Galerie Rössli
«Hey Houston!» im Thal

Der Solothurner Künstler Jörg Mollet zeigt seine neuen Arbeiten auf Papier in der Galerie Rössli in Balsthal.

Eva Buhrfeind
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Jörg Mollet widmet sich in seinen neuesten Arbeiten den Städten, ihren Chiffren und Bewohnern.

Jörg Mollet widmet sich in seinen neuesten Arbeiten den Städten, ihren Chiffren und Bewohnern.

Eva Buhrfeind

Jörg Mollets künstlerisches Arbeiten ist immer auch ein intensiver Prozess von persönlicher Bildfindung und subjektiver Bilderweiterung, in deren Zitaten sich die Betrachtenden als stille Beobachter wiederfinden.

Denn der Solothurner Künstler sucht immer wieder die Auseinandersetzung mit dem Thema Bild, der Wahrnehmung, um die eigene Bildfindung und Bilderwartungen immer neu auszuloten und medial wie formal zu hinterfragen. Zugrunde liegt seinen Arbeiten das Shojij-Papier, dieses transluzente Japanpapier aus Maulbeerbaum, das seinen Inhalten jene lichte Struktur und Schichtbarkeit verleiht, in die der Künstler seine Ideen und Zitate einbindet.

Jetzt ist es das Muji-Papier und erneut bilden Fotografien seiner Reisen die Basis dieser Digitalprints. Im Gegensatz zu früheren Reisen nach Asien und Nordafrika, zog es Jörg Mollet nach Amerika, nach New York und auch nach Berlin. Vor allem Houston in Texas als wohlhabende City und Kunstmekka auf der einen Seite im Kontrast mit der Schäbigkeit der Randgebiete, gleichzeitig auch Zentrum der Raumfahrt, bot an allen Ecken und Enden Eindrücke, Bildgeschehen und gesellschaftliche Phänomene: Raumfahrttechnik- und Nostalgie, nächtliche Grossstadt und die Minderwertigkeit der Zündhölzliarchitekturen.

Facetten der Städte

«Hey Houston!», James A. Lovells einstiger Notruf aus dem Weltall an die Kommandozentrale, verlieh schlüssigerweise der Ausstellung den Titel. Aber auch aus New York zeigt er prägnante Facetten einer Stadt mit den orangefarbenen Schriften auf dem Trottoir, die beschreiben, was sich unter dem Strassenbelag befindet, oder den orangefarbenen Fussgängerstreifen, die als repetitives Farbmuster das städtische Strassenbild neu erzählt.

Dann Berlin, wo Jörg Mollet unter anderem auf Randständige in randständigen Gegenden traf. Diese Impressionen, Zeichen, Chiffren, Lebensräume und Menschen hat der Solothurner Künstler in neue Geschichten übersetzt. Im Digitaldruck auf Muji-Papier, den Fotografien wurde vorher die Farbe entzogen, so- dass ein diffuses Grau-Schwarz-Weiss ein zeitlos-gleichnishaftes Moment entwickelt, zitiert Jörg Mollet wesentliche Merkmale des Gesehenen als chromatisches Wesensmerkmal des erlebten Ortes.

Farben als Metaphern

Dazu hat er Farbeindrücke aus ihrem Kontext herausgenommen und in die farblich reduzierten Abbilder als markante Metaphern des ursprünglichen Bildgeschehens gesetzt: orangefarbene Farbfelder und -streifen als New Yorker Verweise, ein blaues Rechteck als verdichtete Szene im Wasser, die grauweissen Flächen der einfachen Holzhäuser als Konzentration der Tristesse. Das Gelb aus den Pop-Art-Graffitis an einer Bartür, Transparentes im Dialog mit dem nächtlichen, blockartigen Schwarzen, nächtliche Fotos wie verschwommene Negative.

Diese neu konfrontierten Wirklichkeiten sind mit im gleichen Farbton bemalten Muji-Papieren hinterlegt, werden so von einem dezent, teils lieblich leuchtenden Background kommentiert als Teil einer kulturellen Begebenheit, die in den Fotografien als Abbilder individueller Wahrnehmungen die künstlerischen Sichtung und die originalen Augenblicke zu neuen Beziehungen in der Bilderwartung verschmelzen.

Bis 13. November. Geöffnet: Do. und Fr., 18–21 Uhr, Sa., 15–18 Uhr, So., 11–14 Uhr.