wer den Aufstieg zu Fuss über die Jakobsleiter oder über den Altweg wählt, wird durch eine Oase der Ruhe mit einer vielfältigen Flora belohnt. Durch den nahen Wald führt ein leicht zu begehender Rundweg und zwischen Winterhalde und Sonnenrain führt ein etwas steiler, schattiger Aufstieg auf Hüsern und Blümlismatt.

Der Ort hat seine Geschichte. Dass seit Jahrhunderten auf der Jurahöhe geweidet wurde, ist durch vielerlei Weidverträge belegt. Zu solchen Weidgebieten gehörte auch die Flüematt. Die Wiese hat eine Grösse von 11¾ Jucharten (429 Aren). In der Talsenke sammeln sich verschiedene Quellwasser zum Flüebach und zur Speisung des Wasserreservoirs.

Bis ins 19. Jahrhundert

Schon am 14. April 1531 ist im solothurnischen Ratsprotokoll von einem Kuhhirten in Egerkingen die Rede. Neben Kühen und Rindern wurden bis ins 19. Jahrhundert auch Ziegen auf die Weide geführt. Weil diese gerne in den jungen Wald eindrangen, musste die Weide ringsum eingezäunt werden. Jeder Weidbenützer war verpflichtet, im Frühjahr ein ihm zugeteiltes Stück Hag mit Dornensträuchern oder Aufschichten von Steinen auszubessern.

Die Kuhhütte stand mitten in der Flüematt, vermutlich, wo jetzt das Bienenhaus steht. Sie hatte nebst der Hirtenwohnung Platz für etwa 50 Rinder. Am 15. Februar 1858 bewilligte die Gemeinde 1200 Franken für den Bau einer neuen Viehhütte. Diese stand westlich des später (1929) gebauten Schützenhauses.

Das Hypothekenbuch nennt folgende Eigentümer von Haus und Scheuer: 1806 des Jakob Moll sel. acht Kinder; 1832 Josef Moll (1798–1879); 1835 Lukas Moll, der Sohn (1835–1879); 1879 Katharina Renggli, Witwe des Lukas Moll, zu 2/3-Anteil, und Susanne Moll (1839–1909), Ehefrau des Andreas Hüsler, zu 1/3-Anteil. 1886 ist der Schulfonds alleiniger Besitzer, was 1914 auf die Einwohnergemeinde übertragen wird.

Eine bunte Blumenwiese

Susanne Hüsler-Moll blieb weiterhin als Pächterin auf dem Hof. Bei ihr fanden verschiedentlich gegen karges Entgelt seitens der Gemeinde Verdingkinder Unterkunft. In Anbetracht des sehr baufälligen Hauses und der mangelhaften Einrichtungen wird 1894 der Abbruch des Gebäudes beschlossen. 1895 wird das Haus dem Josef Felber, Bäcker, für 140 Franken zum Abbruch verkauft. Heute sind von Haus und Stall keine Spuren mehr zu sehen.

Was aber geblieben ist, ist eine bunte, vielfältige Blumenwiese. Zurzeit stechen Schlüsselblumen mit ihrem satten Gelb aus dem Grün des Grases und am Bach blüht die Dotterblume. Bald werden sich noch viele andere Blumen dazugesellen. Geblieben ist auch die Erinnerung an längst vergangene Zeiten, als wir noch jung waren und im Sommer eine Handvoll Blumen pflückten und im Winter auf Fassdauben Skiakrobatik übten oder auf Schlitten den Hang hinuntersausten. Das alles ist vergangen, die Idylle aber bleibt.