Amtsgericht Thal-Gäu
Hat er mit fiktivem Gastro-Führer Geld gemacht?

Ein 65-Jähriger wollte das grosse Geld machen und stand nun wegen Betrugs vor Gericht. Er soll 137 Gastrobetriebe um über 120'000 Franken erleichtert haben.

Erwin von Arb
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Der versprochene Gastroführer sollte auch mit Bildern illustriert werden.

Der versprochene Gastroführer sollte auch mit Bildern illustriert werden.

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«Ich habe in meiner Jugend gelernt, angefangene Dinge zu Ende zu führen», sagte Michael K.* zum Präsidenten des Amtsgerichts, Guido Walser. Der Angeklagte meinte damit seinen gescheiterten Versuch, einen eigenen Gastro-Führer herauszugeben.

Begonnen hatte Michael K. damit im Jahr 2003, nachdem er von seinem in dieser Branche tätigen Arbeitgeber entlassen worden war. Dort war der Angeklagte bis zu diesem Zeitpunkt für die Akquisition von Inseraten zuständig.

Erster aktenkundiger Fall im Thal

Der heute 65-jährige Österreicher suchte in der Folge zahlreiche Gastrobetriebe in der ganzen Schweiz und im benachbarten Deutschland auf, um diese für sein Buch zu gewinnen.

Abgesehen hatte es Michael K. dabei vor allem auf Betriebe, die neu eröffnet hatten oder in den Medien Werbung machten. Die Vorgehensweise war laut Staatsanwaltschaft immer dieselbe. Michael K. tauchte unangemeldet im Lokal seiner potenziellen Kunden auf und bot ihnen gegen Entgelt einen Eintrag in seinem Gastro-Führer an.

Zu diesem Zweck präsentierte er einen anderen Gastro-Führer als Werbung für seine eigene Produktion. Wenn sich die Parteien einig wurden, kassierte Michael K. in einer ersten Tranche 600 Franken bar auf die Hand. Weitere 600 Franken mussten die Wirte für den Text sowie das darin publizierte Foto hinblättern und nochmals denselben Betrag bei Erscheinen des Gastro-Führers.

So weit kam es allerdings nicht, wie vor Amtsgericht zu erfahren war. Michael K. besuchte von 2003 bis 2010 zwar unzählige Gastro-Betriebe und konnte dabei Verträge im Gesamtbetrag von 224 500 Franken und 8090 Euro abschliessen. Davon ausbezahlt wurden 119 970 Franken sowie 3560 in Euro, verteilt auf 137 Geschädigte. Verhandelt wird der Fall übrigens vor Amtsgericht Thal-Gäu, weil der erste Geschädigte aus dem Thal stammt, wie Staatsanwältin Ursina Stocker erklärte.

28 Monate Gefängnis gefordert

Für sie sei klar, so die Staatsanwältin weiter, dass der Angeklagte nie die Absicht gehabt habe, einen Gastro-Führer herauszugeben, sondern sich selbst habe bereichern wollen. Mit seiner stets korrekten Kleidung und seinem selbstsicheren Auftreten habe er seine späteren Opfer um den Finger gewickelt.

Michael K. habe arglistig gehandelt und verfüge über eine erhebliche kriminelle Energie. Deshalb sei er wegen gewerbsmässigem Betrug zu einer Freiheitsstrafe von 28 Monaten zu verurteilen, 8 davon unbedingt bei einer Bewährungszeit von 3 Jahren.

Rémy Wyssmann widersprach als amtlicher Verteidiger dieser Darstellung und verwies auf das freie Unternehmertum in der Schweiz. Von diesem Recht habe auch sein Mandant Gebrauch gemacht.

Dass er sein angestrebtes Ziel nicht erreicht habe, sei vor allem auf seine Krankengeschichte zurückzuführen. Dass er ab August 2010 nur noch zu 50 Prozent arbeitsfähig gewesen sei, habe auch die IV-Stelle bestätigt. Der Angeklagte hatte im Weiteren immerhin auch schwere eigene kaufmännische Fehler eingeräumt. Zudem habe er wegen der Konkurrenz im Internet immer mehr Mühe gehabt, Kunden zu finden.

«Kein Fall für das Strafgericht»

Seinen Mandanten beschrieb Wyssmann als korrekt, ehrlich. Strafrechtlich könne ihm nicht vorgeworfen werden, seine Arbeit aufgegeben zu habe. Dies geschah krankheitshalber. Deshalb müsse der Fall an die Zivilabteilung verwiesen werden.

Wyssmann betonte, dass Michael K. kein Blender, sondern bescheiden sei und nicht auf grossem Fuss lebe. Zudem verfüge er über einen tadellosen Leumund. Wyssmann verlange für seinen Mandanten einen Freispruch. Das Urteil wird am 1. April mündlich eröffnet.

Name von der Redaktion geändert