Neuendorf
Getarnte Zeltstadt im Wald: Hausen hier Kriminal-Touristen?

Zwei versteckt im Wald aufgestellte Zelte sorgen bei den Forstmitarbeitern und dem Gemeindepräsident für Unbehagen. Wer campiert dort? Fest steht auf jeden Fall, dass Zelten im Wald verboten ist. Daher wurde das versteckte Lager der Polizei gemeldet.

Erwin von Arb
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Das mit grünen Blachen gebaute Zelt ist vom Hessenbanweg aus nur schwer auszumachen.

Das mit grünen Blachen gebaute Zelt ist vom Hessenbanweg aus nur schwer auszumachen.

Erwin von Arb

Aufregung herrschte am Freitagnachmittag am Hessenbanweg im Neuendörfer Wald. Bürgergemeindepräsident Emil Lämmle ist von Forstmitarbeitern aufgeboten worden, weil diese bei Arbeiten im Wald zwei Zelte entdeckt haben. Die Zelte, welche Platz für insgesamt fünf bis sechs Personen bieten, stehen seit mindestens einer Woche etwa 20 Meter vom Hessenbanweg entfernt verdeckt von Bäumen und Büschen im Wald. Alleine getraute sich bislang niemand, die gut getarnten Zelte näher zu inspizieren. Für den Augenschein mit Bürgergemeindepräsident Emil Lämmle wird das natürlich vorgängig getan. «Es ist niemand da», vermeldet einer der Forstarbeiter.

Mit Stromversorgung

Mit einem dennoch mulmigen Gefühl im Magen dringt die sechs Personen grosse Gruppe in der Folge zur kleinen Zeltstadt vor. Als Erstes trifft sie auf ein aus braunen Blachen gebautes Zelt, in dem eine Hängematte montiert ist. Darunter befindet sich ein mit Zigarettenstummeln übersäter Aschenbecher und ein halb gefüllter Abfallsack.

In den zwei entdeckten Zelten herrscht grosse Unordnung.

In den zwei entdeckten Zelten herrscht grosse Unordnung.

Erwin von Arb

Unmittelbar daneben steht ein aus grünen Blachen zusammengebautes Zelt, in dem offenbar mehrere Personen hausen. Auffallend ist neben dem mitgeführten Notstromaggregat die grosse Unordnung im Innern des Zelts. Überall liegen Taschen und Behältnisse herum, und die vielen Zigarettenstummel lassen den Schluss zu, dass die Bewohner starke Raucher sind. Zwei kleine Spielzeugbagger lassen zudem vermuten, dass hier auch Kinder leben. Ebenfalls aufgrund von Spuren lässt sich mit Sicherheit sagen, dass auch ein Hund mit von der Partie ist.

Polizei rät zu Zurückhaltung

«Zelten im Wald ist verboten und wird bei der Polizei verzeigt», meint Emil Lämmle nach Besichtigung entschlossen und greift sogleich zum Telefon. Campieren im Wald, wie das gelegentlich Pfadfinder tun, sei nur mit Bewilligung erlaubt, führt der Bürgergemeindepräsident dazu aus.

Thomas Kummer von der Kantonspolizei Solothurn glaubt nicht an Kriminaltouristen. Solche übernachteten oft bei Mittelsmännern, im Hotel oder in seltenen Fällen im Auto. Und dass ausländische Schwarzarbeiter im Wald übernachteten, sei bislang auch nicht bekannt. Die Polizei rate dennoch davon ab, sich solchen Zelten im Wald zu nähern. Verdächtige Beobachtungen sollten vielmehr der Polizei gemeldet werden, so Kummer. Diese könne dann der Sache nachgehen.