Herbetswil
Schwalbenturm: Hier sind ihre Artgenossen anzutreffen

Warum ein Schwalbenturm mit Hilfe von zwei Naturschutzvereinen von Egerkingen nach Herbetswil transportiert wurde.

Fränzi Zwahlen
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Der Schwalbenturm in Herbetswil am Rand der Pferdekoppel der Familie Allemann.

Der Schwalbenturm in Herbetswil am Rand der Pferdekoppel der Familie Allemann.

Bruno Kissling

2011 wurden in Egerkingen drei sogenannte Schwalbentürme oder Schwalbenhäuser aufgestellt.

«Das sind auf hohen Stäben angebrachte künstlich geschaffene Nistmöglichkeiten für Mehlschwalben»,

erklärt Daniel Schär, Lehrer und Mitglied von Birdlife Sektion Solothurn. Und weiter ist zu erfahren: Schwalbentürme sind künstliche Kolonien für Mehlschwalben, eine Hilfsmassnahme für diese Vogelart. In der Regel befindet sich ein quadratisches oder sechs-/achteckiges Dach auf einem Mast in 4 bis 6 Meter Höhe. Die Simse unter dem Dach sollten rau verputzt sein, daran werden künstliche Nisthilfen für die Mehlschwalben angebracht und die Schwalben können selbst natürliche Nester anbauen. Daniel Schär führt weiter aus: «Bis heute wurde von den drei Türmen in Egerkingen nur einer von den Vögeln angenommen. So haben die Naturschutzvereine von Egerkingen und Herbetswil entschieden, den Turm beim Rauberplatz, wo kürzlich die neu erstellte Kneippanlage eingerichtet wurde, ins Thal zu verfrachten.

Schwalben sind Kolonienbrüter

Warum es mit der Besiedlung der Egerkinger Türme nicht so richtig geklappt hat, kann Schär auch erklären. «Studien aus Deutschland belegten in jüngster Zeit, dass solche Schwalbentürme am besten dort angenommen werden, wo es in ihrer unmittelbaren Nähe schon Mehlschwalbenkolonien gibt, denn Schwalben sind sogenannte Kolonienbrüter.» Und das ist jetzt beim neuen Herbetswiler Standort, auf der Pferdekoppel der Familie von Pascal Allemann, der Fall. «Am Dachvorsprung meines Hauses nisten die Schwalben schon seit Jahren und auch bei einem Nachbarn fühlen sie sich wohl. So sind die Chancen intakt, dass der Turm von ihnen angenommen wird.» Der Schwalbentum wurde Mitte Mai mit Hilfe von Ackermann Transporte, der Familie Gautschi, Herbetswil, und Johann Allemann, ebenfalls aus Herbetswil, ins Thal transportiert. «Leider etwas zu spät für das erste Gelege der Mehlschwalben. Sie hatten da schon begonnen, ihre Nistplätze zu besetzen» weiss Schär. «Doch wir hoffen jetzt darauf, dass der Turm von einem zweiten oder gar dritten Gelege dieses Jahr noch besiedelt wird.»

So nisten Schwalben ohne künstliche Hilfe.

So nisten Schwalben ohne künstliche Hilfe.

Bruno Kissling

Es fehlt an natürlichem Nistmaterial

Die Mehlschwalbe ist in der Schweiz eine gefährdete Vogelart. «Ihr Population geht schon seit Jahren zurück, ganz einfach, weil es immer weniger Nistflächen gibt. Die Mehlschwalben waren früher bei jedem Bauernhaus anzutreffen, ja von den Bauernfamilien gar als Fliegen- und Mückenvertilger hoch geschätzt und beliebt. Normalerweise bauen die Mehlschwalben ihre Nester so, dass sie Hunderte von kleinen Lehmkügelchen in ihren Schnäbeln produzieren und dann in einer runden Nestform aneinanderfügen. Und auch diese Art des Nestbaus führt dazu, dass die Population immer weniger wird. «Einerseits finden sie in unserer mit Asphalt versiegelten Landschaft fast kein natürliches Nestmaterial mehr», sagt Schär. «Andererseits verdrecken sie mit ihrem Nestbau die Fassaden der Häuser und verlieren damit die Akzeptanz bei den Hausbesitzern. Darum ist ein Schwalbenturm eine Alternative.»

In der Schweiz kommen vier Schwalbenarten vor: die Mehlschwalbe, die Rauchschwalbe, die Uferschwalbe und Felsschwalbe. Ihre natürlichen Feinde sind die Raubvögel, aber viel mehr macht der Spezies der Lebensraumverlust zu schaffen. Die Schwalben sind «Langstreckenzieher». Im September fliegen sie fort, um in Afrika zu überwintern. Mitte März kehren sie zurück und beginnen mit dem Nestbau. Die Jungen sind bereits nach 30 Tagen flügge. So kann es sein, dass Schwalben bis dreimal pro Saison nisten.

Die Idee stammt aus Deutschland

Der vermutlich erst Schwalbenturm wurde von privater Seite in der deutschen Stadt Aalen aufgestellt. Im hessischen Krofdorf-Gleiberg musste einige Zeit später eine Schwalbenkolonie dem Abriss eines Feuerwehrgebäudes weichen. Ein Vogelfreund erinnerte sich an Aalen, und man stellte Schwalbentürme auf. So wurde die Idee immer weiter verbreitet.