Wolfwil
Hilfe zur Selbsthilfe führt zu mehr Selbstständigkeit

Der Verein AareGäuer Kurse-Freizeit heisst neu Verein AareGäuer und will sich künftig auf die Vermittlung von Nachhilfe und Förderunterricht konzentrieren.

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In der Nachhilfe sieht der Verein eines der Hauptgebiete. (Symbolbild)

In der Nachhilfe sieht der Verein eines der Hauptgebiete. (Symbolbild)

Keystone

Nach der Übergabe des Aaregäuer Spieltages an den Verein Netz 4F AG in Olten tritt der in Wolfwil ansässige Verein AareGäuer Kurse-Freizeit neu unter dem Namen «AareGäuer» gegen aussen auf. An der kürzlich abgehaltenen Generalversammlung wurde dies ebenso beschlossen wie die künftige Konzentration auf den vom Verein angebotenen Nachhilfe und Förderunterricht. «Der Verein AareGäuer ist klar der Ansicht, dass gute Nachhilfe einen nachhaltig positiven Effekt auf die Lernleistung und die Persönlichkeitsentwicklung junger Lernenden hat», sagt Präsidentin Silvia Stettler.

Nicht nur Notenverbesserung

Die Zeiten in denen nur leistungsschwache Schüler zur Nachhilfe geschickt wurden, seien längst vorbei, betont Arlette von Rohr, Präsidentin des Zweckverbandes Kreisschule Oensingen/Kestenholz und Mitglied im Vorstand des Vereins AareGäuer. Dies gelte auch für den Mythos, dass eine effektive Nachhilfe nur so quasi ein Förderunterricht zur Notenverbesserung sei. Dies sei so nicht mehr haltbar.

Arlette von Rohr ist der Auffassung, dass Nachhilfe vor allem in Anspruch genommen wird, um in der Vergangenheit entstandene Lücken zu füllen. Auch Verständnisschwierigkeiten des aktuellen Schulstoffes führten zu Leistungsdefiziten. Nachhilfe im klassischen Sinne, also kurzfristig und vorübergehend nachzuhelfen, sei vielleicht effektiv aber nicht unbedingt nachhaltig. Wenn immer nur mit externer Hilfe «geflickt» werde, leide das selbstständige Arbeiten. Der Nachhilfeschüler verlasse sich auf den Nachhilfelehrer und schaffe damit eine gewisse Abhängigkeit, die seiner weiteren schulischen Entwicklung abträglich sei.

Nachhilfe hat ihre Grenzen

Deshalb sei das Vermitteln von Lernmethoden und Lerntechniken so wichtig. «Die Hilfe zur Selbsthilfe führt zu mehr Selbstständigkeit. Effektive und nachhaltige Nachhilfe vermittelt nebst schulischem Wissen auch die notwendigen Arbeitsinstrumente», so von Rohr.

An Grenzen stosse jedoch die Nachhilfe, wenn effektive Lernschwächen wie Lese-, Schreib-, Rechenschwäche oder gar ein Aufmerksamkeits-Defizitsyndrom vorlägen.

Aber auch wenn familiäre oder ausserschulische Faktoren eine psychische Belastung darstellten, könne das Lernverhalten nur bedingt durch Nachhilfe gefördert werden. In solchen Fällen sei eine spezifische professionelle Förderung notwendig.

Beide Seiten profitieren

Stellvertretend für die 46 Nachhilfelehrkräfte des Vereins AareGäuer erzählen drei Lehrpersonen von ihren Erfahrungen. Diese fallen insgesamt positiv aus und sind für beide Seiten eine wertvolle Erfahrung. So auch für Nachhilfelehrerin Zoe Lerch (19). Die Musik-Maturandin an der Kanti Olten unterrichtet zurzeit Primarschüler aus der 2. und 3. Klasse. «Einmal pro Woche besuche ich sie zu Hause und mache mit ihnen Hausaufgaben oder zeige ihnen, wie sie sich am besten auf eine Prüfung vorbereiten können», erzählt Lerch. Es motiviere sie sehr, wenn Schüler stolz ihre verbesserten Noten präsentierten. Und weil sie sich zur Primarlehrerin ausbilden lassen wolle, könne sie als Nachhilfelehrerin auch selbst wertvolle Erfahrungen sammeln.

Spass an seiner Arbeit als Nachhilfelehrer hat auch der pensionierte Kanti-Lehrer Robert Brunner. «Warum machst du diesen Job mit Deinen 70 Jahren immer noch?», werde er oft gefragt. «Meine Antwort: Ich müsste das nicht tun, aber ich will es, weil es mir Spass macht, zusammen mit Jugendlichen zu lernen. Und auch ich lerne immer wieder dazu. So bleibe ich am Puls der Zeit, speziell in meinen Fachgebieten Pädagogik, Methodik und Didaktik.»
Positive Erfahrungen gemacht hat auch Jacqueline Schmitt. Die 21-Jährige studiert Chemie an der ETH Zürich. «Seit rund drei Jahren unterrichte ich Nachhilfeschüler in den Fächern Musik, Sprachen, Chemie und grösstenteils Mathematik.»

Meistens seien es Jugendliche, die ihre Noten verbessern wollten oder Primarschüler, die bei der Erledigung der Hausaufgaben Hilfe benötigten. Für sie sei wichtig, dass sie diesen auch verständlich übermittle. «Die Schüler sollen mit ihren eigenen Ideen auf eine plausible Lösung stossen», so Schmitt. Sie selbst lerne bei ihrer Arbeit nicht nur dazu, sondern werde auch mit Dankbarkeit belohnt. «Ein wunderbares Gefühl», so Jacqueline Schmitt. (mgt)