Ein schmuckes Einfamilienhaus in einer Oberaargauer Gemeinde war diese Woche Schauplatz eines vom Amtsgericht Thal-Gäu durchgeführten Augenscheins. Dabei ging es um den Vorplatz, welcher sich wie in der Rohbauphase uneben und mit zahlreichen Ausbesserungen präsentierte. Dem war aber nicht so, wie der Hausbesitzer Amtsgerichtspräsident Guido Walser erklärte. Der vormals mit Keramikplatten belegte Platz war im Oktober und November 2012 von einem Handwerker mit einem angeblich rutschfesten Belag versehen worden. Dieser habe aber nicht einmal einen Winter lang gehalten. «Als der Schnee im Frühling 2013 taute, sah ich, dass sich Blasen gebildet hatten und der Belag an einigen Stellen bereits aufplatzte», berichtete der etwa 40-jährige Hausbesitzer. Im Verlauf der Zeit habe sich dann die Beschichtung auf dem gesamten Platz abgelöst, bis davon praktisch nichts mehr übrig geblieben sei.

Arbeiten bevorschusst

Für die Schäden machte der Hausbesitzer den vom Architekten empfohlenen Handwerker verantwortlich. Dieser habe schlechte Arbeit geleistet und zudem dauernd Vorauszahlungen verlangt. Dasselbe gelte für die entlang des Hauses mit einem Belag versehenen Wege mit Betonuntergrund. Dort seien ebenfalls Schäden aufgetreten, wenn auch nicht in so verheerendem Ausmass wie beim Vorplatz. Den Handwerker habe er mehrfach aufgefordert, diese Mängel zu beheben. Geschehen sei allerdings nichts. Deshalb klage er auf Schadenersatz im Betrag von 25 300 Franken. Diese Summe habe er dem Handwerker überwiesen.

Der unerwartet zum Augenschein aufgetauchte Handwerker Peter R.* stellte sich auf den Standpunkt, dass eigentlich nicht er für diesen Schaden verantwortlich gemacht werden könne, sondern lediglich die GmbH, über welche seine Rechnungen gelaufen seien. Dass er alleiniger Gesellschafter der im Aargau ansässigen und inzwischen in Konkurs gegangenen Getränkefirma war, erwähnte der gelernte Maler und Bau-Allrounder nicht.

«Platz nicht in Rechnung gestellt»

Der im Gäu wohnhafte Mann behauptete vielmehr, dass er den bemängelten Vorplatz nie in Rechnung gestellt und den zwischenzeitlich abgeplatzten Belag aus Epoxydharz und Sand nur probeweise aufgetragen habe. «Wir wollten zuerst abklären, wie er sich bewährt», beteuerte der mit einer Windjacke, beigen Jeans und Turnschuhen gekleidete Mann. Er habe lediglich die Wege rund ums Haus in Rechnung gestellt. Dass diese Schäden aufweisen, räumte Peter R. ein.

Der Bauherr seinerseits verwies auf eine Offerte, auf welcher Peter R. pauschal 20 000 Franken für sämtliche Arbeiten inklusive Vorplatz verlangt hatte. Dass daraus schliesslich 25 300 Franken wurden, sei auf zusätzlich ausgeführte Arbeiten zurückzuführen.

Noch eine Firma mischte mit

Bei der im Gerichtssaal in Klus-Balsthal fortgesetzten Verhandlung wurde ferner erwähnt, dass Peter R. die fragliche Offerte unter den Namen seiner einst im Oberaargau ansässigen Firma für Maler- und Bauarbeiten verfasst hatte. Sein Computer sei kaputt gewesen, deshalb habe er nicht über die dafür notwendige Software verfügt, meinte der gelangweilt wirkende Handwerker treuherzig.

Rechtsanwalt Samuel Gruner, der die Rechte des klagenden Hausbesitzers wahrnahm, sah im Verhalten von Peter K. eher den Versuch, sich von der Zahlung der Mehrwertsteuer zu drücken. Eine solche sei auf der Rechnung nicht ausgewiesen. Gruner stellte den Antrag, Peter R. zu einer Schadenersatzzahlung sowie zur Übernahme der Parteikosten zu verurteilen. Der ohne Anwalt zum Gerichtstermin erschienene Handwerker beteuerte erneut seine Unschuld.

Pfusch kommt teuer zu stehen

Davon liess sich das Gericht indessen nicht beeindrucken und verurteilte Peter R. zu einer Schadenersatzzahlung von 25 300 Franken sowie zur Übernahme der Anwaltskosten des Hausbesitzers im Betrag von 5000 Franken. Zudem wurden ihm die Gerichtskosten in der Höhe von 4000 Franken auferlegt. Das Gericht räumte zwar ein, dass die Zahlung der fraglichen Arbeiten auf das Konto der erwähnten Getränkefirma erfolgt sei, Peter K. als Inhaber aber der Empfänger gewesen sei. Unglaubwürdig sei auch gewesen, den Vorplatz nur versuchshalber mit einem Belag versehen zu haben. Dagegen sprächen der flächendeckend ausgetragene Belag und die in der Offerte erwähnte Ausführung dieser Arbeit.

* Name von der Redaktion geändert