Der Vorstand der Sozialregion Unteres Niederamt (Srun) ist heute klar der Meinung, dass die bisherige Geschäftsleiterin Gabriele Lüthi den gestiegenen Anforderungen an die Führung nicht mehr genügt, um die Srun als wichtige regionale Institution weiterzuentwickeln und erfolgreich in die Zukunft zu führen.

«Seit Längerem abgezeichnet»

Wie am Mittwoch vermeldet, hat der Vorstand der Sozialregion Unteres Niederamt (Srun) beschlossen, das Arbeitsverhältnis mit der Geschäftsstellenleiterin Gabriele Lüthi per 30. Juni zu beenden. Grund seien «unterschiedliche Auffassungen der verantwortlichen Organe über die Neuausrichtung der Führungsorganisation in der Srun-Geschäftsstelle». Was heisst das? Laut Richard Wälti, Präsident des Vorstandes, habe sich seit Längerem abgezeichnet, dass sich die Geschäftsleitung zu wenig auf die Kernaufgaben fokussiert (externe und interne Kommunikation; Führung und Organisation).

«Die Führungsaufgaben der Geschäftsstellenleiterin haben sich in den fünf Jahren, seit die Srun besteht, stark gewandelt, insbesondere seit die Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) am 1. Januar 2013 ihre Arbeit aufgenommen hat», so Wälti. Es sei schon Ende 2012 absehbar gewesen, dass die neuen Verfahrensprozesse (getrennte Entscheid- und Vollzugsorgane bei den vormundschaftlichen Aufgaben) erhöhte Führungsanforderungen an die Srun-Geschäftsleitung mit sich bringen würden.

«Auf Führung konzentrieren»

Seitens des Srun-Vorstandes sei damals Gabriele Lüthi folgender Auftrag erteilt worden: Verstärkte Konzentration auf die Führungsaufgaben und personelle Optimierung des bisherigen Bereichs «Kindes- und Erwachsenenschutz»; weniger Mandatsleistung auf Sachbearbeiterstufe. Leider habe sich Lüthi im vergangenen Jahr führungsmässig zu wenig konsequent auf die neuen kantonalen Strukturen ausgerichtet und habe damit die Erwartungshaltung des Vorstandes klar verfehlt.

Dies hätte insbesondere dazu geführt, «dass die Zusammenarbeit mit der Kesb von allen Beteiligten bislang als unbefriedigend beurteilt wird und eine Besserung unter der bisherigen Geschäftsstellenleiterin weder kurz- noch mittelfristig zu erwarten ist».

Der Vorstand, so Wälti weiter, habe in den vergangenen 14 Monaten verschiedene Gespräche mit Lüthi geführt und sie an ihre erhöhte Führungsverantwortung ermahnt.

Letztlich habe der Vorstand aber feststellen müssen, dass Lüthi weiterhin ihre Kernaufgaben zu wenig konsequent umsetze. «Bei einer Führungsspanne von 15 bis 20 Mitarbeitenden, einer regionalen Sozialbehörde, welche sich in einem professionellen Umfeld mit anderen Institutionen bewegt und bei neuen kantonalen Verfahrensprozessen ist eine starke Führung, welche sich gut funktionierende Verfahrensabläufe sowie die interne und externe Kommunikation zur Daueraufgabe macht, umso wichtiger. Deshalb ist der Vorstand nach einer gründlichen Lagebeurteilung zum Schluss gekommen, dass eine Führung der Srun durch Gabriele Lüthi den veränderten Anforderungen heute nicht mehr zu genügen vermag», hält Wälti fest.

«Im Übrigen habe man Gabriele Lüthi anlässlich der Eröffnung des Vorstandsbeschlusses die Möglichkeit eingeräumt, von sich aus zu kündigen. Von dieser Option habe jedoch die Geschäftsstellenleiterin nicht Gebrauch gemacht. Wälti hält im Übrigen auf Nachfrage explizit fest, dass sich die Geschäftsstellenleiterin keinerlei strafrechtlich relevante Vorkommnisse habe zu Schulden kommen lassen. «Sie hat einfach die Prioritäten in Bezug auf ihre Führungsaufgaben nicht richtig gesetzt.»

Mit rechtlichen Schritten gedroht

Gerne hätte das Oltner Tagblatt auch die Angeschuldigte zu Wort kommen lassen. Es folgte zwar ein Mail mit der Zusicherung, eine schriftliche Stellungnahme der Redaktion gestern «bis spätestens 14.30 Uhr» zukommen zu lassen. Statt dessen traf gestern Abend auf der Redaktion ein Mail samt identischem Fax von Lüthi ein, indem sie festhielt, «dass ich die Zustimmung zur Veröffentlichung des Artikels nicht gebe». Sie verwahre sich «in aller Form gegen solche Vorwürfe» und erachte den Artikel als Persönlichkeitsverletzung. Sie teilte weiter mit, dass sie sich rechtliche Schritte vorbehalte.

Und bei der Srun; wie geht es nun weiter? «Wir werden noch in diesen Tagen ein Kadervermittlungsbüro beauftragen, einen geeigneten Nachfolger oder eine geeignete Nachfolgerin zu suchen. Gesucht wird für die Srun-Gschäftsstelle eine Führungspersönlichkeit mit hoher sozialer Kompetenz und ausgeprägten kommunikativen Fähigkeiten», so Wälti. Er hoffe, dass der Vorstand bis Mitte Jahr den entsprechenden Namen bekannt geben könne.

Anmerkung der Redaktion: Richard Wälti erhielt die Möglichkeit, seine Stellungnahme gegenzulesen und ist mit der vorliegenden Publikation einverstanden.