Holderbank
Glockenstuhl, Fassade und Turmuhr: Pfarrkirche wird rundumerneuert

Im Turm der Pfarrkirche St. Fridolin in Holderbank sind innen und aussen Erneuerungsarbeiten im Gang. Unter anderem wird der Glockenstuhl und die Joche aus Gusseisen mit Holz ersetzt. Das kommt dem Klang der Glocken zugute.

Alois Winiger
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Die Kirche St. Fridolin von der Tiefmattstrasse her gesehen
9 Bilder
Der Turm, ein markantes Bauwerk
Turm und Westfassade sind eingerüstet
Vergangenheit - das Glockenjoch aus Eisen wird durch eines aus Holz ersetzt
Kirche mit Dachreiter vor 1912.
Der Glockenstuhl steht, jetzt werden die Glockenjoche vorbereitet
Klöppel und weitere Bestandteile liegen auf dem Gerüst zur Montage bereit
Glockenstuhl der Kirche St. Fridolin in Holderbank wird erneuert
Die Balken aus Lärchenholz werden mit Bindern fixiert

Die Kirche St. Fridolin von der Tiefmattstrasse her gesehen

Alois Winiger

Ist wirklich ein Gerüst nötig? Könnte man für die Arbeiten oben im Kirchturm nicht auch einen Kran einsetzen? Auslöser für diese Fragen war die Feststellung, dass der Glockenstuhl im Turm der Pfarrkirche St. Fridolin in Holderbank dringend saniert werden muss. «Die Konstruktion hat angefangen zu wackeln», berichtet René Probst, Präsident der römisch-katholischen Kirchgemeinde. Das war Grund genug, den Turm als Gesamtes näher zu untersuchen.

Man stellte fest, dass auch die Turmuhr einer Revision bedarf, die Zifferblätter irreparabel sind und daher ersetzt werden müssen, ebenso die Jalousien des Glockenzimmers, und schliesslich auch die Fassaden – jene der Kirche auf der Westseite eingeschlossen – einen neuen Anstrich benötigen. In Anbetracht all dieser Arbeiten war die eingangs gestellte Frage schnell beantwortet: Es braucht ein Gerüst.

Erst seit dem Jahr 1912

Schon seit 1734 steht die Pfarrkirche St. Fridolin in Holderbank. Sie verfügte über ein Geläut mit drei kleinen Glocken, doch die hingen nicht so wie heute in einem eigentlichen Turm, sondern in einem Dachreiter, wie das Bild unten zeigt. Das ist ein Aufbau, ein auf dem Dachfirst aufsitzendes schlankes, oft hölzernes Türmchen.

Im Jahr 1886 konnten die kleinen Glocken durch neue ersetzt werden, mussten aber leider wenige Jahre später wieder heruntergeholt werden. Denn es habe sich gezeigt, dass die Konstruktion des Dachreiters der Belastung des neuen Geläutes nicht genügte. So ist es in der Chronik nachzulesen, 1984 erschienen zum 250-Jahr-Jubiläum der Kirche. Der Turm wurde 1912 im Rahmen einer Gesamtrenovation erbaut. Eine vierte, grosse Glocke ergänzte von da an das Geläute, das bis in die 1960er-Jahre von Hand erzeugt wurde. (wak)

Fürs Auge war mit dem Gerüst der Sanierungsbeginn sofort feststellbar, fürs Ohr erst, nachdem man im Dorf realisierte hatte, dass Glockenklang und Stundenschlag verstummt und keine Uhrzeiger mehr zu sehen waren. «Die Leute vermissen das, sie fragen mich immer wieder, wann das Geläute wieder eingeschaltet wird», sagt René Probst und fügt an, dass voraussichtlich nächste Woche zur Probe geläutet wird.

Die Wiedereinsetzung des Geläutes – geweiht sind die Glocken ja schon – folgt am Samstag, 26. Oktober, 17.30 Uhr, in einem feierlichen Gottesdienst, gehalten von Pfarrer Toni Bucher. Anschliessend gibts einen Apéro und im Gemeindesaal ist eine kleine Ausstellung zur Renovation des Turms zu sehen.

Holz eignet sich besser als Eisen

Aus Eisen bestanden der bisherige Glockenstuhl und die Joche, die Halterungen der Glocken. Nun wird für beides Holz verwendet, und zwar von der Lärche, verarbeitet in altbewährter Zimmermannsmanier. «Dieses Holz ist grundsätzlich sehr beständig», erklärt Matthias Häfliger von der Muff Kirchturmtechnik AG in Triengen, einem der führenden Unternehmen in diesem Bereich. «Zudem ist Lärchenholz aufgrund seiner Struktur elastisch, druck- und tragfest.»

Den Wechsel von Eisen zu Holz begründet Häfliger so: «Der Glockenstuhl ist nicht nur eine Tragkonstruktion, sondern er muss auch die Kräfte abdämpfen können, wenn die Glocken schwingen.» Jahrzehntelange Erfahrungen hätten gezeigt, dass sich Holz besser eigne als Eisen.

Hinzu komme der akustische Aspekt. «Ein gut konstruierter Glockenstuhl aus Holz, kombiniert mit Glockenjochen aus Holz, hat einen starken, positiven Einfluss auf den Klang des Geläutes. Er ist reiner und angenehmer, das lässt sich nachweisen», betont Häfliger.

Klöppel-Qualität ebenso wichtig

Ganz ohne Eisen gehts aber dann doch nicht. Da sind Bänder, Balkenverbinder, Ketten, Antriebsmechanik und – jenes Teil, das die Musik macht: der Klöppel. Auch diese werden in Holderbank ersetzt. «Für den optimalen Klang ist die Qualität der Glocke das eine, jene der Klöppel das andere», führt Häfliger aus. Hier sei viel «gesündigt» worden in den letzten Jahrzehnten. Vor allem sei die Dimension des Klöppels nicht der Glocke angepasst worden, war sehr häufig zu Schäden geführt habe. «Die Firma Muff hat einen eigenen Klöppel entwickelt, der im Gegensatz zu den früher gängigen nicht birnenförmig, sondern rund ist.» Geschmiedet werden die Klöppel in den eigenen Werkstätten.

Die zum Teil recht schön geformten, aus der Glockenstube entfernten Eisenelemente, wollte man nicht einfach wegschmeissen und hat sie beim Natur- und Vogelschutzverein Holderbank eingelagert. «Vielleicht zeigt ja ein Künstler Interesse dafür, der dann daraus etwas Schönes macht.» Doch das sei Zukunftsmusik, meint Probst. Jetzt freut er sich darauf, wenn er die Glocken wieder hören und von der Turmuhr die Zeit ablesen kann. Damit ist Probst, wie erwähnt, bei weitem nicht alleine. «Ja, was für ein Unterschied», schiebt Pfarrer Toni Bucher nach. «Andernorts müssen sie das Glockengeläute abstellen, weil sich die Leute darüber aufregen.»

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