Alphorn in Concert
Geschichte des Alphorns: Vom Unspunnenhorn bis zum Didgeridoo

Die 10. Ausgabe des «Alphorn in Concert» in Oensingen zeigt die ganze Palette der Urhörner

Hans Blaser
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Wenn sich ein Anlass «Alphorn in Concert» nennt, erwartet man einfach ein Konzert mit viel Alphornklängen. Wenn er aber regelmässig stattfindet und dabei gelegentlich mit einem besonderen Highlight aufwartet, lohnt es sich, das Programm etwas genauer anzusehen. Wenn es sich gar um den zehnten Anlass handelt, gilt das doppelt.

Angefangen hat alles am 12. Oktober 2002. Da wurde dem in Oensingen lebenden Hans-Jürg Sommer der Goldene Violinschlüssel verliehen. Ein Preis aus dem Bereich Volksmusik, mit dem der Verein Goldener Violinschlüssel jährlich einmalig eine einzelne Person auszeichnet.

Massgebend für Sommers Preis war nicht seine berufliche Tätigkeit an der Kantonsschule Solothurn als Musiklehrer. Mit dem Lehrdiplom für Gitarre in der Tasche begann ihn bald auch das Alphorn zu interessieren. Autodidaktisch brachte es Sommer zur Meisterschaft und begann, für dieses Instrument zu komponieren.

Inzwischen werden über 500 Kompositionen aus Sommers Feder gespielt. Zur Preisübergabe wurde ein Alphorn-Konzert in Oensingen organisiert, was auf regen Zuspruch stiess. Und so entstand die Idee, regelmässig solche Alphorn-Konzerte durchzuführen. Der Verein Alphorn in Concert wurde gegründet.

Dieser hat sich zum Ziel gesetzt, weiterhin attraktive Anlässe durchzuführen und sie auch zu organisieren. Es wurden aber auch Kompositionswettbewerbe ausgeschrieben. «Komposition für Alphorn und Blasorchester» lautete die Vorgabe beispielsweise 2004.

Darauf gingen 23 Kompositionen ein, darunter überraschend viele aus Deutschland. Zwei Jahre später wurden sogar 31 Werke eingereicht. Da hiess die Vorgabe «Alphorn und Volksmusikformation». Man darf also erwarten, dass sich der Verein zum kommenden kleinen Jubiläum, der zehnten Ausgabe, am nächsten Wochenende etwas Besonderes ausgedacht hat.

Tatsächlich befasst sich beispielsweise Martin Sebastian – zuständig für Idee und Regie – schon seit zwei Jahren mit der Planung dieses Anlasses. Dabei ist man grob der geschichtlichen Entwicklung der ursprünglich ausschliesslich natürlichen Blasinstrumente gefolgt.

Unter dem Titel «Vom Höhlenbewohner bis heute» wird die Geschichte des Alphorns in sechs Akten aufgezeigt. Es sind je nach Zählweise sechs oder sieben eigenständige Bilder auf der Bühne zu sehen, die man auch als Kapitel oder Akte bezeichnen könnte. Alle könnten auch für sich allein stehen.

In jedem Akt kommen die Spezialisten auf dem entsprechenden Gebiet zum Einsatz, die wiederum fast alle mit Uraufführungen aufwarten. Künstlerinnen und Künstler aus anderen Bereichen sorgen für Verbindungen.

«Das Ganze wird mit Licht, Bild, Film, Tanz, Sprache und natürlich Ton – vielen Tönen – zum überwältigenden Gesamtkunstwerk verbunden», sagt Initiator Martin Sebastian. Mit dabei sind natürlich Alphornbläser, allein oder in Formationen, die für ihre unterschiedlichen Stilrichtungen bekannt sind.

Die Liste der beteiligten Künstler enthält klangvolle Namen. Einige von ihnen bringt man nicht mit dem Alphorn in Verbindung. Bei einem Walter Alder ist es das Hackbrett, bei Willi Grimm das Didgeridoo und bei Mike Diprosa die Naturtrompete. Bei den Jodlerinnen Ruth Felix und Franziska Wigger und Franz-Markus Stadelmann bleibt kein grosses Fragezeichen.

Ein solches ist eher bei der Tänzerin Julia Weiss zu setzen. Auch ein Blick auf das eingesetzte Instrumentarium lohnt sich. Nebst den erwarteten Alphörnern werden noch ganz andere, teilweise unerwartete Instrumente aufgefahren.

Das Unspunnenhorn? «Das einzige in der Schweiz noch existierende Originalinstrument wird zu sehen und zu hören sein», verrät Sebastian, der die komplette Liste der eingesetzten Instrumente noch nicht ganz preisgibt.

Angesichts des Aufwandes und des immensen Engagements aller Beteiligten ist es eigentlich schade, dass dieser sicherlich tolle Anlass nur einmal aufgeführt werden soll.

zvg