Das vor rund 30 Jahren sanierte Gemeindehaus in Mümliswil ist in die Jahre gekommen. Vor allem energetisch besteht Handlungsbedarf. Die Heizanlage muss dringend ersetzt werden, sie verbraucht jährlich 4000 bis 5000 Liter. Fenster müssen ersetzt und Fassade sowie Dach isoliert werden. Die Telefonie ist veraltet und der Zugang für behinderte oder betagte Bürgerinnen und Bürger ist mehr als schlecht.

Die Verteilung auf drei Stockwerke erschwert zudem die Arbeitsabläufe. Eine Sanierung würde rund 300 000 Franken kosten. Wenn ein Lift eingebaut werden müsste, käme nochmals mindestens die gleiche Summe dazu.

Chance in ehemaliger Praxis

Seit Januar steht die ehemalige Arztpraxis im Bank-Postgebäude leer. Eine Nachfolge für den Arzt Max Baur konnte auch mithilfe der Einwohnergemeinde nicht gefunden werden. Der Gemeinderat beauftragte deshalb die Verwaltung, das Interesse an den Räumlichkeiten zu bekunden. In der Zwischenzeit ist die Praxis aber von der Raiffeisenbank erworben worden.

Hier könnte sich die Gemeinde für die Verwaltung einmieten.

Hier könnte sich die Gemeinde für die Verwaltung einmieten.

Nach einer genauen Analyse der Arbeitsgruppe Immobilien stand fest, dass die Räume als neue Gemeindeverwaltung sehr dienlich wären. Die Raiffeisenbank würde sämtliche baulichen Investitionen tätigen, inklusive Einbaumöbel, Empfangsbereich etc. Der Mietzins inklusive Nebenkosten wurde auf 2 500 Franken pro Monat veranschlagt.

Der Gemeinde entstünden einmalige Umzugskosten von rund 37 000 Franken. Dazu kämen Kosten für die Telefonie von 9000 Franken, die aber im alten Gemeindehaus im nächsten Jahr auch anfallen würden. Weitere Kosten entstehen nicht, weil das bestehende Mobiliar weiterverwendet werden kann.

Einsparungen wären möglich

Da die Sanierung des bestehenden Gemeindehauses entfallen würde und auch keine Rückstellungen für künftige Sanierungen berücksichtigt werden müssen, könnte die Gemeinde - über 20 Jahre gerechnet - pro Jahr rund 19 600 Franken in der laufenden Rechnung einsparen; denn für den laufenden Unterhalt wäre die Vermieterin zuständig.

«Wir sind überzeugt, dass dies ein zukunftsgerichtetes Projekt ist», meinte dazu Gemeindepräsident Kurt Bloch und zeigte gleichzeitig noch weitere augenfällige Vorteile auf, die für einen Umzug der Verwaltung sprechen.

Doch aus den Reihen der 28 anwesenden Stimmberechtigten regte sich Widerstand gegen das Vorhaben. «Das Gemeindehaus gehört zum Dorfbild. Und ohne konkreten Vorschlag, was mit dem Gebäude nach dem Umzug geschehen soll, können die Pläne nicht unterstützt werden», meinte ein Stimmbürger.

Zudem verursache ein leerstehendes Gebäude auch Kosten, die im Projekt nicht berücksichtigt seien. Ein weiterer Bürger fand das ganze Vorgehen schlicht undemokratisch. Es könne nicht angehen, dass der Gemeinderat über ein solch wichtiges Geschäft alleine entscheiden könne, obwohl der Beschluss finanziell «angeblich» in der Kompetenz des Rates liege. Die Wortmeldungen waren teilweise recht gehässig, sodass Gemeindepräsident Kurt Bloch zu mehr Fairness aufrufen musste.

Nochmals darüber befinden

«Ich stelle den Antrag, dass die Sanierungskosten des Gemeindehauses genau abgeklärt und der Gemeindeversammlung vorgelegt werden», meldete der Votant sich erneut. Dem hielt Bloch entgegen, dass es sich um eine Information handle und deswegen kein Antrag gestellt werden könne.

Ein anwesender Gemeinderat gab zu bedenken, dass es ihm so vorkomme, wie vor einem Jahr bei der Abstimmung über den Erhalt des Hallenbades. «Jeder wollte das Hallenbad behalten, aber die dafür notwendige Steuererhöhung von 5 Prozent wurde postwendend abgelehnt.» Der Gemeinderat habe einen Volksauftrag, Kosten zu sparen - und der Umzug sei eine weitere Möglichkeit dazu.

Daraufhin appellierte ein weiterer Bürger an die Vernunft der Gemeinderäte, die ganze Angelegenheit nochmals zu überdenken und an der Ratssitzung vom 12. Juni das Projekt abzulehnen, wenn schon nicht der Souverän darüber befinden könne.