Oensingen
Handy im Turm ruft mit seinem Klingelton die Mehlschwalben

In Oensingen wurde das erste Schwalbenhotel eröffnet. Zwei weitere sollen folgen. Um Mehlschwalben anzulocken, wird ein moderner Trick angewendet: Ein im Turm montiertes Handy soll die Vögel mit dem Klingelton anlocken.

Hansruedi Aeschbacher und Alois Winiger
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Kleine Feier zur Einweihung des Schwalbenhotels in der Hostet östlich des Friedhofs.

Kleine Feier zur Einweihung des Schwalbenhotels in der Hostet östlich des Friedhofs.

HR Aeschbacher

In Egerkingen hat es seit einiger Zeit bereits deren drei, und nun ist auch Oensingen Standort: Die Rede ist von Schwalbenhotels oder Schwalbentürmen. Rechtzeitig auf die Rückkehr der Mehlschwalben aus ihren Überwinterungsgebieten südlich der Sahara in Afrika hat die Gemeinde Oensingen für die immer selten werdenden Zugvögel einen Schwalbenturm mit 48 Nistplätzen aufbauen lassen. Er steht in einer der schönsten Oensinger Obstbaum-Hostetten östlich des Friedhofes, und nun hoffen die Initianten, dass die Schwalben die neuen Nistmöglichkeiten in rund sechs Metern Höhe nutzen werden.

Dass dies gelingen möge, dafür haben sich die Mitglieder des Natur- und Vogelschutzvereins Oensingen-Oberbuchsiten eines modernen Tricks bedient, der auch schon andernorts angewendet wird. Ein kleiner Personenkreis wählt in gewissen Abständen eine Handynummer und dann klingelt es im Schwalbenhotel – aber nicht irgendein Ton erklingt dann, sondern der Ruf der Schwalbe. Man hat dazu ein ausgedientes Handy im Hotel montiert. «Mal sehen, ob das die Schwalben anlockt», erklärt Markus Peier, Präsident des Natur- und Vogelschutzvereins Oensingen-Oberbuchsiten.

Schwierige Standortsuche

Gebaut wurde der Schwalbenturm von der Schreinerei von Rohr in Egerkingen. «Die hat bereits jene für Egerkingen gebaut», berichtet Peier. «Die vorgefertigten Nester habe ich im Zürichbiet geholt. Dort stellt ein mittlerweile 90-jähriger Mann solche her, für zehn Franken das Stück.»

Der Verein plant, in Oensingen noch zwei weitere Schwalbentürme aufzustellen. Für die Finanzierung sorgt die Einwohnergemeinde, budgetiert sind dafür total 20 000 Franken (Strassen, Unterhalt). «Darüber sind wir natürlich sehr froh», betont Peier. «Die Finanzierung zu sichern ist das eine. Fast ebenso schwierig ist die Suche nach den geeigneten Standorten.» Diese müssten zum einen für die Anwohner und für die Gemeinde passen, zum andern natürlich für die Rauchschwalben. «Am besten ist ein Raum, in dem bereits eine Kolonie vorhanden ist oder war, dann brauchen die Vögel nicht lange zu suchen.» Das war in Oensingen bis vor kurzem ganz in der Nähe bei einem Bauernhaus der Fall. Für die beiden weiteren Standorte laufen derzeit Abklärungen.

Warten auf die Schwalben

Der Turm steht schon eine Weile. Haben sich vielleicht schon Mehlschwalben eingenistet? «Bis jetzt ist mir nichts bekannt», antwortet Markus Peier. «Das ist aber nicht beunruhigend, es wurden ganz allgemein noch nicht viele Schwalben gesichtet.»