Hanf-Verbot
Hanf macht Solothurner Bauern (noch) nicht high

Die Indooranlage auf einem Landwirtschaftsbetrieb in Laupersdorf wirft eine alte Frage auf. Stellt ein – legalisierter – Hanfanbau nicht auch für Teile der Solothurner Landwirtschaft eine alternative Einnahmequelle dar?

Christian von Arx
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Die Polizei hat eine grosse Indoor- Hanfanlagen ausgehoben (Symbolbild).

Die Polizei hat eine grosse Indoor- Hanfanlagen ausgehoben (Symbolbild).

pks

Die Frage, ob der Hanfanbau eine alternative Einnahmequelle für die Schweizer Landwirtschaft wäre, hat ein Laupersdörfer Bauer für sich selber mit Ja beantwortet. Mit der Folge, dass die Staatsanwaltschaft nun ein Strafverfahren gegen ihn eröffnet hat.

Angesichts von 1000 sichergestellten Hanfpflanzen und einem angenommenen Verkaufswert von mehreren 10 000 Franken spricht Cony Zubler, Mediensprecherin der Solothurner Staatsanwaltschaft, von einer mittleren Anlage: «Es gab auch schon deutlich grössere im Kanton Solothurn.»

Das schweizerische Betäubungsmittelgesetz stellt seit 1975 den Anbau von Hanf ebenso wie die Einfuhr und den Handel unter Strafe. Das Strafmass ist abhängig von Umsatz und Gewinn. Ab einem Umsatz von 100 000 Franken oder einem Gewinn von 10 000 Franken geht die bundesgerichtliche Rechtsprechung von einem gewerbsmässigen Handel aus, für den das Gesetz eine Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr verlangt.

Grosser Konsum – trotz Verbot

Cannabisprodukte werden aber in der Schweiz – verbotenerweise – täglich und massenhaft konsumiert. So berichtete die Pendlerzeitung «20 Minuten» gestern, dass bei der (nicht repräsentativen) Online-Umfrage Global Drug Survey von 5133 teilnehmenden Schweizern 65 Prozent angaben, schon Cannabis konsumiert zu haben. Von diesen wiederum seien 18 Prozent im Lauf der letzten 12 Monate mit Cannabis erwischt worden.

«Die Schweizer Prohibitionspolitik funktioniert nicht», schliesst Thomas Kessler aus den Fakten. Der frühere Drogendelegierte des Kantons Basel-Stadt, während 16 Jahren Mitglied und heute Experte der Eidgenössischen Kommission für Drogenfragen, schätzt den Jahresumsatz mit Cannabisprodukten auf dem Schwarzmarkt in der Schweiz auf 1 Milliarde Franken. Für Kessler sind die Erfahrungen der Verbotspolitik eindeutig negativ: «Der Konsum ist sehr hoch. Die Cannabisprodukte werden entweder illegal produziert oder importiert.»

Für legalen, kontrollierten Anbau

Der illegale Hanf sei zum Teil mit Giftstoffen belastet und oft mit zu viel Energie- und Düngereinsatz produziert. Und: «Der Staat gibt so die Kontrolle ab und hat keine Einwirkung auf Produktion und Konsum.»

Es sei vernünftiger, Hanf im eigenen Land zu produzieren, biologisch und gut kontrolliert, ist Kessler deshalb überzeugt. In der Zeitung «Schweizer Bauer» von Anfang April rechnete er vor, dass sich Hanfanbau vor allem für Bauern in den Bergzonen III und IV lohnen würde: Auf einer Are könnten 20 Kilo Hanfkraut geerntet werden. Bei einem Verkaufspreis von 1 Franken pro Gramm könnte der Staat erhebliche Abgaben abschöpfen, wie bei Tabak, Wein und Spirituosen.

Sein schon 1987 erstmals vorgestelltes Hanfregulationsmodell sei heute wieder aktuell, meint Kessler. Städte wie Genf, Zürich, Basel, Bern hätten Vorstösse in diese Richtung unternommen. Bei einer Online-Umfrage des «Schweizer Bauern» mit 436 Teilnehmenden sprachen sich 83 Prozent für den legalen Hanfanbau aus.

Der Solothurner Bauernverband gibt sich auf Anfrage zurückhaltend. «Das ist kein landwirtschaftlicher Entscheid», meint Bauernsekretär Peter Brügger, «diese Frage ist nicht aus der betriebswirtschaftlichen Sicht der Bauern zu entscheiden.» Es sei vielmehr die Gesellschaft, die sich entscheiden müsse, ob sie Anbau und Konsum von Hanfprodukten ähnlich wie Alkohol oder Tabak zulassen wolle: «Wenn sie Cannabis als Genussmittel zulassen will, gehen wir über die Bücher.»

Brügger gibt zu bedenken, bei einer Freigabe des Hanfanbaus würde das Ausland über die gleichen Produktionsvorteile verfügen wie bei anderen Landwirtschaftsprodukten: «Der Boden ist bei uns teurer als im Ausland – auch für Hanf.» Vorstösse zugunsten von Hanfanbau seien im Vorstand des Solothurner Bauernverbandes bisher kein Thema gewesen. «Eine Mehrheit unserer Bauern ist wohl aus gesellschaftlichen Gründen eher skeptisch gegenüber einer Hanfliberalisierung», vermutet Brügger. Dass – wie jetzt in Laupersdorf – ein illegaler Hanfanbau auf eigentlichen Landwirtschaftsbetrieben aufgeflogen wäre, sei in der Vergangenheit sehr selten vorgekommen.

Kantonsarzt: Ähnlich wie Alkohol

Im Kanton Solothurn sind zurzeit keine Vorstösse für eine Cannabis-Legalisierung geplant. Das sei eine politische Frage, meint Kantonsarzt Christian Lanz auf Anfrage. Ob gesundheitliche Gründe für ein Verbot von Cannabis sprächen, sei schwierig zu beantworten. Die frühere Befürchtung, dass Cannabis eine Einstiegsdroge zu härteren Substanzen sei, habe sich nicht bewahrheitet. Aus medizinischer Sicht beurteile er die Wirkung ähnlich wie beim Alkohol: «Auf die Dosis kommt es an.» Bei einer allfälligen Liberalisierung müsste aber ein unerwünschter Cannabis-Tourismus in die Schweiz verhindert werden, gibt Lanz zu bedenken.

Gesundheitlich schädigend könne es sein, wenn eine Person von Cannabis abhängig werde. Doch gerade bei Cannabis sei eine Abhängigkeit sehr schwierig festzustellen. Grundsätzliche Bedenken hat der Kantonsarzt gegen das Rauchen. Und mit dem Konsum von Cannabis könne man andere gefährden, wenn man unter Cannabiseinfluss Auto fahre, Maschinen bediene oder etwa Kinder betreue.

Am Steuer gilt für Cannabis die Limite 0. Kantonsarzt Lanz war schon bei Verkehrskontrollen der Polizei dabei, wo die Lenker auf Cannabis getestet wurden, etwa nach grossen Anlässen. Seine Erfahrung: «Die meisten Leute gehen verantwortungsbewusst damit um» – Ausnahmen gebe es ebenso wie beim Alkohol.