Herbetswil
Geschichte des Turnvereins ist auch Dorfgeschichte

Der Turnverein Herbetswil feiert am Wochenende in der Mehrzweckhalle sein 100-jähriges Bestehen mit vielen Erinnerungen.

Fränzi Zwahlen-Saner
Merken
Drucken
Teilen
Der TV Herbetswil 1928 in der Pose der damaligen Turner

Der TV Herbetswil 1928 in der Pose der damaligen Turner

zvg

Vor 100 Jahren wurde der Turnverein Herbetswil gegründet. Heute heisst er zwar Herrenturnverein, doch die Freude an der turnerischen Betätigung ist noch die gleiche wie vor 100 Jahren. Beim Durchforsten der Vereins-Protokollbücher wird eines klar: Vereinsgeschichte ist auch Dorfgeschichte.

Wie den Protokollen zu entnehmen ist, wurde nach einer Propaganda-Aktion des Kantonal-Turnverbandes 1914 in Herbetswil das Pflänzchen zur Gründung eines Turnvereins gesetzt. Nach einer Vorbereitungszeit von rund einem Jahr wurde am 15. September 1915 von zehn «Jünglingen» die Gründungsversammlung abgehalten. Der Turnbetrieb wurde sofort aufgenommen, und zwar in einem Parterre-Zimmer des Schulhauses. Doch der Start des noch jungen Vereins lief zunächst harzig. Es war Kriegszeit, und die meisten Vereinsmitglieder wurden zum Aktivdienst eingezogen. Auch Turngeräte fehlten. Im Dorf wurde extra eine Sammlung durchgeführt, um einen Barren anzuschaffen. Erst nach dem Ersten Weltkrieg, 1918, begann dann der Verein so richtig zu blühen.

Erste Turn- und Vereinserfolge

1919 erturnte sich Felix Fluri im Nationalturnen am Kantonalen Turntag in Hägendorf den ersten Kranz des Vereins, und 1920 fühlten sich die Herbetswiler Turner stark genug, um die Organisation des Bezirksturntages zu übernehmen. 1922 wurde zum ersten Mal zusammen mit der Musikgesellschaft ein Unterhaltungsabend durchgeführt. Die Übungen der Turner sowie die Darbietungen der Musikanten wurden im gemeinschaftlichen zweiten Teil des Abends «mit vollem Humor verarbeitet», heisst es im Protokoll. 1923 begann die Disziplin im Verein merklich zu sinken. Der Protokollführer schreibt: «Die Turnstunden werden schlecht besucht. Das liederliche und unfolgsame Benehmen einiger Turner strapaziert den bereits angeschlagenen Vereinsgeist.»

Nichtsdestotrotz konnte ein Jahr später die erste Vereinsfahne geweiht werden. In den folgenden Jahren war man bei Disziplinierungsmassnahmen nicht zimperlich, um die Leistung der Turner auf einem hohen Standard zu halten. 1928: «In Anbetracht des bevorstehenden Eidgenössischen Turnfestes wird beschlossen, die Bussen zu erhöhen, und zwar wie folgt: «Für unentschuldigtes Ausbleiben bei den Turnstunden Fr. 5.— und für Ausbleiben am Turnfest Fr. 30.—.» Scheinbar die richtige Massnahme, denn zum ersten Mal konnte der Verein das «Eidgenössische» besuchen.

Im Januar darauf, 1929, sollte gar ein Film über das grosse Fest in Luzern im Dorf gezeigt werden. «Ein totaler Misserfolg», steht im Protokoll. Grund waren politische Reibereien im Dorf. 1933 steckte der Verein wiederum in einer Krise. Man diskutierte bereits die Auflösung. Die Turner hielten aber durch, und im Jahr darauf wurden die Vereinsstatuten angepasst. Neue Taten sollen den Vereinsgeist beleben, hiess es. So kam es, dass der TV Herbetswil das erste St.-Niklaus-Jagen im Dorf durchführte.

1938 nahm der TVH am kantonalen Turnfest in Schönenwerd teil. Im Protokoll steht darüber: «Die Barrenübungen jedoch waren für uns ein Rätsel, denn da haben alle versagt. Mit 139,4 Punkten waren wir noch vor Matzendorf, was uns am meisten freute.» 1946 wurde zum ersten Mal mit der Damenriege ein Unterhaltungsabend durchgeführt. Protokolliert wurde: «Der Besuch der Abendunterhaltung war sehr gut. Am Samstag mussten wir die Leute beinahe aufeinanderschichten.»

Menü: eine Portion Kutteln

In den Fünfzigerjahren konnte der TVH an allen Turnfesten – eidgenössischen, kantonalen und auf Bezirksstufe – viele Erfolge einheimsen. 1953 wurde das Essen an der GV erstmals aus der Vereinskasse bezahlt. Menü: eine Portion Kutteln. 1960 wurde in der «Wolfsschlucht» der erste Turnermaskenball organisiert, und drei Jahre später nahmen 30 Knaben an der ersten Turnstunde der neu gegründeten Jugendriege von Hauptleiter Paul Spätig teil. 1965, zum 50-Jahr-Jubiläum, wurde die leer stehende «Mittlere Tannmatt» gemietet und zum Klubhaus ausgebaut. Mit dem neuen Schulhaus konnte der Turnverein 1968 dann endlich seine Stunden vom Schulzimmer in eine Turnhalle verlegen.

1972 ging es ans Eidgenössische Turnfest nach Aarau, wo die Herbetswiler den 7. Platz in der 10. Stärkeklasse erreichten. 1974 wurde zum ersten Mal ein einheitlicher Vereinstrainingsanzug angeschafft. An der BEA 1977 gewann die Volleyballmannschaft des TVH das Finalspiel gegen Bern und wurde zum ersten Mal Regionalmeister. 1979 wurde der Wettkampf «s schnällschte Herbetswiler Meitli und dr Herbetswiler Bueb» ins Leben gerufen. Und dann schlug die Stunde der erfolgreichen Einzelturner aus Herbetswil: 1983 wurde Mitglied Erich Uebelhardt dreifacher Kantonalmeister über 10 000 m, 5000 m und 3 000 m Steeple; 1987 wurde Lorenz Schindelholz Turnfestsieger beim Regionalturnfest in Balsthal. Zwei Jahre später wurde Schindelholz im Team Weder Weltmeister und 1990 Olympia-Dritter im Viererbob.

Heute führen der Herrenturnverein und der Damenturnverein das beliebte Mattenfest gemeinsam durch. Gemeinsam wird auch die Jugi geführt, in der momentan rund 50 Kinder mitmachen.

Das Jubiläumsfeststartet am 21. Nov. um 16 Uhr in der Mehrzweckhalle Herbetswil.