Der Fall sorgte Ende letzten Jahres für Aufsehen: An der Kreisschule Gäu wurde ein Gewaltvideo gezeigt und verbreitet, welches die Enthauptung eines Mannes zum Inhalt hat. Im Nachgang wurden vier Jugendliche vor den Jugendanwalt gebracht. Dies einerseits wegen des Gewaltvideos, andererseits weil von einem anderen Jugendlichen eine Anzeige wegen Drohung bei der Jugendanwaltschaft eintraf.

Anzeige wegen Drohung gegen zwei Jugendliche

Zwei Jungen wurden denn auch schuldig gesprochen. Einer, weil er das besagte Video in einem Gruppenchat einem Teil seiner Klasse zugänglich gemacht hat. Der Zweite, weil er das Video anderen Jugendlichen gezeigt hat. Beide wurden mit einer Verwarnung bedacht.

Dies weil gegen sie schon von der Schule Disziplinarmassnahmen ausgesprochen wurden, welche die Jugendanwaltschaft als genügend erachtet hat, wie Barbara Altermatt, Leiterin der Jugendanwaltschaft, bestätigt. Bei beiden Vergehen handelt es sich jeweils um ein Offizialdelikt, welches von der Jugendanwaltschaft verfolgt wird.

Die Anzeige wegen Drohung, welche gegen zwei Jugendliche lief, wurde indes vom Anzeigensteller zurückgezogen. Trotzdem mussten alle vier Jugendlichen im Nachgang an die Ereignisse schulische Sanktionen über sich ergehen lassen.

Für die Eltern der beiden letztgenannten Jungen unverständlich: «Warum werden unsere Kinder bestraft, obwohl sie unschuldig sind?», fragt sich eine Mutter im Gespräch mit dieser Zeitung. Ihr Sohn hatte nichts mit der Verbreitung des Videos zu tun.

Die beiden Jugendlichen hätten das Video zwar zusammen mit dem Jungen, welcher im Nachgang Anzeige erstattete, angeschaut, jedoch auf dem Smartphone eines weiteren Jungen. Das Video war in einem klasseninternen Chat der Parallelklasse der beiden erstgenannten Jugendlichen verbreitet worden. Auf den Handys der beiden anderen Jungen landete das Video nicht, dies bestätigt die Jugendanwaltschaft.

Disziplinarmassnahmen sollten zeitnah greifen

«Die Sanktion wurde als Disziplinarmassnahme ausgesprochen. Dies hat nichts mit der juristischen Seite zu tun», wie Neuendorfs Schuldirektor Christoph Kohler sagt. Doch warum hat man diese überhaupt ausgesprochen, obwohl der Direktor dieser Zeitung gegenüber zweimal bekräftigte, dass er die Untersuchungen der Jugendanwaltschaft abwarten wolle?

«Das hatte damit zu tun, dass sich der Fall bereits lange hinzog. Und darum wollten wir einen Entscheid fällen.» Als Strafe durften die Jugendlichen nicht am Skilager teilnehmen, zudem mussten sie einen längeren Aufsatz zu den Ereignissen schreiben, welcher laut der einen Mutter zuerst 8-9 Seiten umfassen sollte.

Man einigte sich dann in einem Gespräch mit der Schulleitung auf einen kürzeren Aufsatz. Zudem sollten die Jungen einer schweren körperlichen Arbeit nachgehen während der Zeit, so die erste Idee, laut der Eltern. Ebenfalls standen weitere Konsequenzen im Raum, falls sich die Eltern nicht mit den vorgebrachten Sanktionen einverstanden erklärten.

Am 12. Februar wurde die Anzeige wegen Drohung zurückgezogen, gegen die beiden Jungen lief also keine Strafuntersuchung mehr. Doch trotzdem wurden die Sanktionen nicht aufgehoben. Dies obwohl die Jugendanwaltschaft Kohler in einem Schreiben darauf hinweist, den Fall noch einmal zu prüfen. «Da ist mir, im Nachhinein gesehen, ein Fehler unterlaufen», gibt sich Kohler einsichtig.