Auf mehr als ein halbes Jahrhundert aktives Engagement für die Dorfkultur – davon 40 Jahre als Kirchenchor-Dirigent – kann der Kestenholzer Vollblut-Musiker Gustav Bürgi zurückblicken. Nächstes Jahr wird «Gust» 80 Jahre alt.

Und so fand er es zu Weihnachten an der Zeit, den Taktstock als Kirchenchor-Dirigent niederzulegen. Sein allerletztes Konzert, die berühmte Kemptermesse am Weihnachtsmorgen in der Pfarrkirche, wurde darob zum würdevollen Abschiedskonzert.

Eine Ära geht zu Ende

Es war Kirchgemeindepräsident Roger Wyss, der im Anschluss an die gelungene Messe die richtigen Worte fand, den Maestro zu ehren und sein grosses Engagement für den Kirchenchor zu würdigen.

Wyss blickte auf ein halbes Jahrhundert Kestenholzer Kirchengeschichte zurück und hob die wichtige Rolle von Gustav Bürgi bei den verschiedenen Renovationen hervor – speziell beim Neuaufbau der Orgel 1979/80.

Gusts Frau Trudi durfte ebenfalls den grossen Dank der Kirchgemeinde entgegennehmen, kann sie doch auf nicht weniger als 50 Jahre ununterbrochener Organistinnentätigkeit zurückblicken.

Eine Ära geht in Kestenholz zu Ende – man kann mit Recht sagen, dass die beiden Kirchenmusiker zusammen ein ganzes Jahrhundert musikalische Dorfkultur mitgetragen haben! Später liess auch Chorpräsident Xaver Bürgi die wichtigsten Highlights aus Gusts’ vierzig Jahren Dirigententätigkeit noch einmal Revue passieren.

Einen Trost konnte Xaver Bürgi vermelden: Gust wird auch weiterhin als «einfaches Chormitglied» mitsingen – und auch auf seinen legendären «Nocino» wird man in Zukunft nicht verzichten müssen.

Dieser spezielle Nusslikör wird von Gust jedes Jahr hergestellt, um dann anlässlich der berühmten Dorfchilbi im September am Kirchenchor-Verkaufsstand zusammen mit heissen Marroni zugunsten der Vereinskasse unters Volk gebracht zu werden.

Ein Vogel als Auszeichnung

Auch die Kulturkommission Kestenholz würdigte die grossen Leistungen von Gust Bürgi. Obwohl noch kein offizieller «Kulturpreis» im Dorf existiert – eine Auszeichnung durfte dem rüstigen Maestro trotzdem überreicht werden: Eine witzige Keramik-Gartenvogelfigur aus dem Atelier der Oberbuchsiter Künstlerin Penny Jeanmaire, die eine gewisse Ähnlichkeit mit seinem neuen Besitzer aufweise.

Er gucke auf ähnlich pfiffige und fröhliche Weise in die Welt und sein Einsatz und seine Standfestigkeit seien ebenso zuverlässig und absolut wetterfest, behauptete der Präsident der Kulturkommission.

Bekannt für seine gute Laune und wertschätzende Arbeit während der Proben, erstaunt es nicht, dass neun Kirchenchor-Mitglieder ihrem Dirigenten während der gesamten 40 Jahre bis heute die Treue gehalten haben.

Gustav Bürgi entfaltete seine Aktivitäten auch ausserhalb der Kirchenmusik. Weitherum bekannt wurde er dank seinen Eigenkompositionen für das Festspiel zu «Lonny, die Heimatlose» im Joseph-Joachim-Gedenkjahr 1984.

Unvergessen auch sein originelles «Fürio»-Lied, welches er für das «Denkmal»-Festspiel anlässlich des 700-Jahr-Jubiläums der Gemeinde Kestenholz schrieb. Und auch für das bekannteste aller Kestenholzer Lieder, das «Schneegäiselied» von Joseph Lüthi, schrieb er die Sätze.

Weg frei für das «Bürgi-Chörli»

Gusts’ allererste musikalische Aktivitäten gehen auf die Nachkriegszeit zurück, als er als Schüler der 2. Bez in der Dorfmusik «Eintracht» als Klarinettist debütierte.

Schon während seiner Ausbildung zum Chorleiter an der Kirchenmusikschule Luzern dirigierte er den (inzwischen aufgelösten) Männerchor Kestenholz, übernahm nach Studienabschluss den Kirchenchor Wolfwil und folgte 1974 dem Ruf ans Dirigentenpult des Kirchenchors seiner Heimatgemeinde.

Auch die weltliche Musik spielte in Gusts Leben eine wichtige Rolle: In den 50er-Jahren sorgte er mit seiner zwölfköpfigen «Dave-Bürgi»-Tanzmusik für gute Stimmung und war während fast 20 Jahren der Kopf der Kestenholzer Bauernkapelle.

Es ist nicht verwunderlich, dass Gust seine Trudi anlässlich einer Kultur-Aktivität kennen- und lieben lernte. Zusammen standen sie 1958 auf der «Waldheim»-Bühne. Im bekannten Stück «Ben Hur» spielte er den arabischen Scheich Ilderim und Trudi hatte die Rolle von Tirza, Ben Hurs Schwester, inne.

Als Ehepaar gestalteten sie während Jahrzehnten bei unzähligen Hochzeiten den musikalischen Part mit. Gust mit seiner Tenorstimme, begleitet von Trudi an der Orgel.

Mit dem Anwachsen der Kinderschar war dann der Weg frei für das «Bürgi-Chörli», bestehend aus seinen Töchtern Monika (Sopran) und Barbara (Alt) sowie seinem Neffen und Göttibub Hubert Bürgi (Bass). Unvergessen bleiben zudem seine verschiedenen Auftritte an den alljährlichen Dorf-Serenaden

Nun darf Gust etwas kürzertreten, weiterhin seine heiss geliebte Musik zu Hause geniessen – und mit seiner Trudi bei einem Gläschen Nocino dankbar auf ihr überreiches Musikerleben zurückblicken.