Amtsgericht Thal-Gäu
Hatte das «Opfer» der Schändung wirklich ein Blackout?

Ein 62-jähriger Mann und eine 50-jährige Frau sollen vor zwei Jahren nach dem Besuch des Maifestes der «Stäcklibuben» in der Klubhütte eines nahe gelegenenSportplatz eine ohnmächtige Frau geschändet haben. Die Beschuldigten bestreiten die Votrwürfe.

Erwin von Arb
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Die Vorfälle in der Klubhütte sollen sich unter erheblichem Alkoholeinfluss ereignet haben (Themenbild).

Die Vorfälle in der Klubhütte sollen sich unter erheblichem Alkoholeinfluss ereignet haben (Themenbild).

zvg

Ein Gäuer Ehepaar besuchte mit der besten Freundin der Ehefrau am 30. April 2011 das Maifest der Stäcklibuben. Es wurde viel getrunken, und alle hätten es lustig gehabt, erzählte der der Schändung bezichtigte Peter R.* Amtsgerichtspräsident Guido Walser. Er hatte das Ehepaar mit der erwähnten Freundin Andrea P. beim Maifest getroffen, und gemeinsam wurde danach Weisswein gebechert, was das Zeug hielt. Da Andrea P. an diesem Tag auch Geburtstag hatte, durfte sie Gratulationen und freundschaftliche Küsschen entgegen nehmen. Auch Peter. R * habe sie auf die Backe geküsst, erzählte die Privatklägerin, das spätere angebliche «Opfer», der Schändung dem Richter.

Allerdings räumte sie ein, dass sie aufgrund des Alkoholkonsums eine Gedächtnislücke hatte. So wusste sie etwa nicht mehr, wie sie nach Mitternacht in eine nahe gelegene Klubhütte auf einem Sportplatz gekommen war, wo sie mit Peter R. und dem Ehepaar weiter gefeiert habe. Zur eigentlichen Schändung sei es während eines weiteren Blackouts ihrerseits gekommen. Dieser Gedächtnislücke war der Sturz vom Stuhl von Peter R. und der auf seinem Schoss sitzenden Andrea P. vorausgegangen. Was er mit ihr am Boden liegend angestellt habe, könne sie nicht sagen. «Ich war völlig weg», erklärte Andrea P. auf Nachfrage von Amtsgerichtspräsident Guido Walser. Erst als sie die Stimme des Ehemannes ihrer besten Freundin habe fragen hören, «meinst du, es tut ihr weh?» und diese geantwortet habe, «nein, die geniesst das», sei sie schlagartig bei Bewusstsein gewesen. Sie habe mit dem Rücken auf dem Boden gelegen und gesehen, dass der Beschuldigte sein Gesicht an ihrer Vagina gerieben habe. Sie habe danach das Klubhaus laut schimpfend verlassen.

Die von der Staatsanwaltschaft als Beweis ins Feld geführten Verletzungen – mehrere, bis zu vier Zentimeter grosse Hautunterblutungen an beiden Oberschenkeln sowie Verletzungen im Intimbereich – konnte Andrea P. wegen des Blackouts nur in Bezug auf deren Existenz bestätigen. Bemerkt habe sie diese erst am nächsten Tag.

Peter R. gab zwar zu, dass es zu Intimitäten mit der Klägerin gekommen sei, verwahrte sich aber, die Frau zu etwas gezwungen zu haben. Er habe auch nicht mitbekommen, dass sie ein Blackout gehabt habe. Vielmehr habe er den Eindruck gehabt, dass die Frau ihn anmachen wolle. Er habe sie nur gestreichelt und geküsst.

Auch die bis zu diesem Zwischenfall beste Freundin des Opfers sagte, dass sie nichts von den angeblichen Blackouts bemerkt habe. Dass sie die Situation der damals bewusstlosen Frau ausgenutzt habe, um mit ihr Zungenküsse auszutauschen, wie das die Staatsanwaltschaft behauptete, stellte sie in Abrede. Hingegen will sie gehört haben, dass Andrea P. durchaus Spass daran hatte, sich mit Peter R. zu vergnügen. Die 50-jährige Mutter von zwei fast erwachsenen Kindern beteuerte, dass sie sich an die Vorgänge vom 1. Mai 2011 nicht mehr erinnern könne. Ihr Mann habe ihr davon erzählt. Auch dass Peter R. das Opfer im Intimbereich verletzt haben soll, habe sie von ihrem Mann erfahren. Allerdings habe er das wohl nur angenommen, schob die Frau nach. Den Vorwurf, sie habe dem stark alkoholisierten Opfer die Autoschlüssel ausgehändigt, liess sie nicht gelten, schliesslich sei der Schlüssel nicht ihr Eigentum.

Der Ehemann machte vom Recht Gebrauch, nicht gegen seine Frau aussagen zu müssen. Er betonte, dass Andrea P. wie alle anderen zwar betrunken, aber zu keinem Zeitpunkt weggetreten gewesen sei. Ihre Reaktion habe er nicht verstanden. Details von den Vorgängen in der Klubhütte habe er nicht mitbekommen, zumal er mit seiner Frau herumgeschmust habe.

Namen von der Redaktion geändert