Auf der Empore der katholischen Kirche weht ein frischer Wind. Nicht wegen des Luftstroms, der beim Spielen der Orgel durch verschiedene Windkanäle in die sogenannte Windlade (grosser Kasten, auf dem die Pfeifen angeordnet sind) geblasen wird. Sondern wegen des modernen Spieltisches, der diesen Winter von Orgelbauer Claudio Galli fertig installiert worden ist.

Der neue Spieltisch besteht aus massiver Eiche, sieht altertümlich aus, hat aber ganz schön was auf dem Kasten, oder besser gesagt, im Kasten. Nämlich neueste technische Errungenschaften. «Das eingebaute Touch-Display ist das Herzstück der Elektronik.  Von da aus lässt sich alles steuern», schwärmt Galli, der den gesamten Spieltisch verkabelt hat. Die Orgel lässt sich aber wie jede andere alte Orgel ohne technische Weiterentwicklungen spielen.

Notwendige Anschaffung

Der Spieltisch wurde zum letzten Mal im Jahre 1960 ersetzt. Mit den verwendeten Materialien des alten Spieltisches waren seine Benutzer nie wirklich zufrieden gewesen: «Es wurde zu viel Furnier und schlechter Leim verwendet», beklagt sich Galli. Weiter fügt Organist Simon Haefely hinzu: «Beim Spielen fühlte es sich nicht angenehm an.» Den alten Orgeltisch auf Vordermann zu bringen, wäre ziemlich kostspielig gewesen.

So entschieden sich Galli und Haefely vor rund einem Jahr, sich für einen komplett neuen Spieltisch einzusetzen. Kostenpunkt: 100 000 Franken plus Kosten wie zum Beispiel für die Erhöhung des Bodens.

«Der vorherige Orgeltisch lag versenkt im Boden. Das neue Stück sollte nun zentral und in einer verschönerten Umgebung liegen», so Galli. Um die Einrichtung und Anpassung des Bodens kümmerte sich der Ramiswiler Schreinermeister Martin Disler.

Das Geld für den neuen High-Tech Spieltisch war vorhanden. Über die Jahre bildete sich ein finanzieller Überschuss auf dem Orgelunterhaltskonto der Kirchgemeinde. Haefely habe sich als Hauptorganist dafür ausgesprochen dass etwas passieren muss.

Denn die Orgel sei ein öffentliches Instrument, welches nicht nur von ihm gespielt wird, sondern auch von Schülern während des Orgelunterrichts, von der Dirigentin oder der Chorleiterin während den Proben und von diversen Aushilfsorganisten. Es fiel grünes Licht vonseiten der Kirchgemeinde. Somit konnte das Projekt beginnen.

Im Ausland hergestellt

«Wir haben den Spieltisch in Deutschland bei einem weltweitführenden Unternehmen für Orgelteile herstellen lassen. Bevor wir jedoch den Auftrag im Juni erteilt haben, brauchte es unzählige Gespräche. So ein Spieltisch lässt sich nicht einfach aus der Schublade ziehen», erklärt Haefely.

Der Spieltisch sollte zum Orgeltyp passen und dem Konzert-Standard entsprechen. Es musste richtig abgeschätzt werden, wo gespart werden konnte und wo nicht. Team Galli und Haefely wollte etwas Bleibendes erschaffen, das in 20 Jahren nicht wieder ersetzt werden müsse.

Auch im letzten halben Jahr nach Auftragserteilung fand reger Austausch zwischen den Auftraggebern und dem deutschen Orgelbauer-Zulieferer statt. «Die Planung eines Spieltisches ist vergleichbar mit einem Mosaik. Jedes Steinchen muss durchdacht werden», sagt Galli. Zwei Mal reisten die beiden nach Deutschland, um vor Ort Details zu besprechen. Nach einem halben Jahr wurde der Spieltisch schliesslich geliefert.

Kran in der Kirche

In einem Stück verliess der Spieltisch deutschen Boden und kam unversehrt im Guldental an. «Wir hatten überlegt, die Bestellung in drei Teilen liefern zu lassen», erwähnt Haefely. Doch bei einer Überlegung blieb es schlussendlich. Dem Organisten und dem Orgelbauer schien es einfacher, das neue Herzstück der Orgel bereits zusammengebaut in Empfang nehmen zu dürfen. Daraufhin mussten zwei Kräne aufgebaut werden. Mit dem einen Kran wurde der Orgeltisch vor die Kirche gehievt. Mit dem anderen wurde kurzerhand in die heiligen Hallen gefahren und von dort das 400 Kilogramm Packet auf die Empore gehoben.