Guldental
Die Legende eines sagenhaften Thals: Ein ehrlicher Finder ist schuld

Die gute Tat eines Thaler Sennen verhalf einer ganzen Region zum Namen «Guldental». Das verrät die niedergeschriebene Sage der Volkskundlerin Elisabeth Pfluger.

Lavinia Scioli
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Das Guldental wird von einem Nebelmeer bedeckt.

Das Guldental wird von einem Nebelmeer bedeckt.

Bruno Kissling

Es existieren mehrere Versionen, die erklären, wie das Guldental zu seinem Namen kam. Die Volkskundlerin Elisabeth Pfluger hat die in ihren Augen, schönste Geschichte, eine Sage niedergeschrieben. Diese Sage beschreibt, wie eine kleine und unscheinbare Tat eines Sennen bis heute eine ganze Region namentlich prägt und eine fürstliche Dame zu Tränen rührte. Lange muss es her sein, als ein Thalergraf die Schweiz regierte. So lange, dass bereits die Volkskundlerin Elisabeth Pfluger (1919–2018) die Geschichte «Der Name Guldetal» unter «Uralti Gschichte» in ihrem Buch «Gschicht und Gschichte» aufgelistet hat.

Dieser Graf sei bei den Fürstenhäusern im Reich bis hin zu König und Kaiser «guet agschribe gsi wäge sim grade, ordlige Wäse». Seine Herrschaftsform war mild. Den Untertanen ging es gut – sie fühlten sich wohl: «Si hei möge gschnuufe und hei si chöne strecke und rode», schreibt Pfluger. Diese Eigenschaft wird sich im Verlaufe der Geschichte noch auszahlen.

Eine wertvolle Brosche geht verloren

Einmal bekam dieser besagte Thalergraf aus dem Königs- oder Kaiserhaus hohen Besuch. Über Land sei die fürstliche Frau mit einem Pferd dahergekommen. Dann passiert es: Sie verliert während dem Reiten eine besonders «chöstligi Guldbrosche». Diese Brosche sei nicht nur wegen dem «schweere Guld» und den Edelsteinen für die Dame besonders wertvoll gewesen. Sondern auch, weil das Erbstück mit vielen Erinnerungen aus unzähligen Generationen verbunden sei. Die Brosche hat also einen hohen emotionalen Wert.

Irgendwo im Thal wurde der Senn eines abgelegenen Hofes schliesslich fündig: Er findet die kostbare Brosche und scheut keine Mühen, den weiten Weg zum Schloss des Thalergrafen auf sich zu nehmen. «Er isch dermit ufs Grafeschloss gschuened und hed se sim Herr broocht», heisst es. Genau zur richtigen Zeit übergibt also der Senn die Brosche dem Grafen. Denn die fürstliche Dame will gerade mit ihrem Pferd ihre Abreise antreten.

Als Lohn «e Hampfele Gulddukate»

Die Freude über den Fund war gross, so gross, dass die fürstliche Dame sogar ein paar Tränen verdrückte: «Wie hed die Dame ne Freud gha! Si hed das wärtvollen Erbstück id Hang gnoo, heds betrachted und hed vor Freud gar afo briegge». Als Zeichen der Wertschätzung und im Sinne des Finderlohns griff die Fürstliche gar tief in ihren «Gäldseckel» und gab dem erstaunten Senn «e Hampfele Gulddukate».

Den Ehrennamen «Guldental» verdient

Die fürstliche Frau habe anschliessend ihre Hand auf die Schulter des überraschten Thaler Sennen gelegt. Tief in die Augen habe sie ihm geschaut. Sie erhob ihre Stimme so laut, dass alle sie hören konnten: «I däm Tal heds no Lüüt wo treu und brav si wie Guld. Dir und dine Kamerade z Ehre sölls vo hüt ewägg der Ehrename träge: Guldetal!», beschreibt Elisabeth Pfluger. Die Treue des Sennen gegenüber seinem Thalergraf verlieh somit einer ganzen Region den ehrenhaften Namen «Guldetal». Und wer weiss: Vielleicht hat auch die milde Herrschaftsform des Grafen einen beträchtlichen Teil dazu beigetragen, dass der Senn die Brosche nicht zu seinem Eigen machte.

Quelle: Elisabeth Pfluger, «Der Name Guldetal».
In: Gschicht und Gschichte. Lehrmittelverlag Kanton Solothurn.

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