In Höngen werden grosse Pläne geschmiedet: Herbert Brunner will an der Rallye Dakar teilnehmen: Das ist ein lange gehegter Wunsch – «e Buebetraum». Seine Töfffahrleidenschaft habe er etwa mit 10 Jahren entdeckt. «Um die Kühe von der Weide nach Hause zu holen, fuhr ich mit dem Töffli dahin», erzählt der heute 48-jährige Brunner. Mit steigendem Alter wurden auch die «Töffs» grösser.

Herbert Brunner von Höngen ob Balsthal will mit seinem Motorrad am Rennen Paris-Dakar ins neue Jahr starten.

Herbert Brunner von Höngen ob Balsthal will mit seinem Motorrad am Rennen Paris-Dakar ins neue Jahr starten.

«In der Mechaniker-Berufsschule lernte ich Christian Meister kennen. Er war ebenso begeistert vom Motorradfahren wie ich», erzählt Brunner. (Anm. d. Redaktion: Meister betreibt heute ein Motorrad-Fachgeschäft in Ramiswil). Auf dem Weg in die Berufsschule wurden die beiden von den Motorradsport-Magazinen im Kiosk angelockt. «Damals erschienen die ersten Hefte über die Rallye Paris-Dakar und daraus entstand die Sehnsucht, daran teilzunehmen», erinnert sich Brunner.

Kein Plan

Damals seien sie zusammen mit dem Rapid, die Motorräder hinten aufgeladen, nach Niederbipp gefahren, um dort auf dem Gelände «Motocross» zu trainieren. Das war vor rund 31 Jahren. Zwei Jahre später 1987 löste Brunner die erste Lizenz, um an Rennen teilzunehmen. Zuerst war Brunner mehrere Jahre im «Motocross» unterwegs. Danach habe er in die Sparte «Enduro» gewechselt. Hier fährt man eine markierte Rundstrecke von etwa 90 bis 120 Kilometern querfeldein. Dies wollte er ein Jahr lang machen als Vorbereitung für Paris-Dakar.

Als 2001 seine Tochter zur Welt kam, habe er das Töfffahren etwas reduziert. Doch schon ein Jahr später nahm der junge Vater an seiner ersten Rallye in Marokko teil. Das Besondere einer Rallye ist, dass die Strecken weder markiert noch eingezeichnet sind. «Man fährt nur nach Navigation, das heisst mit dem Roadbook (Routenbuch), Kilometerzähler und Kompass», erklärt Brunner. Das Roadbook zeigt lediglich die Richtungsangaben beim jeweiligen Kilometerstand an. Im Gegensatz zu den Auto-Fahrern haben die Motorradfahrer keine Begleitung, die für sie navigiert. Zumal die Orientierung in den Sanddünen nicht allzu einfach ist.

Faszination Wüste

Mehrere Tage aneinander unzählige Stunden auf einem Motorrad durch die Wüste rasen bei Temperaturen, die den Körper ans Äusserste bringen, der ständigen Gefahr eines Sandsturms und einer Dehydration ausgeliefert zu sein. Zieht ein Sandsturm auf, fliegen keine Helikopter mehr los, um die Fahrer im Notfall abzuholen.

Wieso tut man so was freiwillig und bezahlt noch Startgeld dafür? «Es ist die Wüste. Ist man einmal in der Wüste, geht man entweder nie mehr oder immer wieder. Und ich gehöre zu den Zweiten», schwärmt Brunner. Es sei einmalig durch die Wüste zu fahren, diese atemberaubende Schönheit und auch die Lebensweise der Einheimischen zu erleben. Der Rallye-Fahrer macht dies aus reiner Liebe zum Hobby. Seine Fähigkeiten als Mechaniker sind dafür elementar. Als Amateur ist man erst recht für sich allein verantwortlich, da man kein Team um sich hat. Es kommt immer wieder vor, dass während der Fahrt Teile ausgewechselt oder repariert werden müssen. Der in Höngen aufgewachsene Fahrer arbeitet Vollzeit als Betriebsmechaniker.

Aufgeben keine Option

Mit der enormen Hitze hatte Brunner diesen Mai an der Merzouga Rallye in Marokko zu kämpfen. «Am zweiten Tag war ich so erschöpft und dehydriert, obwohl ich über zwölf Liter getrunken habe, dass ich nicht mehr alleine vom Rad steigen konnte und mir eine Infusion gesteckt werden musste», blickt er zurück.

Trotz der ärztlichen Absage, ihn am nächsten Tag starten zu lassen, kam Aufgeben nicht infrage. «Ich habe solange mit der Ärztin ‹gstürmt›, bis ich die Freigabe erhielt», erzählt der Hönger. Denn die «Merzouga» war die Qualifikation für die Rallye Dakar. Entscheidendes Kriterium war, dass die Rallye zu Ende gefahren wird, was Brunner geschafft habe. Doch erhielt er vor kurzem die Absage, dass er nicht starten darf – ein herber Rückschlag.

Doch wie bereits in Marokko gibt «Hebu» nicht auf. Er wird stattdessen am «Africa Eco Race» teilnehmen, das auf der ursprünglichen Strecke der Rallye Paris-Dakar liegt. Er erweckt nicht den Eindruck, dass sein Traum geplatzt ist – nur etwas nach hinten verschoben.