Lostorf
Gewerbevereine von Lostorf und Niedergösgen schliessen sich zusammen

Der Lostorfer Gewerbeverein schliesst sich mit jenem von Niedergösgen zusammen. Die Öffnung soll auch nach Schönenwerd und Erlinsbach ausgedehnt werden. Dies war am Gewerbeapéro vom Mittwoch zu erfahren.

Beat Wyttenbach
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Die Protagonisten des Abends waren Andreas Gasche, Martin Schaerer, Esther Gassler und Thomas A. Müller (von links).

Die Protagonisten des Abends waren Andreas Gasche, Martin Schaerer, Esther Gassler und Thomas A. Müller (von links).

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Rund 70 Personen waren der Einladung des Lostorfer Gemeinderates und des örtlichen Gewerbevereins gefolgt und konnten von Gemeindepräsident Thomas A. Müller am Mittwochabend in der Aula des Schulhauses 1912 zum zweiten Gewerbeapéro willkommen geheissen werden. Der Gemeinderat habe sich zum Ziel gesetzt, den Kontakt zum Gewerbe zu verbessern. «Thema des Abends ist die Erweiterung unseres Gewerbes, aber auch das Verhältnis von Wirtschaft und Politik», führte der Gemeindepräsident aus.

Früher sei dieses sehr eng gewesen, aber seit den späten 1980er-Jahren habe sich dies geändert. Filz-Vorwurf und später das Swissair-Grounding nannte er als Stichworte. Aber auch der Ruf der Politik habe gelitten, meinte er mit einem Seitenblick nach Baden. Und auch Abstimmungsthemen zu Wirtschaftsfragen würden nicht einfach so gewonnen. «Wie kann man das gegenseitige Verhältnis verbessern?», fragte Müller. Darum gehe es an diesem Abend.

«Auftakt zur Erweiterung»

Wie dies aus Sicht der Gemeinde respektive der Region geschehen könnte, schilderte Martin Schaerer, Präsident des örtlichen Gewerbevereins, dem auch die Kreisgemeinden Obergösgen, Rohr, Stüsslingen und Winznau angeschlossen sind. «Wir müssen aufhören mit dem Kleingärtchendenken», appellierte er an die Anwesenden. Zudem sei es immer schwieriger, die Ämter in diesen Vereinen zu besetzen.

Deshalb biete dieser Abend «den Auftakt zur Erweiterung in die Region, den Auftakt zum Zusammenschluss mit Niedergösgen und das Öffnen der Türen Richtung Schönenwerd und Erlinsbach. Die Kreisschule Mittelgösgen funktioniert ja auch, und der Gewerbeverein Däniken hat es uns mit seiner Erweiterung nach Gretzenbach und neu auch Dulliken vorgemacht», erzählte Schaerer.

Mit einer Erweiterung habe man bessere Chancen, die Leute zum Mitmachen zu begeistern. Für die bisherigen Mitglieder änderten sich nur der Name – «Gewerbeverein Gösgeramt» – und das Logo. Für Neumitglieder böten sich ein Netzwerk und eine Plattform an, über die der Einzelne nicht verfüge. «Wir wollen zeigen, dass man mit lokaler Zusammenarbeit viel erreichen kann. Es ist alles vorhanden, was man braucht, auch südlich der Aare. Wir müssen nicht weit fahren, um zu Gütern und Dienstleistungen zu gelangen, schon gar nicht über den Rhein», fand er.

Der Gewerbeverein werde sich nicht scheuen, sich auch zu Sachfragen im wirtschaftlichen Bereich zu äussern. «Ziel ist, sich kritisch und friedlich auszutauschen. Und auch das gesellige Beisammensein soll nicht zu kurz kommen», so Schärer. Mitmachen solle man auch, weil alle Gewerbetreibenden Arbeits- und Ausbildungsplätze bieten, die irgendwann einmal von der jüngeren Generation weitergeführt werden sollen. «Im Moment bieten wir 270 bis 300 Arbeitsplätze an, wovon rund 50 Ausbildungsplätze», führte er aus. 75 Prozent der Arbeitsplätze im Kanton würden von KMU-Betrieben angeboten. «Wenn wir zu diesen Betrieben schauen und Sorge tragen, haben wir unser Ziel erreicht», so Schaerer.

«Gutes Verhältnis»

Wie sieht das Verhältnis Politik-Wirtschaft auf Kantonsebene aus? «Wenn es um politische Fragen geht, arbeiten Gewerbe und Handelskammer eng zusammen, dies im Gegensatz zu Baselland und zum Aargau», bemerkte Andreas Gasche, Präsident des Kantonalen Gewerbeverbandes (KGV) einleitend. Der KGV mit seinen 4300 Mitgliedern, 1902 gegründet, pflege gute Kontakte zur Politik. Die Industrie habe sich insofern stark verändert, als dass sie im Zuge der Globalisierung den Kontakt zum Schweizer Markt zunehmend verliere; es sei kein einziger Industrieller mehr im Kantonsrat vertreten. Dies ganz im Gegensatz zum Gewerbe mit seinen 25 Kantonsrätinnen und -räten. «Für das Gewerbe ist es wichtig, im Kantonsrat vertreten zu sein, weil es im Binnenmarkt tätig ist», so Gasche.

Mit Lobbying könne man im Rat Einfluss nehmen, stellte er klar und verwies dabei auf die Gruppe Wirtschaft und Gewerbe. «Die Lobbyarbeit wird sehr geschätzt, und es wird ausführlich diskutiert», stellte Gasche erfreut fest. Dies sei nötig, weil zum Ersten die politischen Parteien an Einfluss bei wirtschaftlichen Themen verloren hätten und die entsprechenden Kampagnen der Economiesuisse überliessen; zum Zweiten, weil die alleinige Fokussierung auf wirtschaftliche Aspekte dazu führe, dass die sozialpolitischen Themen «extremen Gruppierungen» überlassen würden, und zum Dritten, weil die Parlamente immer mehr professionalisiert würden. «Das Gewerbe muss wieder vermehrt als politische Kraft auftreten», forderte Gasche.

«Ein Erfolgsmodell»

Und wie sieht die Regierung das Verhältnis Wirtschaft-Politik? «Die Leistung des Gewerbes ist typisch für das Schweizer Erfolgsmodell. Vieles wird im Kleinen erledigt, man arbeitet sich von unten nach oben durch. Dies zeigt auch die Fähigkeit, Wirtschaftskrisen schnell zu meistern und die Arbeitslosigkeit tief zu halten», bemerkte Volkswirtschaftsdirektorin und Regierungsrätin Esther Gassler. «Unser Modell ist weltweit einmalig», fand sie. Das Gewerbe sei sehr wichtig, hier werde der Nachwuchs ausgebildet. Deshalb sei es notwendig, dass die Politik und die Regierung direkten Kontakt zu möglichst vielen Betrieben pflegen. «Sonst verlieren wir einander», zeige sie sich überzeugt. Direkte persönliche Kontakte seien durch nichts zu ersetzen. Die Gewerbler seien «wache Mitdenker»; ihre Meinung zähle.

«Offenheit und Ehrlichkeit sind die Grundlagen gegenseitigen Vertrauens», hielt sie fest. Nur dann könne man sich die gegenseitigen Standpunkte klarmachen und einander besser verstehen. Als Beispiel nannte sie das Thema Steuersenkung: «So etwas geht nur, wenn man jemandem etwas wegnimmt». Die Finanzen müsse man in Ordnung halten und sich bemühen, bescheiden bei entsprechenden Forderungen zu sein. Deshalb müsse man am Dialog festhalten. Allfälligen Strukturwandel gelte es zu akzeptieren, und die Regierung könne die Rahmenbedingungen bieten, um die Folgen abzufedern. «Dass das Gewerbe aber in der Lage zur Anpassung ist, beweist seine Leistungsfähigkeit», meinte sie abschliessend. – Danach konnte Thomas A. Müller zum zweiten Teil mit Apéro riche überleiten, der es ermöglichte, den Dialog zwischen Wirtschaft und Politik in bilateralem Rahmen weiterzuführen.