Amtsgericht Thal-Gäu

Hat sich der 33-jährige Libanese für 3000 Franken eine Ehefrau «gekauft»?

Für die Vermittlung einer heiratswilligen Frau soll Geld geflossen sein. azr

Für die Vermittlung einer heiratswilligen Frau soll Geld geflossen sein. azr

Nur um eine Aufenthaltsbewilligung zu erhalten, soll der Mann 2011 eine Frau geheiratet haben, lautete der Vorwurf der Staatsanwaltschaft. Mangels Beweisen wurde der wegen Täuschung der Behörden Angeklagte vom Amtsgericht Thal-Gäu freigesprochen.

«Sie war nicht meine grosse Liebe, wir haben aber etwas füreinander empfunden und deshalb geheiratet, versicherte der gebürtige Libanese Charles H. *, von Amtsgerichtspräsident Guido Walser auf die am 29. Juni 2011 auf dem Zivilstandsamt in Balsthal vollzogene Trauung angesprochen. Dass die Ehe nach nur gerade zwei Monaten in Brüche gegangen ist, lastete der wegen Täuschung der Behörden Angeklagte seiner ehemaligen Frau an.

Diese habe er etwa zehn Tage nach der Heirat mit einem anderen Mann erwischt, berichtete der in Arbeitskleidung zur Verhandlung erschienene Mann. Er sei zu 50 Prozent als Chauffeur für ein Transportunternehmen tätig und beim RAV angemeldet, so der Beschuldigte.

Seine ehemalige Frau bestritt Männerbesuche während ihrer kurzen Ehe. Ihren jetzigen Mann habe sie erst nach der gerichtlichen Trennung von Charles H. kennengelernt. Als «wahren Grund» für das Scheitern der Ehe nannte die 38-Jährige die Aussage ihres ehemaligen Mannes, der ihr im Streit gesagt habe, dass er sie nur geheiratet habe, um eine Aufenthaltsbewilligung zu bekommen.

Und um mit ihr zusammenzukommen, habe er 3000 Franken bezahlen müssen. «Da habe ich ihn vor die Tür gestellt und Anzeige erstattet», berichtete die im Gäu wohnhafte Frau mit marokkanischen Wurzeln.

Zum Streit gekommen sei es, weil auf der Lohnabrechnung von Charles H. immer wieder Abzüge in der Höhe von 500 Franken aufgeführt worden seien. Ihr Ex-Mann habe ihr nicht erklären können, wofür er dieses Geld gebraucht habe.

Angebliche Vermittlerin als Zeugin

Dabei habe alles so schön angefangen: «Charles war lieb und brav und ich richtig verliebt», führte die gepflegt auftretende Frau weiter aus. Kennengelernt habe sie ihren späteren Ehemann in einem Restaurant in Aarau.

Dorthin soll sie gemäss Staatsanwaltschaft von der angeblichen Vermittlerin bestellt worden sein. «Diese Frau, die auch meine Freundin ist, wusste, dass ich heiraten wollte», entgegnete die 38-Jährige auf Nachfrage von Gerichtspräsident Guido Walser.

Die als Zeugin geladene «Vermittlerin» wollte davon allerdings nichts wissen. Sie habe sich in besagtem Restaurant mit dem Cousin von Charles H. getroffen. Diesen kenne sie längerer Zeit und gehe ab und zu mit ihm aus.

An jenem Abend sei auch Charles H. dabei gewesen. Sie sei dann aber von ihrer Freundin aus dem Gäu angerufen worden. «Da habe ich sie gefragt, ob sie nicht den Abend mit uns verbringen wolle, und sie ist dann gekommen.»

Dass sie die beiden verkuppelt habe, um dafür eine Prämie zu bekommen, stellte die im Aargau wohnhafte Frau in Abrede. «Das war lediglich ein Freundschaftsdienst», führte die 47-jährige Marokkanerin dazu aus.

Sie sei denn auch überrascht gewesen, dass die Ehe nach so kurzer Zeit wieder geschieden worden sei. «Charles H. hat sie wirklich gern gehabt, die beiden waren sehr verliebt, das hat man gesehen», meinte sie treuherzig zum Richter.

Als Tourist in die Schweiz gereist

Charles H. bestätigte die Geschichte der Zeugin und erwähnte, dass er damals als Tourist in der Schweiz gewesen sei. Mit seiner späteren Frau habe er eigentlich nur einen schönen Abend verbringen wollen. Dann sei halt mehr daraus geworden.

Als seine neue Freundin dann aber erfahren habe, dass sein Visum auslaufe, habe sie vorgeschlagen, ihn zu heiraten, damit er im Land bleiben könne. Vorgängig habe es das Migrationsamt in Solothurn abgelehnt, sein Visum zu verlängern.

Charles H. blieb also nicht anderes übrig, als in den Libanon zurückzukehren. Seine Freundin hatte ihm auf den Weg geben, dass sie für ihn ein dreimonatiges Visum erwirken werde.

«Ja, ich habe alles organisiert und die Kosten dafür übernommen», bestätigte die Frau vor Gericht. Allerdings habe sie nicht so schnell heiraten wollen, wie das dann nach der Rückkehr von Charles H. geschehen sei.

«Ich wünschte mir mit ihm eine Familie und wollte ihn deshalb zuerst besser kennenlernen.» Sie sei aber von der Familie des Mannes sowie von dessen Arbeitgeber derart stark dazu gedrängt worden, dass sie schliesslich eingewilligt habe.

War Anzeige nur ein Druckmittel?

Auf die Frage von Amtsgerichtspräsident Guido Walser, warum sie ihre Anzeige gegen Charles H. wieder zurückgezogen habe, erklärte die inzwischen wieder verheiratete Frau, dass sie einfach ihre Ruhe wollte. Zur Anzeige gekommen sei es primär wegen häuslicher Gewalt ihres ehemaligen Mannes und weil sie zu diesem Zeitpunkt bereits von ihrem jetzigen Mann schwanger gewesen sei.

Für Rechtsanwalt Ronny Scruzzi, Olten, war die Strafanzeige lediglich ein Druckmittel, um die Scheidung von ihrem damaligen Ehemann möglichst schnell durchziehen zu können, insbesondere wegen der erwähnten Schwangerschaft.

Bezüglich des Vorhalts, sein Mandant habe die Behörden mit der Heirat getäuscht, um eine Aufenthaltsbewilligung zu erwirken, hielt Scruzzi fest, dass die vorliegenden Beweise für eine Verurteilung nicht ausreichten.

Dabei spiele es auch keine Rolle, wenn vom Hörensagen bekannt sein solle, dass der angeblichen Vermittlerin im Falle einer Hochzeit eine Prämie in Aussicht gestellt worden sein soll. Deshalb komme nur ein Freispruch infrage.

Nun mit Schweizerin verheiratet

Das Gericht sprach nach einer kurzen Beratung Charles H. aus Mangel an Beweisen vom Vorwurf frei, die Behörden getäuscht zu haben. Es gebe aber durchaus Anhaltspunkte, dass sich die Geschichte so wie von der Klägerin geschildert abgespielt haben könnte. «Es bleiben aber auch erhebliche Zweifel», so Walser.

Bezüglich einer Aufenthaltsbewilligung muss sich Charles H. übrigens keine Sorgen mehr machen. Er ist inzwischen mit einer Schweizerin verheiratet, wie am Rande der Verhandlung erwähnt wurde.

* Name von der Redaktion geändert

Meistgesehen

Artboard 1