Vier Tage nach dem verheerenden Grossbrand der Rütti AG in Balsthal ist Besitzer Max Rütti immer noch nicht in der Lage, über das Erlebte zu sprechen. Er lässt ausrichten: «Bei Fragen wenden Sie sich bitte an die Medienstelle der Polizei». Und doch laufen, während die Brandermittler der Polizei Kanton Solothurn immer noch vor Ort sind, Spekulationen und Gespräche darüber, wie es mit dem Areal mitten im Dorf weitergehen könnte.

Wie weiter mit dem Schreinerei-Areal in Balsthal?

Wie weiter mit dem Schreinerei-Areal in Balsthal?

Nach dem Grossbrand an Silvester besichtigt Gemeindepräsident Roland Stampfli zum ersten Mal das Areal.

Gemeindepräsident Roland Stampfli kam am Montagmorgen zum ersten Mal auf den Brandplatz. Er selbst war während der Brandnacht nicht in Balsthal. «Ich besuchte zu dieser Zeit ein Musical in Kriens.» Erst am Neujahrsmorgen sei er durch diverse SMS-Nachrichten von Freunden und Bekannten, und nicht zuletzt über die Online-Medien über den Brand informiert worden. «Ich hatte nicht das Gefühl, dass ich am Brandplatz gebraucht werden würde», sagt er weiter. Man müsse da die Fachleute, sprich Feuerwehr machen lassen, und er lobt bei dieser Gelegenheit den professionellen Einsatz der rund 160 Feuerwehrmänner.

«Die Sagi gehörte eben zum Balsthaler Dorfbild. Ob man jetzt Freude daran hatte oder nicht. Es war das Lebenswerk einer Unternehmerfamilie und das respektierten wir», sagt Stampfli zum Unternehmen, das mitten im Dorf angesiedelt war. Zwar habe er sich mit Besitzer Max Rütti noch vor gar nicht langer Zeit mal darüber unterhalten, dass nach Schliessung des Sägereibetriebes über neue Verwendungszwecke für die Liegenschaften nachgedacht werden sollte. «Dass dieses Nachdenken auf diese Art nun konkret wird, habe ich natürlich nie erwartet».

Ein Gestaltungsplan

Der Gemeinderat habe beschlossen, das Fabrikareal der ehemaligen Papieri, welches derzeit nur noch zu rund einem Drittel von der Swiss Quality Paper beansprucht wird, bei einer kommenden neuen Ortsplanung von der jetzigen Gewerbezone in die sogenannte Mischzone (Gewerbe und Wohnen) zu setzen. Entsprechende Vorverhandlungen mit den Firmen-Vertretern am Laufen, so Stampfli.

Gleiches könnte er sich auch mit dem Sagi-Areal vorstellen. «Wobei mit der Sagi solche Besprechungen viel einfacher sind, da der Liegenschaftsbesitzer direkt ansprechbar ist». Stampfli denkt, dass mittels eines Gestaltungsplan an der Falkensteinerstrasse ein neuer Wohn- und Gewerbebereich entstünde. «Ich habe immer wieder mal Anfragen von potenziellen Investoren, die in Balsthal Projekte verwirklichen möchten. Auch die Gemeinde ist an Neuem interessiert. Dieses Unglück ist auch eine Chance, das Dorfbild attraktiver zu gestalten», so Stampfli.

Gerüchte und Gerede

Natürlich schiessen nach einem solchen Ereignis die Spekulationen und Gerüchte ins Kraut, was der Grund für diesen Grossbrand sein könnte. Von «warmer Sanierung» über «Silvesterfeuerwerk» bis zu einem technischen Defekt wird über alles Mögliche getuschelt. Bruno Gribi, Mediensprecher der Polizei Kanton Solothurn sagt zum Thema Brandursache: «Die Brandermittler sind noch vor Ort. Sie sind zuversichtlich, dass die Brandursache geklärt werden kann. Wann dies aber soweit ist, ist noch nicht abschätzbar». Zur Schadenhöhe ist noch nichts Genaueres bekannt.

Doch eines ist sicher: Wer Max Rütti kennt, weist mögliche unlautere Absichten ins Reich der Dichtung. Dennoch: Die Mieter, die teilweise erst vor wenigen Wochen in den jetzt abgebrannten Räumlichkeiten ihre Geschäfte aufbauten oder ihre Habe unterbrachten, stehen vor dem Nichts.

Unter ihnen Bestatter Samuel Zimmerli, der vorher für die Rütti AG Bestattungen durchführte und jetzt für die Zuber Bestattungen in den ehemaligen Rütti-Räumen sein Büro neu einrichtete. Oder die Textilreinigung Thal, welche sich langsam aber sicher zu etablieren wusste. Ein «Opfer» ist auch Kunstmalerin Verena Schneider, deren eingelagerte Bilder – ihr Lebenswerk – samt und sonders verbrannt ist.