Wolfwil

Highland-Games-WM: Kräftemessen wie vor Jahrhunderten

Wolfwil steht dieses Wochenende im Bann starker Männer in Schottenröcken. Diese messen sich an den Highland-Games.

Gleich am Eingang des Festareals beim Schlatthof in Wolfwil zieht eine kleine mittelalterliche Kräuterstube Wundernasen zu sich: Der zarte Duft von Lavendel verpackt in roten Kiltstoff liegt in der heissen Luft des kleinen Zeltes mit wunderbarer Aussicht auf die grosse Spielarena. Für die Besitzerin der Stube, die ihre Ware auf diversen Mittelaltermärkten im Land vertrete, seien die Highland Games der Höhepunkt des Jahres. «Insbesondere dieses Jahr wegen der Weltmeisterschaften und der internationalen Athleten», erzählt Manuela Stephan.

Drei Tage lang strömten Frauen und Männer in Schottenröcken und mittelalterlichen Leinenkleidern auf das drei Hektaren grosse Areal hinter dem Schlatthof, wo zum dritten Mal die schottischen Traditionsspiele Highland Games sowie ein Mittelaltermarkt stattfinden. Über 8000 Besucher zählt OK-Präsident Simeon Brügger am letzten Morgen des Anlasses. Er ist selber Wettstreiter bei den Meisterschaften. «Das wird um die Welt gehen», sagt er erfreut. Gleich zwei Wettkämpfe stehen nämlich auf dem Programm: Die Weltmeisterschaften und die World Series, in welchen sich insgesamt bis zu hundert Athleten aus der ganzen Welt in diversen Disziplinen wie Hammerwerfen, Gewichthochwurf oder Steinstossen messen. Für die Wettkämpfe sind zwei unterschiedlich grosse Spielarenen abgesteckt. «Das ist der erste Anlass überhaupt in dieser Grösse.» Ein solches Wachstum innerhalb von drei Jahren habe es davor nicht gegeben in der Szene, sagt Brügger.

Highland Games 2019

Seit den ersten Highland Games 2017 in Hägendorf wuchsen die Wettkämpfe stetig. Jedes Jahr sei etwas Neues dazugekommen, jedes Jahr sei das OK professioneller geworden, sagt Brügger. Das zehnköpfige OK bestehe unter anderem aus den Mitgliedern seines Vereins Black Sheep Highlanders und weiteren Unterstützern aus der Region. «Ich habe den Anlass absichtlich aus dem Verein herausgenommen», sagt er. Obwohl die Black Sheep Highlander Gastgeber der Wettkämpfe seien, tragen sie keine finanziellen Defizite. «Diese bleiben an mir hängen.»

«Unsere Arbeit trägt endlich Früchte»

In der Tat habe er in den vergangenen zwei Jahren jeweils in die eigene Tasche greifen müssen, um die Mindereinnahmen auszugleichen. «Wir hatten in den letzten zwei Jahren einfach Pech», sagt Simeon Brügger. Das schlechte Wetter habe sich massiv auf die Besucherzahlen ausgewirkt. «Dieses Jahr schreiben wir zum ersten Mal schwarze Zahlen.» Das sei vor allem dem schönen Wetter und Kosteneinsparungen im Vorfeld zu verdanken: Man habe die Grösse der Zelte reduziert und sich im Gegensatz zu den vorherigen Spielen für kleinere Bands entschieden. «Wir haben uns darum bemüht, eine heimelige Atmosphäre zu schaffen und das Zusammensein zu fördern.» Er fügt jedoch hinzu: «Das Fest ist und bleibt ein finanzielles Risiko.»

Simeon Brügger will aber weitermachen und die schottische Tradition den Schweizern näher bringen. «Es wäre schön, wenn wir diese Tradition bewahren könnten», sagt er und versichert, dass nächstes Jahr die Highland Games wieder stattfinden werden. «Dieses Jahr war entscheidend, ob wir weitermachen oder nicht. Jetzt sehen wir langsam, dass unsere Arbeit endlich Früchte trägt.»

Highland-Games-WM : „Es ist auch für die Zuschauer unangenehm, wenn wir unten herum nackt sind.“

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