Dieses Jahr hat trist angefangen für die Gemüsebauern. Schuld daran ist nicht nur die kühle Witterung, sondern vor allem die fehlende Sonne, wie Viktor Müller, Gemüsegärtner aus Niederbuchsiten erklärt. «Der Treibhauseffekt unter dem Vlies, mit welchem die Setzlinge von Ende Februar bis etwa Mitte April vor Frost geschützt werden, findet ohne Sonneneinstrahlung nicht statt.» Die Folge sei ein kümmerlicher Wuchs. Etwas besser gedeihen die Nüssli- und Kopfsalatkulturen in den 11 600 Quadratmeter grossen Treibhäusern nahe der A1. Wegen des fehlenden Lichts beobachtet der Gemüsebauer aber auch dort ein gehemmtes Wachstum. Bemerkbar machte sich dies insbesondere beim Nüsslisalat, wo der Ertrag um 20 Prozent geringer ausgefallen ist als letztes Jahr, wie der 39-Jährige erwähnt.

Im Rückstand ist der Gäuer Gemüsegärtner auch mit der Bepflanzung der 45 Hektaren umfassenden Felder, welche er zusammen mit seinem Bruder Thomas in Niederbuchsiten, Oberbuchsiten, Härkingen, Kappel und Rickenbach bewirtschaftet. «Wir müssen wegen des ungünstigen Wetters die Arbeiten immer wieder unterbrechen», sagt Müller.

Setzlinge können nur dann in den Boden gebracht werden, wenn dieser etwas abgetrocknet ist. Bei Nässe müssen die Arbeiten eingestellt werden. So geschehen am Montag, als es am späten Nachmittag zu regnen begann. Müller schaffte es mit seiner fünfköpfigen Crew noch knapp, auf einem Feld im Schweissacker die Blumenkohlsetzlinge in die Erde zu bringen, bevor Traktor und Setzmaschine im Boden versanken.

Dasselbe spielte sich parallel in Rickenbach ab, wo ein zweites Team der Gäuer Gemüsegärtner mit einer Setzmaschine im Einsatz stand. Via Handy erfuhr Viktor Müller, dass auch diese Arbeiten praktisch gleichzeitig eingestellt werden mussten. Den Brüdern blieb nichts anderes übrig, als die insgesamt 24 Helferinnen und Helfer aus Rumänien und Portugal zurück auf den Schweissacker-Hof zu schicken.

«Saisonniers» bleiben acht Monate

Leute aus Rumänien kommen jedes Jahr ins Gäu, um die Müllers bei der Bewirtschaftung ihrer Gemüsekulturen zu unterstützen. Kommunikationsproblem gibt es dabei keine, denn sie stammen aus dem deutschsprachigen Siebenbürgen, der ältesten noch existierenden deutschen Siedlergruppe in Osteuropa. Ihr Siedlungsgebiet hatte nie Anschluss an reichsdeutsches Territorium, sondern gehörte zum Königreich Ungarn, zum Fürstentum Siebenbürgen und zur Habsburgermonarchie sowie zu Österreich-Ungarn, wie bei Wikipedia nachgelesen werden kann.

Rund acht Monate – von Ende Februar bis Mitte Oktober – dauert der Einsatz der Heferinnen und Helfer aus Siebenbürgen jeweils im Gäu. Einige kommen immer wieder, wie Müller erwähnt. Untergebracht werden sie und die erwähnten Portugiesen in eigens für sie gemieteten Liegenschaften oder Zimmern in Gäuer Gemeinden. Für ihren Transport an die Einsatzorte sind die «Saisonniers» selbst besorgt. Mit von den Landwirten zur Verfügung gestellten Kleinbussen fahren sie die Gemüsekulturen selbstständig an.

Frühling in Sichtweite?

Viktor Müller und seine Helfer sind ein eingespieltes Team, das bemerkt der geneigte Beobachter sofort. Im Idealfall wird etwa ab 20. April jede Woche abwechslungsweise gepflanzt und geerntet, beginnend mit Salat, endend mit Kabis. Wegen des trüben Wetters und des damit einhergehenden Rückstands der Gemüsekulturen verschiebt sich der Erntebeginn dieses Jahr um rund drei Wochen. «Es wird 10. Mai, bis für uns die Saison wirklich beginnt», schätzt Müller. Der Gemüsebauer hofft in der Zwischenzeit auf besseres Wetter, damit die Blumenkohl-, Kohlrabi-, und Broccoli-Setzlinge rechtzeitig in den Boden kommen.

Am besten für die Pflanzen wäre eine langsame Erwärmung des Bodens. «Hitze aus heiterem Himmel könnte den Setzlingen schaden», so Müller. Ab dem kommenden Wochenende soll laut Wetterprognosen der Frühling endlich in unseren Breitengraden Einzug halten. Auch wenn die Natur den gegenwärtigen Rückstand der Kulturen wieder aufholen würde, müssen die Gemüsebauern dennoch mit einem schlechteren Ertrag als letztes Jahr rechnen. Einerseits, weil die Ende Februar gesetzten Pflanzen gleichzeitig mit den später eingebrachten Setzlingen erntereif werden, woraus ein Überangebot und schlechte Preise resultieren, sowie andererseits wegen der verkürzten Vegetationszeit. Für Müller dennoch kein Grund, sich zu ärgern. «Wir müssen das Wetter so nehmen, wie es kommt.»