Kappel

Gemeindeversammlung stand ganz im Zeichen des Fussballs

Der neue Werkhof mit FC-Anbau wird auf die Wiese Richtung Wald (im Hintergrund rechts) gestellt.

Der neue Werkhof mit FC-Anbau wird auf die Wiese Richtung Wald (im Hintergrund rechts) gestellt.

Die Gemeindeversammlung von Kappel genehmigte das überarbeitete Werkhofneubauprojekt und den Brutto-Investitionskredit von 1.314 Mio. Franken.

Präsident Rainer Schmidlin begrüsste 103 Stimmberechtigte zu einer Gemeindeversammlung, die nicht nur wegen des WM-Spiels der Schweiz im Zeichen des Fussballs stand. Am Anfang standen eine Traktandenstreichung und eine Antragsablehnung.

Die Streichung bezog sich auf die Behandlung der Motion von Marcel W. Wyss, der im März zusammen mit 44 Mitunterzeichnern die Wiedererwägung des sich im Bau befindenden Schulhausneubauprojekts verlangt hatte. Am 7. Mai teilte Wyss laut Schmidlin über einen Gemeinderat dem Rat mit, dass er die Motion zurückziehe und Schriftlichkeit folgen lasse.

Da dies bis 27. Mai nicht der Fall war, behandelte der Rat die Motion wie eine nicht Zurückgezogene und beantragte an der Versammlung eine Nichterheblicherklärung. Mit Datum 24. Juni lag am Versammlungstag 25. Juni das Schreiben von Marcel W. Wyss vor.

Darin teilt er mit, dass er die Motion zurückzieht, weil er nach einem Unfall nicht an der Versammlung teilnehmen könne und annehme, dass die Mehrheit des Souveräns mehr Interesse am WM-Fussballspiel als an seiner Motion habe.

Dies warf bei Beat Schmidlin die Frage auf, «wie wichtig Wyss eine Überprüfung des Schulhausprojekts war oder ob es ihm nur darum ging, den Gemeinderat schlecht zu machen und als Unruhestifter aufzutreten». In der Tat war das von Präsident Rainer Schmidlin vorgelesene Rücktrittsschreiben von Marcel W. Wyss – wie viele von dessen schriftlichen Stellungnahmen zu Gemeindeangelegenheiten – mit persönlichen Beleidigungen gegen den Gemeinderat gespickt.

Hanspeter Schmid stellte den Antrag, das am Ende der Traktandenliste stehende Projekt «Neubau Werkhof inklusive Hülle für Garderoben/Duschen für den FC Kappel» vorzuziehen, «weil viele Leute den WM-Match sehen wollen». Die 103 Anwesenden lehnten dies jedoch mit 78:25 Stimmen ab.

Sechs schnelle Traktanden

Damit waren erst alle anderen – schnell, diskussions- und oppositionslos verabschiedeten – Traktanden an der Reihe. Vor der Rechnung 2013 (siehe Kasten unten) widmete sich Gemeinderat Daniel Willimann den vier Kreditabrechnungen von Projekten, die «entweder abgeschlossen oder nicht ausgeführt worden sind». Die Abrechnung Erschliessung Unterdorfgässli schliesst mit Fr. 2879.10 ab – und damit mit Minderkosten von Fr. 68 120.90 gegenüber dem Budget.

«Das Vorprojekt wurde nicht weiterverfolgt», so Willimann. Der Kanalisationsersatz im Treppacker kostete Fr. 33 463.70; der Kredit belief sich auf 113 400 Franken. Der Ersatz des GemoWin-NG-Netzservers in der Verwaltung kostete mit 86 000 Franken nur halb soviel, wie es der genehmigte Kredit von 175 000 Franken vermuten liess.

Laut Finanzverwalter Benjamin von Däniken war die Anschaffung der Hard- und Software schlicht viel günstiger als angenommen. Mehrkosten hingegen ergaben sich bei der Generellen Wasserversorgungsplanung (GWP).

Die Versammlung genehmigte einen Nachtragskredit von Fr. 42 328.65. Gründe dafür sind laut Willimann unter anderem die Verzögerungen durch den Zweckverband, fehlende Unterlagen und eine zu tiefe Kostenschätzung. Unbestritten waren die Erneuerungen der von 1964 stammenden Zweckverbandsstatuten Wasserversorgung Untergäu. Als Hauptänderung wurde neben den Statuten auch ein Geschäftsreglement erlassen.

Ohne Diskussion, drei dagegen

Kurz nach 21 Uhr stellte Gemeinderätin Eveline Schärli das Werkhofneubauprojekt inklusive Gebäudehüllenanbau für Garderoben und Duschen für den FC Kappel vor (vgl. Sonntagsausgabe).

Die Gemeindeversammlung wies im letzten Dezember die erste Variante an den Gemeinderat zurück mit dem Auftrag, auf Kosten des FC Duschen und Garderoben in die Planung des Werkhofneubaus miteinzubeziehen.

Der Rat beauftragte den FC Kappel daraufhin, den Finanzierungsnachweis für einen FC-Anbau zu erbringen. «Am 26. Mai einigten sich die beiden Parteien aufgrund der vom FC vorgelegten Finanzierungszusagen, dass die Einwohnergemeinde die gesamte Gebäudehülle inklusive Fundament gemäss der Zusatzplanung des FC übernimmt», erklärte Schärli.

Für die Mehrkosten gegenüber dem ursprünglichen Projekt stelle die Einwohnergemeinde dem FC Rechnung. Der Innenausbau des FC-Traktes und dessen Ausbaustand erfolge nach den Finanzierungsmöglichkeiten und unter der Regie des FC Kappel. «Es wird keine Parzellierung stattfinden», hielt die Gemeinderätin fest. «Die Gemeinde bleibt Eigentümer des ganzen Bauwerks. Mit dem FC Kappel wird ein Nutzungsvertrag abgeschlossen.»

In der überarbeiteten Werkhofvariante sollte im Weiteren auf den vom Gemeinderat beantragten Bau eines Entsorgungsplatzes verzichtet werden. Im Dezember sei dem Rat die Verlängerung des Vertrages mit der Entsorgungsfirma Huber am jetzigen Standort nicht bekannt gewesen, weshalb eine Zusammenarbeit mit ihr auch nicht mehr in Diskussion gestanden sei, hielt Evelin Schärli fest.

Nach Abklärungen und Gesprächen mit der Firma Huber, anderen Gemeinden und Entsorgungsfirmen sowie der schriftlichen Zustimmung des Amtes für Umwelt legte der Gemeinderat dem Souverän eine Neubauvariante ohne Entsorgungsplatz vor – und mit der Zusage, mit der Firma Huber einen Vertrag abzuschliessen. Laut Eveline Schärli ergeben sich für die Gemeinde keine Mehrkosten. In Sachen Entsorgung soll das Angebot für die Einwohner/-innen sogar grösser und die Öffnungszeiten länger werden.

Der Hauptantrag des Gemeinderats an die Versammlung lautete auf Genehmigung eines Kredites von brutto 1.314 Mio. Franken (davon 294 000 Franken zu Lasten des FC Kappel). Der Eventualantrag für einen Bruttokredit von 1.020 Mio. Franken ohne Anbau für den FC war unnötig; die Anwesenden genehmigten das Projekt inklusive Gebäudehüllenanbau für den FC diskussionslos mit drei Gegenstimmen.

Herbert Friedli rief die Versammlung zum Schluss auf, diesen Tag «als Neubeginn zu betrachten. Einen so schlechten Gemeinderat, wie er dargestellt wurde, haben wir nicht. Es hat sicher Fehler gegeben und es wird weiterhin Fehler geben. Doch der Rat hat gute Arbeit geleistet und verdient ein Lob.»

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