Oensingen
Haus, Stallung, Garten: Im Mittelalter ist alles bereit für die Fernsehfamilie

Nächste Woche startet das SRF-Sommerprojekt «im Schatten der Burg – Leben wie vor 500 Jahren» mit einer Kestenholzer Familie. Die Bauarbeiten sind abgeschlossen, die letzten Vorbereitungen laufen aber noch.

Rebekka Balzarini
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Bauarbeiten fürs SRF-Sommerprojekt "Im Schatten der Burg – Leben vor 500 Jahren" in Oensingen sind abgeschlossen
14 Bilder
Blick auf das eigens für das Projekt auf einer Weide oberhalb des Schloss Neu-Bechburg errichtete Wohnhaus mit Stallung und Gemüsegarten für die Familie Dietschi aus Kestenholz.
Hier werden Wollschweine wohnen
Blick in den Innenraum, wo noch letzte Vorbereitungen im Gange sind.
Der spartanische Schlafraum
Die Küche mit dem steinernen Holzofen, rechts der Eingang zum Stall.
Unter dem Vordach sind bereits die Bienen eingezogen.
Der Gemüsegarten mit Pro-specie-rara-Gemüsesorten wurde bereits im Frühjahr angelegt.
Dr. Max Misteli aus Oensingen, Präsident der Stiftung Schloss Neu-Bechburg, hat ein breites Rahmenprogramm zur Sommerserie zusammengestellt.
Auf dem Gruppenbild auf der Schlosszinne das Team mit v.l. Matthias Thomi (Projektverantwortlicher "Schweiz aktuell"), Cathy Flaviano (Projektleiterin Radio SRF 1), Dr. Max Misteli (Publikumsverantstaltung Stiftung Schloss Neu-Bechburg), Ralph Wicki (Leiter Pilgerreise, Moderator "Nachtclub" SRF 1), Basil Honegger (Projektleiter "Schweiz aktuell"), Gastgeberin und Moderatorin "Schweiz aktuell, Katharina Locher und Samuel Schmid (Projektproduzent Radio SRF 1).
Blick vom Schloss auf das Wohnhaus, wo die Familie Dietschi aus Kestenholz hausen wird.
Das Schloss Neu-Bechburg ob Oensingen, wo das Sommerprojekt stattfindet, aus der Ferne.

Bauarbeiten fürs SRF-Sommerprojekt "Im Schatten der Burg – Leben vor 500 Jahren" in Oensingen sind abgeschlossen

Bruno Kissling

Der Weg von der Neu-Bechburg in Oensingen zum mittelalterlichen Bauernhof ist nicht weit. Aber mühsam. Jedenfalls nach dem verregneten Wochenende. Der Matsch klebt an den Schuhen, und es ist glitschig. So glitschig, dass ein Auto vom Weg rutschte und jetzt unterhalb der Strasse im Gebüsch feststeckt.

Auf der Strasse steht eine Kartonschachtel, gefüllt mit mittelalterlichem Werkzeug. «Sollen wir die mitnehmen?», fragt Moderatorin Katharina Locher etwas ratlos. Dann, halb im Spass, halb im Ernst: «Nicht, dass sie noch jemand klaut!». Noch ein Stück die Strasse hinauf, dann taucht das kleine Bauernhaus auf. Es steht auf einer Lichtung, dunkles Holz, Schilfdach, daneben ein Brunnen und ein kleiner Garten.

Alles bereit für Familie Dietschi

In einigen Tagen wird dort die Familie Dietschi aus Kestenholz einziehen. Sie tauchen zwischen dem 17. Juli und dem 4. August in die Vergangenheit, 500 Jahre zurück, ins Spätmittelalter. Dies im Rahmen des SRF Sommerprojekts «Im Schatten der Burg – Leben vor 500 Jahren». Das Haus wurde extra für die Sendung gebaut. Damit es tatsächlich aussieht wie ein Bauernhof aus dem 16. Jahrhundert, hat sich das Projektteam vom SRF viel Zeit genommen für die Recherche. Dies berichtet der Projektverantwortliche Matthias Thomi. Das Team habe sich mit Historikern zusammengesetzt und Bilder studiert. Das Resultat gefällt ihm. «Ich glaube, wir haben das nicht schlecht gelöst», sagt Thomi zufrieden.

Das Haus ist nicht gross, der Grundriss beträgt rund 6 auf 8 Meter. Durch die Haustür tritt man gleich in die Küche. Der Boden ist aus Lehm, es ist dunkel und riecht nach Erde. Gekocht wird auf dem offenen Feuer, auf einem Herd aus Stein. Eine Treppe führt in das Dachgeschoss. Links neben dem Herd ist eine Tür. Sie führt ins Schlafzimmer, das die sechsköpfige Familie zusammen benutzt. Der Boden dort ist aus Holz, die Betten stehen schon bereit. Auf ihnen liegen Schaffelle. Die Tür rechts führt in den Stall. Was passiert denn, wenn es wieder so gewittert wie am letzten Wochenende? Hält das Haus das wirklich aus? «Natürlich», beruhigt Basil Honegger, Projektleiter von «Schweiz aktuell». «Auch vor 500 Jahren mussten Bauernhäuser ein Unwetter aushalten können.» Aber wenn es gefährlich werde, dann könne sich Familie Dietschi natürlich auf der Burg in Sicherheit bringen.

Die Aufgaben

Das ist aber ein Ausnahmeszenario: Der Alltag der Dietschis wird auch so anstrengend genug. Als Bauernfamilie müssen sie ihren Acker bewirtschaften, sich um die Tiere kümmern und gegen das Wetter kämpfen. Und gegen den Vogt auf der Burg, der ihnen das Leben mal mehr, mal weniger schwermachen wird. Darauf hat das Fernsehpublikum einen entscheidenden Einfluss. Es spielt die Rolle des Burgherrs: Online kann es etwa darüber abstimmen, welchen Anteil der Ernte Dietschis abliefern müssen. Mit dem Sommerprojekt will SRF das Wissen der Zuschauer über das Leben im Mittelalter stärken. Eine Zeit, die von vielen Umbrüchen geprägt war. Matthias Thomi: «Viele Menschen haben nur eine ganz vage Vorstellung davon, wie es im Spätmittelalter bei uns aussah.» 80 Prozent der Bevölkerung haben damals als Bauern gelebt. Deshalb wollte das Projektteam deren Alltag aufzeigen.

Interessierte können auch als Besucher auf die Neu-Bechburg kommen. Täglich können sie dort Mittelalter-Handwerker bei der Arbeit beobachten, und dank Webcams Einblick in das Geschehen auf dem Filmset erhalten. Von Montag bis Freitag sind auch Experten auf dem Schloss zu Gast. Im Gespräch mit Moderatorin Katharina Locher vertiefen sie verschiedene Aspekte des Lebens im Spätmittelalter. Nach drei Wochen ist das Projekt vorbei. Dann wird auch das Haus wieder abgerissen, denn in der Juraschutzzone darf es nicht stehen bleiben.